Mit 14 fing es eigentlich mit den Drogen richtig an. Ich merkte, das ich mein ganzes Scheißleben für eine Weile vergessen/verdrängen konnte. Ich hasste mein Spiegelbild und jeder, der versuchte näher an mich ranzukommen war mir zuwider. Berührungen konnte ich nicht ertragen. Wenn eine Freundin mich zur Begrüßung umarmen wollte konnte ich sie noch so gerne haben, ich ertrug es einfach nicht. Mich anzufassen war für mich gleichbedeutend wie in ein Scheißhaus zu greifen. Jeder musste den Dreck fühlen, fühlen was ich getan hatte... Obwohl ich es nicht getan hatte, sondern er.. Nein, ich stieß meine Freundinnen auch nicht immer weg, wenn ich es mal gar nicht umgehen konnte, das mich eine umarmte, dann ließ ich es zu und es kostete mich enorm viel Power sie nicht wegzuschubsen... Wie hätte ich mich auch erklären sollen ? Sie hätten vermutlich gedacht, das ich sie nicht mag und das war es ja nicht... Wenn ich gekifft hatte, fühlte ich mich frei... Mir war alles egal und ich dachte nicht ständig an alles was passiert war. Ich vergaß, das ich nicht "normal" war, mein Leben es auch nicht war.

 

Ich hing damals viel mit Ilona zusammen. Ilona war ein Mädchen aus meiner Gruppe im Heim, sie war Polin. Als Baby wurde sie in einem Einkaufswagen in einem Supermarkt in Polen gefunden. Sie bekam Adoptiveltern und hatte ein klasse Verhältnis zu ihrem Adoptivvater. Als er krank wurde und nur noch vor sich hinsichte, brachte die Adoptivmutter sie in ein Heim. Sie hatte keinen Bock auf sie und irgendwie waren wir wohl - jede auf ihre Weise - ungeliebt und einsam. Sie war ein Jahr jünger als ich und sie sah in mir wohl eine Art Vorbild, was mir manchmal auf den Keks ging. Ich wollte für niemanden ein Vorbild sein und mochte es nicht, wenn mich jemand mit seinen guten Gefühlen für mich "erdrückte". Wir sind häufig zusammen aus dem Heim abgehauen. Einmal lernten wir einen Typen kennen, der uns fragte, ob wir nicht wüssten wo wir schlafen sollten. Wir erklärten, das wir das wirklich nicht wüssten und ob er eine Idee hätte ? Er lud uns ein zu sich Nachhause, sagte wir bräuchten keine Angst vor ihm zu haben und er würde uns nichts tun und kaum waren wir in der Wohnung, schloss er die Tür ab und zog den Schlüssel... Ich ahnte Böses und als er sagte, das er natürlich auch eine Gegenleistung für die Übernachtung erwarte und er es gerne mal mit zwei "jungen Hasen" (wie er uns nannte) treiben wolle.... Ich überlegt krampfhaft, was wir tun könnten um da raus zu kommen. Also sagte ich: "Klar, aber wir müssten noch ins Bad und ich muss auch aufs Klo !" Er zog seine Hose aus und zeigte uns in Unterhosen und Socken das Bad. Wir gingen rein und ich verschloss die Tür. Ilona sah mich mit großen Augen an und fragte: "Du willst doch nicht wirklich mit diesem Wichser ficken?" Mein Blick schweifte durch das Badezimmer und ich fand, was ich suchte... Ein kleines Fenster über der Badewanne! Da zog mich "Bulli" (so nannte ich Ilona) am Arm und flüsterte: "Guck mal, der Sack ist ein Bulle!" An einem Haken an der Tür hing eine Uniform... Ich sah mir das Teil genauer an und in einer Tasche steckte ein Portemonnaie. "Bulli" nahm es und schaute rein. Dann lächelte sie und meinte: "Guck mal, der Depp hat noch zwei Hunnis drin und seine Hundemarke!" Sie nahm das Geld raus, lächelte und sagte: "Das ist für die Scheißnummer, die er abgezogen hat..." Er klopfte schon an der Tür und rief: "Wie lange braucht Ihr zwei Hübschen denn noch?" Ich antwortete mit lieblichster Stimme: "Wir sind gleich fertig, halt Du schon mal das Bett warm." Als ich hörte wie er wieder wegging, machte ich leise das Fenster auf und guckte runter. Seine Wohnung lag im ersten Stock und unten war eine Wiese. Also sprang "Bulli" zuerst und dann ich, aber ich hatte Pech und verknackste mir den Fuß. Ich humpelte so schnell ich konnte mit "Bulli" davon, bis wir einen Kiosk sahen, wo wir uns erst einmal mit Kippen und Alkohol eindeckten... Es gab damals nichts Geileres für mich, als mich an einen Autobahnzubringer zu stellen, den Daumen rauszuhalten und irgendwohin - ganz gleich wohin, nur weg - zu trampen.

