Merkur und Lilith


 

In einer Zeit vor unserer Welt lebte Merkur, ein Schmied der die Magie des Feuers beherrschte wie kein zweiter. Er war ein starker Mann, mit kräftigen Oberarmen und magischen Händen. Ein starker und dennoch einsamer Mann, der nur für seinen Beruf lebte und dessen Atem nur durch das Feuer bestehen konnte... So ließen die Götter nur ihn die Schwerter schmieden, welche sie selbst für ihre Schlachten brauchten, denn seine Magie verlieh ihnen die nötige Macht. Sie belohnten seine Mühen fürstlich, doch schien ihn sein Lohn nicht zu interessieren.. Kein Gold und kein Silber des Universums ließ seine Augen leuchten und diese tiefe Traurigkeit wich keine Sekunde aus ihnen...


So setzte sich der Götterrat eines Tages zusammen und man beriet sich, wie man Merkur ein einziges Mal gebührend belohnen könnte.. Die einen glaubten, das man ihm einen Palast errichten solle und er sich darüber sicher glücklich schützen würde... Andere glaubten, das er sich über einen Statur freuen könnte, die sein Ebenbild bei der Arbeit zeigt.. Doch überzeugt waren sie von alldem nicht. Plötzlich kam einem weisen Ratsmitglied die Idee, das Merkur vielleicht seine Traurigkeit verlieren könnte, wenn die Götter eine Frau für ihn schufen würden? Kurz diskutierten sie den Vorschlag und trugen ihn dann den ältesten Göttern vor. Diese befürchteten erst, das Merkur seine Arbeit vernachlässigen könnte mit einer Frau an seiner Seite, jedoch waren sie ihm so dankbar für seine Arbeit, das sie es versuchen wollten. So zogen sich die Götter zurück und berieten, welche Attribute die Frau haben müsse und wie sie aussehen sollte.


Schnell waren sie sich darüber einig, das es nur eine sanfte Frau sein durfte. Eine Frau mit dunklem Haar und dunklen Augen, in denen sich das Element Merkurs, das Feuer wiederspiegeln würde... So blieben sie drei Tage und drei Nächte im Tempel und schufen die Frau, die Merkurs Traurigkeit verbannen sollte...


Als sie fertig waren und die Frau erschaffen hatten, waren sie sehr zufrieden. So gaben sie der Frau ein Gewand und nannten sie Lilith. Die Götter führten sie zu der Schmiede Merkurs und trugen ihr auf, hinein zu gehen und Merkur die Traurigkeit zu nehmen. Also trat Lilith ein und Merkur, der wie immer am Feuer stand um die Aufträge der Götter zu ihrem Wohlgefallen zu erfüllen, bemerkte sie erst gar nicht. Er stand mit dem Rücken zu ihr und Lilith betrachtete seinen von der Hitze schwitzenden und glänzenden Oberkörper, seine starken Oberarme deren Muskeln zu seinen Bewegungen zu tanzen schienen. Sie überlegte sich, wie sie Merkur auf sich aufmerksam machen könnte, doch dann zog sie es vor sich leise zu verhalten und ihn nicht zu stören.. Sie setzte sich auf den Boden und sah ihm einfach nur zu... Eine ganze Weile beobachtete sie Merkur, der das Schwert ins Feuer hielt und den Hammer mit der anderen Hand führte.. Sie sah ihm verzaubert zu, saß still auf dem Boden und erschrak, als Merkur sich umdrehte und sie endlich wahrnahm.


Er sah sie irritiert an und fragte, ob er einen Auftrag für sie erledigen könne , doch noch im gleichen Moment erinnerte er sich, das er nur von den Göttern Aufträge erhielt. Sie lächelte sanft und erwiderte, das sie nicht hier sei um ihm einen Auftrag zu erteilen. Ihre Blicke trafen sich das erste Mal und Merkur spürte diese unbekannte Wärme, die sich in seinem Körper breit machte... Noch einmal schenkte Lilith ihm ein Lächeln und sagte: „Ich möchte dich nicht von Deiner Arbeit abhalten. Bitte lass dich nicht stören und ich werde nur hier sitzen und dir zusehen, wenn es Dir nichts ausmacht!“ Nein, es machte ihm nichts aus und so hielt er das Schwert wieder in das Feuer und sie verfolgte sein Tun mit ihren warmen Augen... Die Zeit stand still und es schien, als säße sie bereits eine kleine Ewigkeit dort und beobachtete ihn... Irgendwann stand sie auf und ging zu ihm, um die Wärme des Feuers zu spüren.