 

Ich hab damals öfters versucht wirklich "normal" zu sein... Irgendwie ließen mir viele Leute aber keine Möglichkeit  (was nicht heißen soll, das ewig andere für meine Missetaten verantwortlich waren!). Mit 14 lernte ich auch "Herbie" kennen. Er war 19, fuhr ein Motorrad und sein dad war Hausmeister an einer Schule. Seine Schwester ging in meine Klasse und irgendwann machten wir einen Klassenausflug auf einen Hundetrainingsplatz zum picknicken, so weit ich mich erinnern kann. Dort kam auch "Herbie" hin und eigentlich nahm ich ihn gar nicht wahr, denn er war nicht gerade ein Typ, der einer 14 jährigen ins Auge sticht. Ich sprach nicht einmal mit ihm. Am nächsten Tag kam seine Schwester in die Schule und brachte mir einen Brief von ihm. Ich las ihn und zeigte ihn Angie, meiner neuen Freundin mit der ich immer in der Schule zusammenhing. Wir bepissten uns fast und waren eigentlich so fies, wie 14 jährige eben sind. Er schrieb, das er mich toll fände und mich gerne mal treffen würde... Ich antwortete nicht und Geli brachte etwa eine Woche lang jeden Tag einen Brief von ihm mit. Dann überlegte ich mir, das ich ja eigentlich schön blöd sei, wenn ich ihn abblitzen lassen würde, denn er hatte ein Motorrad und konnte mich ja immer überall hinfahren... Ich weiß, das ich damals echt berechnend war und heute schäme ich mich ernsthaft für dieses Verhalten. Damals war mir alles und jeder scheißegal... Ich selbst war mir egal, wie sollte ich da an andere denken ? Na ja, ich schrieb ihm zurück, das mich seine Hartnäckigkeit beeindruckt habe und ich ihn gerne treffen würde. Wir trafen uns auch und redeten über belangloses Zeug. Ich glaube, er hatte noch nie eine Freundin und war froh darüber, denn seine Schüchternheit verbot es ihm scheinbar das er mich küsste, anfasste oder irgendwas in dieser Richtung. Und er war ein echt lieber Kerl, denn er fuhr mich wirklich überall hin und forderte nichts dafür.  Im Kino kam irgendwann der Film: "Die blaue Lagune". Damals war das der Burner unter uns Teenies und er lud mich in den Film ein. Ich saß neben ihm, schlürfte an meiner Cola und war total in den Film vertieft. Plötzlich fragte "Herbie" mich, ob er mich mal küssen dürfte... Ich sah ihn mit großen Augen an und sagte: "Oh je, ich hab plötzlich voll Zahnweh bekommen ! Ich kann dich nicht küssen!" Panik.... In mir verkrampfte sich alles und am liebsten hätte ich gebrüllt, was diese Scheiße soll... Dann legte er den Arm um meine Schulter und ich schubste ihn weg und behauptete, das ich nun auch noch Kopfweh habe und er das bitte lassen solle.... Nach einigen weiteren Minuten legte er seine Hand ganz mutig auf meinen Schenkel und auch diesmal schubste ich sie weg und meinte, ich hätte Kopf- und Zahnschmerzen und er solle mich bitte in Ruhe lassen.... Er war enttäuscht, das war offensichtlich und irgendwie wohl auch beleidigt. Immerhin waren wir schon Wochen "zusammen", er hatte nun das Kino und die Cola bezahlt und ich war noch immer nicht gewillt ihn wenigstens mal zu küssen.... Nach dem Film fuhr er mich Nachhause und versuchte es noch einmal. Er fragte, ob ich ihm denn wenigstens ein Abschiedsküsschen gäbe ? Ich motzte ihn nur an, das ich noch immer Zahnweh hätte und nicht knutschen wollte... Er fuhr entnervt davon... Irgendwann lud er mich im Namen seiner Eltern zu einem Fest ein, das in der Schule war und sein Vater holte mich ab. Ich hatte ihn noch nie gesehen und auch nicht seine mum. Wir hingen in seinem Zimmer rum, mit seinem Bruder, seiner Schwester und einigen anderen Teenies. Dann kam eine Klassenkameradin an und erzählte mir leise, das "Herbies" Mutter gerade unten auf dem Schulhof zu anderen Leuten gesagt hätte, das sie mal im Haus nach dem rechten sehen müsse, denn sie hätten ein Heimkind zu Besuch und sie wolle sicher gehen, das am Ende nichts fehlen würde... Bevor ich mich darüber auslassen konnte - und in dem Moment hätte ich nichts lieber als genau das getan - fragte "Herbie", ob wir zu seinem besten Freund fahren wollten, der heute seinen 17.ten Geburtstag hätte. Klar, Party war mir lieber als irgendwo abzuhängen. Wir fuhren hin und ich lernte seinen Freund kennen. Er hieß Frank und wir verstanden uns super. Er klaute seinem dad selbstgemachten Apfelwein aus dem Keller und wir tranken bis wir voll waren. Irgendwann kam "Herbie" an und fragte, ob er mich Nachhause fahren solle ? Ich sah ihn an und fragte zurück: "In welches Nachhause? Denkst du das ich eins hab? Nö, ich bleib noch hier, du kannst ja ruhig schon fahren !" Ich blieb nicht nur an diesem Abend bei Frank, sondern kam mit ihm zusammen. Ich geb zu, das es nicht die feine englische Art ist, wenn man mit dem besten Freund des eigenen Freundes was anfängt und vermutlich würde ich mich heute dafür selbst an den Pranger stellen, aber damals war es mir egal wenn jemand wegen mir litt, wenn ich jemandem wehgetan hatte... Wahrscheinlich weil ich selbst so verletzt war, das es mir am Arsch vorbeiging, wenn ich andere verletzte. Aber auch mit Frank schlief ich nicht und in den dreieinhalb Monaten in denen wir zusammen waren, war Händchenhalten und küssen alles, was ich ertragen konnte... Ich mochte ihn echt und spreche auch absichtlich nicht von Liebe. Klar, damals dachte ich, das ich ihn liebe, aber inzwischen weiß ich auch, das dies keine Liebe war. Mit 14 wusste ich auch nicht, was Liebe wirklich ist.... Er hörte zu und wenn ich aus dem Heim abgehauen bin, dann konnte ich jederzeit zu ihm kommen. Einmal war ich mit “Bulli“ bei ihm und wir sind gerade aus dem Hoftor raus, als die Bullen die Strasse hochgefahren kamen. Sie suchten uns, denn die Nonnen hatten ihnen mein Adressbuch gegeben und so klapperten sie wohl alle Adressen ab. Wir zeigten ihnen den Stinkefinger und rannten so enge Gässchen lang, das sie nicht mit dem Auto reinkamen, bis wir sie abgehängt hatten.

Manch Teenie wird jetzt sicher vor dem Rechner sitzen und denken, das ich absolut cool gewesen sein muss.... Ich war nicht cool.... Ich war verdammt einsam und verletzt! Und es ist ein absolut beschissenes Gefühl, wenn man sich selbst nicht mag und keinen an sich rankommen lassen kann.... Es ist, als wenn man wirklich in einem Raum mit Tausend Leuten steht und dennoch absolut allein ist.... und es tut weh, denn man weiß in jeder beschissenen Minute, das es nur an einem selbst liegt und die anderen sich noch so sehr bemühen können.... es geht nicht! Manchmal, wenn ich meinen Selbsthass nicht länger ertragen konnte, drückte ich mir mal wieder eine Kippe auf dem Arm, oder dem Bein aus....schnitt mich mit ner Rasierklinge bis das Blut nur so tropfte und hab mich noch mehr gehasst... geschämt.... Ich fühlte mich wie eine offene Wunde, nur das keiner es wahrnehmen konnte... Ich schrie und blieb dennoch stumm und hasste dieses Leben...mich...alles....