Während sie neben ihm stand konnte sie in sein tiefstes Inneres sehen und erkannte darin seine große Traurigkeit... die Einsamkeit, die ihn seit langer Zeit zermürbte...und sie sah die Magie des Feuers die in ihm lebte... Er blickte einen Moment auf und wieder trafen sich ihre Blicke... doch diesmal wandte er seinen nicht ab und sie sahen sich an, als wären sie einander längst vertraut.. Merkur verfiel ihrem Zauber und ließ seinen Hammer auf den Boden fallen, während ihre Lippen sich suchten und fanden und sie in einen Kuss fielen, der nichts minderes als die Ewigkeit bedeutete...

So geschah es, das die Beiden ein Paar wurden und die Traurigkeit aus den Augen Merkurs verschwand. Die Götter schienen zufrieden mit ihrem Werk, doch die anderen Schmiede der Planeten wurden neidisch und eifersüchtig. Erst war es Merkur, der alle Aufträge der Götter erhielt und nun schenkten sie ihm auch noch diese Frau, die sie selbst gerne besessen hätten.. Sie beklagten sich beim Götterrat über diese Ungerechtigkeit und verlangten auch für sich selbst die Erschaffung ihrer Frauen. Die Götter waren erzürnt über diese Maßlosigkeit und verbannten sämtliche Schmiede. So kam es, das diese sich zusammentaten um ihrem Neid Ausdruck zu verleihen und die Gunst der Götter für Merkur zu schmälern. Sie schlichen des Nachts in seine Schmiede um die Schwerter auszutauschen, die Merkur für die Götter geschmiedet hatte.


Als die Dienerschaft der Götter sie am Tag darauf abholten und die Götter in eine Schlacht zogen, verloren sie da die Schwerter keine Magie mehr hatten. Sie lenkten ihren Zorn über die Schmach auf Merkur und glaubten, das er seine Magie durch die Liebe zu Lilith verloren hätte. So ließen sie ihn und Lilith in den Palast rufen und fragten ihn, weshalb seine Schwerter keine Magie mehr in sich trugen. Merkur wusste die Frage nicht zu beantworten und erklärte, das er die Schwerter wie immer geschmiedet hätte und nicht verstehen könnte, das sie ohne Magie seien. Die Götter ließen sich jedoch nicht beschwichtigen und so befahlen sie, das man Lilith aus dem Tor der Zeit werfen solle, damit sie auch aus der Erinnerung Merkurs verschwände und er wieder frei sei für seine Arbeit. Außerdem legten sie den Beiden den Fluch auf, das sie auf ewig ihre Erinnerung aneinander verlieren und mit jedem Atemzug eine grausame Sehnsucht spüren sollten, von der sie nicht wissen würden, auf wen oder was sie sich richte. So geschah es... Lilith weinte und wehrte sich, doch die Gesandten der Götter zerrten an ihr und auch ihr Weinen und Flehen konnte die Götter nicht beschwichtigen. Und auch Merkurs Bitten wurde nicht erhört und so wurde Lilith aus dem Palast gezerrt und zum Tor der Zeit verschleppt.. Merkur war ihnen gefolgt und so konnten sie sich am Tor der Zeit noch einmal in die Augen sehen... noch einen letzten Kuss tauschen... Dann öffnete sich das Tor und Lilith wurde hineingestoßen, um das Tor sofort wieder zu verschlie0en... Mit dem Schließen des Tores kehrte die Traurigkeit in Merkurs Augen zurück und der Fluch der Götter bewahrheitete sich und er vergaß das es Lilith je gegeben hatte... In seinem Herzen machte sich eine große Sehnsucht breit, die jeden seiner Atemzüge erschwerte und die ihn leiden ließen... ohne zu wissen nach was er sich so sehr sehnte...