Damals bekam ich auch wieder Kontakt zu meinem Bruder. Er war inzwischen 19 und ich fand ihn megacool. Er fuhr eine fette 750er Honda, war tätowiert und wir verstanden uns prima. Er holte mich manchmal mit der Maschine von der Schule ab, oder ich besuchte ihn Nachmittags. Die Nonnen fanden, das dies kein Umgang sei und waren wenig begeistert. Ich lernte seine Freunde kennen, die alle über 20 waren und ich vergötterte meinen großen Bruder. Er war einer der ganz wenigen, die ich an mich ranlassen konnte. Wir sprachen zwar nicht über den Missbrauch und ich wusste auch nichts von seinem - wie er auch nicht von meinem eigenen - aber wir sprachen über Gott und die Welt. Nein, über Gott weniger, aber über Odin, Motorräder, Musik und das Leben. Sein bester Freund war "Huber", der damals eine 1100er Kawa fuhr, 22 war und mit dem ich mich auch super verstand. Er wollte mich mal im Heim besuchen, aber da Männerbesuch (außer von Verwandten) nicht erlaubt war, log er und behauptete, er sei mein Cousin. Wir fuhren ein Bier trinken, lachten und laberten Bullshit. Er hat nie versucht mich anzufassen, oder irgendwelche Anspielungen in dieser Richtung zumachen. Im Gegenteil, der sagte sogar mal, das er mich nie angraben würde, weil ich die Schwester von M. sei und er mich respektieren würde wie ihn. Zudem würde er ihn vermutlich kalt machen, wenn er mit seiner kleinen Schwester was anfangen würde... Ja, mein großer Bruder hatte zwar damals schon viel Ärger mit den Bullen gehabt und auch eine Bewährungsstrafe hinter sich, aber er war schwer in Ordnung ! Wir hörten zusammen AC/DC, Motoerhead, Sex Pistols und vor allem die Stones, die er heute noch liebt.... Irgendwann fuhr ich mit "Bulli" und "Huber" in seinem alten Kadett auf ein Feuerwehrfest. Wir tranken und irgendwann fing "Huber" an mit den Jungs von der freiwilligen Feuerwehr zu stänkern. Die verhielten sich noch recht leise, aber ich ahnte schon, das sich das ändern würde, wenn "Huber" voll wäre.... So kam es dann auch... Irgendwann war er so besoffen, das "Bulli" und ich ihn zum Auto schleppen wollten, aber die Jungs waren schneller. Sie sagten nur noch: "Tina geh aus dem Weg, wir wollen Dir nichts tun!" "Huber" lallte nur noch: "Diese Dreckschweine wollen mich fertig machen weil ich voll bin...Ruf Deinen Bruder an und sag ihm, er soll mit den Jungs kommen!" Ich rannte zu einem Telefonhäuschen und versuchte M. zu erreichen.... Ohne Erfolg... Als ich zu "Huber" zurückkam, lag er schon blutend am Boden ... "Bulli" und ich hoben ihn auf und schleppten ihn zum Auto, während die anderen grölten und mächtig stolz darauf zu sein schienen, einen Besoffenen zu siebt niedergemetzelt zu haben... Ich sagte zu "Huber" das er nicht mehr fahren könnte, so blau wie er sei und er lallte, das er Gas gäbe und ich lenken solle.... Wir hatten etwa 30 km vor uns und ich schwitzte Blut und Wasser, als ich lenkend neben ihm saß und er manchmal einschlief und das Gas durchtrat... Wir kamen jedoch an einem Stück an und wir schleppten ihn zu M., der inmitten einer Party saß. Als er seinen blutenden Freund sah wurde er mächtig sauer... Er riss den Stecker seiner Stereoanlage aus der Wand und fragte, was los gewesen sei... Ich erzählte es ihm und er war absolut sauer, weil man "Huber" so feige ausgeknockt hatte. Also fragte er die Jungs, ob wir alle in das Kaff fahren wollen würden um denen mal zu zeigen, das niemand einem seiner Kumpel auf die Fresse hauen würde, wenn dieser schon so besoffen sei. Die Jungs fanden die Idee klasse und so fuhren wir in dieses Kaff... Es war eine richtige Karawane und M. fuhr vor, weil er den Weg kannte. Wir klapperten alle Kneipen ab und fanden dann auch zwei der Typen. M. setzte einen der Beiden auf den Flipperautomaten und erklärte ihm, das er wissen wolle wo der Obermacker stecken würde und er solle sich seine Antwort gut überlegen, wenn er nicht als Flipperkugel enden wolle.... Er verriet seinen Kumpel und dann fuhren wir dorthin. M. hielt sich nicht groß an der Klingel auf, er ging in seinem Zorn durch geschlossene Türen... Ich bin nicht mit rein, denn ich hasste schon immer Gewalt. Und ich mochte es nicht, wenn mein Bruder sich prügelte. Aber diesmal dachte ich, das es nur gerecht sei, denn die Jungs waren auch nicht gerade fair gewesen....Eigentlich hatten viele Leute Respekt vor mir, wenn sie hörten das M. mein Bruder ist... Er hatte nicht den besten Ruf, oder sagen wir mal, er war bekannt dafür, das er auch zuschlug, wenn man ihm auf den Sack.

So locker mein Bruder auch war, er verbot mir Drogen zu nehmen und fragte mich auch oftmals, ob ich denn welche einfahren würde. Ich leugnete mit einem Engelsgesicht, denn es war nicht einfach ihm etwas vorzumachen. Er merkte eigentlich wenn ich log.... Irgendwann saß ich mit Freundinnen und Kumpels auf einer Brücke und war total bekifft und hielt eine Weinflasche in der Hand. Da kam ein alter Bekannter vorbei, der auch meinen Bruder kannte... Ich dachte nicht so weit, das er es ihm stecken könnte, aber zwei Tage später kam er angefahren... Mann,  war der stinkig ! Er brüllte mich an, was die Scheiße mit dem Kiffen solle und ob ich das geil fände wie ein Penner mit ner Weinflasche in der Öffentlichkeit zu sitzen... Ich sagte nichts, denn er war mächtig sauer auf mich ! Dann sah er mich an und sagte:  "Hey, ich mach mir Gedanken um dich und will nicht, das du mal im Dreck landest ! Lass den Scheiß, denn ich krieg alles raus und wenn ich so was noch einmal höre, vergesse ich das du meine Schwester bist und reiß dir den Arsch auf!" Das war deutlich... Es hielt mich zwar nicht ab, aber ich achtete immer darauf, das niemand mich sah der ihn kannte....

Damals kannte ich auch Manu schon. Manu war die Schwester eines Jungen, mit dem ich mal zusammen war. Wir wurden gute Freundinnen und hingen oft zusammen ab, kifften und bauten viel Mist. Ich hatte noch immer meine "Maske" auf, Ich war niemals schlecht gelaunt, immer lustig und hatte immer ne freche Klappe. Ich glaube, damals gab es nichts mehr, vor dem ich Angst hatte. Respekt hatte ich längst schon vor niemandem mehr.... Vor kurzem sagte Manu nach über 20 Jahren Freundschaft zu mir, das sie mich damals immer bewunderte, weil ich gegen alles und jeden ging und vor keinem Angst oder Respekt gehabt hätte. Ich sei immer aggressiv gewesen und das fand sie damals cool... Heute weiß sie, wieso ich damals so war und sie rief mich vor ein paar Monaten mal an und sagte: "Oh Mann, ich mach mir echt nen Kopf weil ich damals so viel mit dir zusammen war und nicht raffte, was bei dir Zuhause abging. Wenn ich mir vorstelle, das dieser Wichser am Wochenende wieder über dich hergefallen ist und wir Montags zusammen abhingen und ich nix checkte...Scheiße !" Ich antwortete ihr, das sie selbst noch ein Teenie war und selbst wenn sie gecheckt hätte, das da was nicht stimmen konnte, hätte ich mich viel zu sehr geschämt als das ich was gesagt hätte... Sie muss sich auch keinen Kopf machen, denn sie ist für mich wie eine Schwester und ich lieb sie auch wie eine solche ! Sie ist eine der wenigen, bei denen ich immer weiß das sie da ist wenn ich unten bin und sie weiß, das ich da bin, wenn sie unten ist, da kann kommen was will !