Unterdessen war Lilith durch das Tor der Zeit gegangen und kam in einer anderen Dimension, einer anderen Zeit an. Sie wusste nicht wer sie war und auch nicht, woher sie kam und wohin sie gehen wollte. Sie spürte nur diese grausame Sehnsucht in ihrem Herzen und erhielt keine Antwort auf die Frage, nach was oder wem sie sich so sehr sehnte. Sie fand sich in unserer Zeit wieder... mit traurigem Blick und dieser qualvollen Sehnsucht in sich... und so suchte sie nach ihrer Bestimmung. Nach dem Menschen, der ihr diese Sehnsucht nehmen konnte und der in der Lage war ihren Augen wieder Glanz zu verleihen.. So kam es, das sie einem Mann begegnete, dessen Interesse sie weckte. Sie glaubte zu lieben und hoffte, das sie durch ihn wieder den Glanz in ihre Augen zaubern könnte und das diese Sehnsucht ein Ende haben würde.. Doch ihre Hoffnung erfüllte sich nicht und ihre Augen blieben traurig, ihr Herz schwer und von der Sehnsucht geplagt...


Merkur, der noch immer als Schmied in der anderen Welt arbeitete, vegetierte in der Monotonie seiner Einsamkeit. Er schmiedete noch immer die Schwerter für die Götter, doch verlor das Eisen seinen Glanz, wie auch seine Augen den ihren verloren.. Die Götter waren erneut erzürnt, denn keines seiner Schwerter hatte mehr die Magie in sich, die sie einst erst zu den Schwertern machte, die sie waren. Merkur fühlte sich krank und konnte kaum mehr schlafen vor Schmerz. Die Sehnsucht fraß ihn auf, doch auch er erhielt keine Antwort auf die Frage nach was er sich so sehr sehnte... Die Götter verrieten es ihm nicht und auch nicht das Feuer, das ihm einst so vertraut war und das er seinen Freund nannte.. Als die Götter dann immer wieder ihre Schlachten verloren und die Schwerter ihnen zu keinem Sieg mehr verhalfen, riefen sie nach Merkur und stellten ihn zur Rede,. Sie fragten ihn, wieso seine Schwerter nicht mehr glänzten und weshalb sie keine Magie mehr in sich trugen. Merkur stand vor ihnen und seine leeren Augen weinten.. Er sah die Götter an und antwortete:“ Ihr Götter, ich weiß Eure Frage nicht zu beantworten, jedoch spüre ich, das ich die Antwort in meiner Sehnsucht finden kann und auch die Magie meiner Schwerter durch sie zurück zu gewinnen ist ! Sagt mir doch bitte nach was mein Herz sich so sehr sehnt und ich bin sicher, das alles wieder werden wird wie es einst war!“


Die Götter wurden ungehalten und schrien ihn an, das er keinen Anspruch auf eine Antwort habe und das er durch seine mangelnde Souveränität seinen Anspruch auf den Titel des göttlichen Schmieds verloren habe. Sie befahlen ihn zum Tor der Zeit zu führen und hindurch zu stoßen, auf das er in Einsamkeit und ohne eine Antwort auf seine Sehnsucht zu finden sein Leben tristen solle. So nahmen sie ihm seinen Schmiedehammer, schleppten ihn zum Tor der Zeit und stießen ihn hinein. So geschah es, das Merkur den Weg ging, den einst Lilith beschritt. Mit dem gleichen schweren Herzen, den gleichen traurigen Augen und der gleichen Sehnsucht in sich... Auch er kam in unsere Zeit...orientierungslos... hoffnungslos und verloren....

Lilith, die noch immer mit diesem Mann zusammenlebte, von dem sie sich erhoffte, das er die Antwort auf ihre Sehnsucht sei, war unglücklicher denn je. Längst hatte sie erkannt, das er nicht ihre Bestimmung war und so ergab sie sich ihrem Schicksal und blieb dennoch bei ihm. Sie fühlte sich schwach und leer, doch hoffte sie mit jedem ihrer Atemzüge, das sie einst auf ihre Sehnsucht treffen würde und das sie dann auch wieder den Glanz in ihre Augen bekäme. So lebte sie ihr irdisches Dasein und bemerkte nicht einmal, das sie längst nicht mehr lebte, sondern das sie nur noch funktionierte.. Jeden Augenblick mit dieser Sehnsucht und diesem tiefen Schmerz in ihrem Herzen... So sehr sie sich auch bemühte in sich zu hören um eine Antwort zu finden... Es gelang ihr nicht !


Merkur fand auf Erden eine Schmiede, welche er für seine Zwecke nutzte und dort seinen Dienst anbot. Er besorgte sich einen neuen Schmiedehammer, Eisen und schürte immer wieder aufs Neue das Feuer, welches der einzige Glanz in der Schmiede war. Auch er ergab sich seinem Schicksal und litt durch seine grenzenlose Sehnsucht Höllenqualen in Einsamkeit und Trauer. Er resignierte und suchte nicht mehr nach der Antwort auf seine Sehnsucht, welche er auf ewig verloren glaubte. Die Menschen waren dennoch begeistert von seinen Werken, denn hatte das Eisen auch keine Magie mehr, besaß es nun einen ganz anderen Glanz. Den Glanz seiner Sehnsucht der die Menschen berührte. ...

Die Götter sahen auf die Erde herab und freuten sich. Waren sie doch sicher, das Merkur und Lilith litten und niemals ihre Sehnsucht stillen würden. Sie befanden, das es eine gerechte Strafe sei, da Merkur keine guten Dienste mehr geleistet hatte und das, obgleich sie ihn so fürstlich belohnt hatten und ihm Lilith zur Seite gaben. Nein, so viel Undank musste bestraft werden und sie hatten auch kein Einsehen, als selbst die anderen Schmiede der Planeten bei ihnen vorsprachen. Pluto wandte sein Wort zuerst an die Götter und erklärte: „Ihr Götter, ich habe gesehen in welch großem Leid Lilith und Merkur nun ihr Leben tristen. Bitte, gebt Eurem Herzen einen Ruck und lasst sie sich wiederfinden!“ Doch die Götter ließen sich nicht erweichen und mahnten ihn seine Aufträge immer gut zu erfüllen, da es ihm ansonsten ähnlich erginge. Dann sprach Jupiter vor und sagte: „Ach Ihr Götter, wie könnt Ihr nur so grausam sein? Hat Merkur Euch nicht immer die besten und magischsten Schwerter geschmiedet? Könnt Ihr ihm denn nicht verzeihen, das er seine Magie verloren hat? Gebt ihm doch zumindest Lilith zurück und lasst sie auf der Erde als Sterbliche weilen!“ Da wurden die Götter richtig böse und tobten: „All Ihr Schmiede verschwindet aus unserem Palast und wagt es nicht uns noch einmal wegen Merkur zu belästigen, da wir Euch ansonsten auch durch das Tor der Zeit werfen lassen!“


Also verließen sie Schmiede verängstigt den Palast und selbst diese harten Männer weinten. Sie weinten um die verlorene Liebe und weil sie ein schlechtes Gewissen hatten. Waren sie es doch, die damals die Schwerter vertauschten und Merkur deswegen alles verlor, was ihm den Glanz in seine Augen brachte...

Lilith, die eine Arbeit im Internet angenommen hatte, erstellte eine eigene Homepage. Sie erzählte von ihrem Leben mit der Sehnsucht... berichtete von ihrer Hoffnung und schrieb ihre Gedanken nieder. So erreichte sie unzählige Menschen, die auf dieser Welt in einer ähnlichen Sehnsucht lebten und sie spendete ihnen Trost... Sie, die sie selbst so viel Trost benötigte.... Doch, so war es....


Merkur, der in seinen leeren Abenden und Nächten nicht wusste was er tun könnte um nicht durchzudrehen, kaufte sich einen Computer. So kam es, das er sich in eine Suchmaschine begab und das Wort “Sehnsucht“ eingab. Nachdem er Enter gedrückt hatte, taten sich unzählige Seiten auf, jedoch stand an oberster Stelle: “Lilith“. Da er sowieso nichts zu tun hatte und er sich beschäftigen wollte um nicht an seinem Schmerz zu ersticken, klickte er die Seite an. Er begann Liliths Zeilen zu lesen und sein Herz begann zu poltern... Er war etwas irritiert, denn er verstand noch nicht, was sich hier abspielte. Er las und las und las... Mit jedem ihrer Worte manifestierte sich die Sicherheit in ihm, das sie die Antwort auf seine eigene Sehnsucht sein musste... Sie die Frau wäre, die den Glanz wieder in seine Augen bringen könnte... Doch wusste er nicht wo sie lebte, kannte nur ihren Vornamen “Lilith“ und dachte, das er ihr einfach schreiben müsse. So schrieb er eine Mail an sie und wartete gespannt darauf, ob sie ihm antworten würde....