Mit Manu rauchte ich damals auch so manchen Joint und wir konnten über fast alles quatschen. Nur nicht über das eine... Ihre Mum fand ich damals auch echt klasse, denn sie besuchte mich mal im Heim und sie wollte mich damals auch bei sich aufnehmen, aber meine Mutter hat es verboten. Sie war wohl auch eifersüchtig, denn ich sah in Manu´s Mum eine Art Ersatzmama und ich hatte die Frau richtig lieb... Sie behandelte mich wie ein Mensch und gab mir nie das Gefühl assi zu sein. Manche Mütter von Freundinnen packten mir regelmäßig Obst ein, wenn ich zu Besuch kam, als wäre ich aus dem Osten gekommen und hätte noch nie ne Banane gesehen...Andere fragten mir Löcher in den Bauch, von wegen wie es denn im Heim sei und wieso ich dort wäre ? Solche Einsätze nervten mich und ich ging nicht mehr hin. Manu´s dad hatte ich noch nie gesehen, denn er war Brummifahrer und nie da, wenn ich dort war. Als ich eines Tages bei ihr klingelte und er öffnete, fragte ich, ob Manu da sei. Er sah mich von oben bis unten an und brummte: "Geh erst einmal Nachhause und zieh dir was gescheites an, bevor du zu meiner Tochter willst!" Dann knallte er die Tür zu. Ich hatte damals ein AC/DC Tour- Shirt an, ne alte, zerschlissene Jeans, so wie ne Lederjacke. Trotzdem ging ich weiter hin und Jahre später, als ich ihn auf diese Session ansprach, sagte er: "Sorry Tina, aber ich kannte dich ja damals nicht und manchmal ist man voreingenommen wenn man Leute sieht. Heute weiß ich, das es Blödsinn war und du schwer in Ordnung bist !" Ich mag Manu´s Eltern total gern, denn sie gaben mir immer das Gefühl wertvoll zu sein.... Ihre Mum nenne ich heute noch "Mama B." und hin und wieder telefonieren wir....

Ich musste auch nachdem ich dem Sack das Messer an den Hals gehalten hatte immer noch alle zwei Wochen Nachhause... Ich hasste es und manchmal täuschte ich Krankheiten vor, um nicht hinzumüssen. Ich liebte meine Mutter noch immer abgöttisch und ich hätte alles für diese Frau getan... und wenn ich sage alles, dann meine ich auch alles ! Sie sagte oft zu mir: "Weißt du Martina, eigentlich darf man das als Mutter ja nicht sagen, aber dich liebe ich irgendwie am meisten von meinen Kindern. Du bist so anders wie deine Geschwister und obwohl du mir schon viele Probleme gemacht hast und mein Sorgenkind warst, hängt mein Herz doch besonders an dir!" Ich glaubte ihr und hatte keine Ahnung davon, das sie das auch zu meinen Geschwistern sagte, wenn sie mit ihnen allein war.... Ich hatte sogar ein schlechtes Gewissen, weil meine Mutter mich mehr liebte.... Ich war so elend blind und verblendet... und sie war meine ungekrönte Königin ! Heute weiß ich, das eigentlich nicht sie die Mutter war die ich so liebte, sondern die, die ich so gebraucht hätte und die ich mir so sehr wünschte.... Und ich wäre für sie gestorben, ohne auch nur mit der Wimper zu zucken....