Als Lilith wieder an ihren Rechner ging und in ihre Mailbox schaute, fand sie eines Tages eine Mail mit dem Absender Merkurs. Sie überlegte noch wer denn dieser Merkur sein könnte, als sie die Mail öffnete und las seine Zeilen. Sie erschrak darüber, das aus ihnen die gleiche Sehnsucht sprach, welche sie selbst in sich trug. Sie konnte seine Worte fühlen, da sie genau das umschrieben, was sie selbst fühlte und sie spürte eine Verbundenheit zu Merkur, obgleich sie ihn nicht kannte. So schrieb sie ihm zurück und sie wechselten einige Mails, tauschten ihre Gedanken und Gefühle aus und kamen sich auf diese Weise näher.


Die Götter sahen auf die Erde herab und wurden unruhig. Wie konnte es sein, das die Beiden sich trafen ? Welcher Zauber verhalf ihnen dazu und würden sie fühlen, das sie ihre Bestimmung sind? Das sie die Antwort auf alle ihre Fragen sind und in der Lage, sich die Traurigkeit aus den Augen zu wischen? Auch die Schmiede sahen auf die Erde hernieder und hofften insgeheim, das Merkur spüren würde, wie nah er seiner Sehnsucht war... Das er all das zurückbekommen könnte, was die Schmiede ihm wegen ihrem dummen Neid genommen hatten...

So schrieb Merkur Lilith von seiner grenzenlosen Sehnsucht und davon, das er keinerlei Liebe in seinem Herzen trug. Er erzählte ihr von seinem Schmerz, seiner Hoffnungslosigkeit und der Leere in seinem Leben. Und Lilith schrieb ihm von der Traurigkeit in ihrem Leben, von der Einsamkeit und der Monotonie die jeder Tag ihr zum Geschenk machte. Mit jeder Mail, jedem Wort das sie sich schenkten, kamen sie sich näher und sie spürten, wie die Traurigkeit ein wenig aus ihren Herzen wich. So beschlossen sie, sich in der Realität zu begegnen um sich wenigstens einmal in die Augen zu sehen.. Sie verabredeten sich auf einem Bahnhof um ein paar Stunden miteinander sprechen zu können und sich in die Augen zu sehen....


Merkurs Weg war etwas weiter als der von Lilith und so bestieg er früh am Morgen seinen Zug und sein Herz pochte bis zum Hals. Er fühlte, das irgendetwas geschehen würde, doch wusste er nicht was es war... Er war nervös und hatte das Gefühl, das dieses Treffen ihn seiner Sehnsucht näher bringen würde. Lilith war nicht weniger unruhig, saß in der S-Bahn und stellte sich vor, wie Merkur wohl aussehen würde... Welche Farbe seine Augen wohl hätten und wie sie sich wohl begrüßen würden? Sie waren Beide total nervös und aufgelöst....


Dann erreichte Lilith den Bahnhof und während sie zu dem vereinbarten Treffpunkt lief, sah sie sich jedes vorbeigehende Gesicht an und fühlte sich irgendwie noch unsicherer, wusste sie ja nicht, ob eines der Gesichter das von Merkur war. Dann stand sie an dem vereinbarten Treffpunkt, zündete sich eine Zigarette an und wartete...Sie beobachtete die Menschen, die an ihr vorübergingen und ihr Herz schlug wie wild.... Gedankenverloren streifte ihr Blick einen Mann, der an eine Mauer gelehnt zu ihr herüber sah... Sie sah noch einmal zu ihm hin und ihre Blicke trafen sich für einen Moment... Da wusste sie es! Das musste Merkur sein und irgendwie hatte sie das Gefühl, das sie ihn kannte. Er kam auf sie zu, unfähig große Worte zu sprechen und in seinen Augen konnte sie die Traurigkeit erkennen, die sie selbst jeden Morgen in ihrem Spiegelbild begrüßte. Sie sagten sich schüchtern “Hallo“ und umarmten sich kurz. Kurz und dennoch so vielsagend.... Sie gingen in ein Café, setzten sich gegenüber und unterhielten sich. Sie redeten über Belangloses und während sie das taten, trafen sich immer wieder ihr Blicke... Sahen sich tief in die Augen und fanden darin die Ewigkeit indem sie in die Seele des anderen sehen konnten...


Bilder aus ihrer Vergangenheit setzten sich in ihren Herzen wieder zusammen und plötzlich spürten sie es...jeder für sich fühlte, das der jeweils andere ihre Entsprechung war und das nur sie sich diese Sehnsucht nehmen konnten...

Die Schmiede, die noch immer das Geschehen beobachteten, jubelten... Sie führten einen Freudentanz auf und waren außer sich vor Begeisterung. Die Götter jedoch tobten, weil sie nicht begreifen konnten wie das möglich war... und auf der Erde nahm das Schicksal seinen Lauf....


Die Zeit schien zu fliegen, während Merkur und Lilith ihren Kaffee tranken und sprachen. Sie redeten und lachten und irgendwann fiel Lilith auf, das Merkurs Augen einen Glanz bekamen, der die Traurigkeit aus ihnen zu zauberte. Die Zeiger der Uhr rückten gnadenlos weiter vor und so kam die Zeit, in der sie sich wieder trennen mussten... Jeder wieder für sich in sein Leben zurück musste.. begreifend, das dies die falsche Form von Leben war und sie im Grunde genau in diesem Moment lebten und ansonsten nur funktionierten ohne wirklich zu leben. So begleitete Merkur sie noch ein Stück weit Richtung S-Bahn und als sich ihre Wege wieder trennen mussten, umarmten sie einander noch einmal. Und diesmal war es eine Umarmung für die Ewigkeit, innig und voller Liebe.

Merkur spürte ihre Wange an seiner und bevor sie sich aus seiner Umarmung löste um ihre S-Bahn zu erreichen, hauchte sie ihm einen Kuss auf seine schönen Lippen. Dann drehte sie sich um, mit dem Wissen das ihre Augen doch noch in der Lage waren zu weinen und verließ ihn wieder...


Auch Merkur war völlig durch den Wind. Er ging zu seinem Zug und war dabei so durcheinander und mit seinen Gedanken noch immer bei Lilith, das er in den falschen Zug einstieg. Glücklicher Weise bemerkte er es noch, bevor der Zug losfuhr. Als er dann im richtigen Zug saß, sah er aus dem Fenster und fühlte noch immer ihre Lippen auf den seinen. Tränen liefen an seinen Wangen herunter und er wusste es. Ja, er wusste in diesem Moment das Lilith die Antwort auf all seine Fragen, all seine Sehnsucht und all sein Begehren war.

Lilith saß in der S-Bahn, lauschte der Musik aus ihrem Discman und fühlte sich, als sei sie von einer langen, langen Reise endlich Nachhause gekommen. Sie dachte an seine Blicke, sein Lachen und spürte seine Lippen immer wieder auf den ihren. Als sie wieder Zuhause angekommen war, machte sich eine tiefe Traurigkeit in ihr breit. Traurigkeit, weil sie ihn für einen kurzen Moment umarmen konnte und dann doch wieder verlor. Traurigkeit, weil sie nur ein einziges Mal für den Hauch eines Augenblickes seine Lippen spürte.. Und Traurigkeit, weil sie nun wusste, das er ihre Sehnsucht war...


Wieder schrieben sie sich lange Mails und offenbarten sich ihre Gefühle. Sie wussten, das sie sich wiedersehen mussten und sie wussten, das kein Tag ihres Lebens vergehen würde, ohne das der andere mit ihnen war. Die Sehnsucht hatte eine andere Form in ihnen angenommen, denn nun hatte sie einen Namen und es blieben keine offene Fragen. Durch Merkur bekamen die Tage Liliths wieder Licht, die Dunkelheit wich seiner Liebe. Ihr Misstrauen wich seinem Vertrauen und ihre Sehnsucht trug nun seinen Namen... Merkur, der wieder seiner Tätigkeit als Schmied nachging, schmiedete wieder mit seiner Magie. Die Menschen waren begeistert von seiner Arbeit und wenn er am Feuer stand und seinen Hammer schwang, fühlte er mit jedem Schlag Liliths Liebe in sich und er war sich bewusst, das sie alles für ihn war. Seine Liebe, seine Sehnsucht, sein Schmerz, seine Begierde, seine Einsamkeit und auch sein Glück...

Die Götter konnten toben wie sie wollten, denn einst stand es geschrieben das sie sich wieder begegnen und das sie ihr Schicksal erkennen würden. So geschah es, das sie sich einige Wochen später wieder trafen. Auch diesmal verabredeten sie sich an diesem Bahnhof, nur diesmal waren sie sich sicher. Als Merkur auf Lilith zukam und sich ihre Blicke trafen, hörte der Wind auf zu wehen... die Gezeiten standen still und während sie sich umarmten und küssten, hielt die Zeit den Atem an.. starb die Sehnsucht an einer grenzenlosen Liebe...

 

© by Tina 2009

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