Genau das war mein Problem! Auf der einen Seite wollte ich meine Mutter ja besuchen, auf der anderen Seite war dieser Bastard ja auch immer da.... Auch wenn er mich nicht mehr anfasste, konnte er sein dummes Maul nicht halten und wenn ich mal Daheim anrief um meine Mutter zu fragen wie es ihr denn so geht und dieser Wichser zuerst dran war, dann hauchte er mir immer ins Ohr: "Na, mein nasses Schneckchen, wie geht es dir denn ?" Oder: "Na, mein schönes Schneckchen, was gibt´s denn ?" Mir drehte sich jedes Mal der Magen um und ich brüllte ihn an, das er meine Mutter ans Telefon holen und seine Griffel vom Telefon nehmen solle. Wenn sie dann drankam sagte ich oft, das sie ihm verbieten solle so mit mir zu sprechen, weil dieses Arschloch nicht nasses, oder schönes Schneckchen zu mir zu sagen hätte ! Sie beschwichtigte mich dann immer und meinte, das ich doch wüsste wie blöd er sei und das ich einfach nicht hinhören solle.... Wenn ich Zuhause war, schlief ich niemals ! Zwar rührte er mich nicht mehr an, aber ich traute ihm nicht. Ich ging sogar mit einem Messer ins Bett und wartete manchmal nur darauf das er kommen würde... Er tat es nicht ! Wie ich diesen Bastard hasste.... Wie oft ich mir vorgestellt hab, das er noch einmal käme und versuchen würde mich anzufassen.... damit ich ihm das Messer in den Bauch rammen könnte ! Er hat es wahrscheinlich geahnt, denn er ließ es bleiben.... Aber es reichte auch und ein großer Teil von mir war längst tot....

Ich hasste ihn damals schon dafür, das er mir die Möglichkeit genommen hatte Kind zu sein.... das er mich benutzte wie einen Gegenstand... das er meinen Körper und meine Seele immer und immer wieder vergewaltigt, gedemütigt, misshandelt, missbraucht, benutzt, beschmutzt und verletzt hatte... das ich durch ihn nie in der Lage war mir den Mann mit dem ich meinen ersten Sex hätte haben wollen, selbst auszusuchen ... das er mir das Gefühl vermittelte ein menschliches Abfallprodukt ohne jegliche Lebensberechtigung zu sein... das er über meinen toten Vater lästerte, ihn einen kriminellen Schwulen nannte aus dessen Arsch ich geboren worden wäre.... das dieser geistige Tiefflieger mich immer und immer wieder klein kriegte durch seine beschissene körperliche Überlegenheit... das er mir mein Selbstwertgefühl und meine Selbstachtung nahm... das ich durch ihn das Gefühl bekommen habe eine Gefangene in meinem eigenen Körper zu sein, den ich niemals akzeptieren konnte.... das er mir das Gefühl gab dreckig und mies zu sein... das er mich lehrte was Angst ist..... das ich durch ihn gelernt habe so sehr zu hassen...  Wenn ich das jetzt so lese muss ich sagen, das er eine Menge geschafft hat, dieser miese Bastard !

Aber es gibt auch eine Menge, das er nicht geschafft hat! Das Wichtigste ist: Ich lebe! Und ja, ich muss verdammt stark sein, denn ich hab dieses Monster überlebt! Mit unzähligen Wunden und Narben, aber ich lebe!!! Und ich kann nicht nur hassen, ich kann auch lieben.... Ich weiß heute auch, das ich kein menschliches Abfallprodukt bin, der Abfall ist er! Ich weiß heute auch, das er selbst von seinem Vater als Kind gefickt wurde, aber das lässt mich nichts entschuldigen! Das lässt mich keine verfluchte Sekunde verzeihen, oder vergessen! Im Gegenteil! Dafür hasse ich ihn noch mehr, denn er hätte wissen müssen was er tat ! Und ich habe es dennoch in meinem Leben zu etwas gebracht, auch wenn er immer sagte, das es nicht einmal auffallen würde, wenn ich verrecken würde, oder das keiner Fragen stellen würde, wenn er mich heute totschlagen und irgendwo verschachern würde....

Einige Tage nach meinem 15.ten Geburtstag, als ich Mittags aus der Schule kam, standen in meinem Zimmer meine gepackten Koffer. Die Nonne kam und erklärte mir, das ich in ein Heim für schwererziehbare Jugendliche käme, denn ich hätte den Bogen überspannt.... Einige Tage zuvor war ich auf eine Nonne losgegangen, die mich tierisch nervte, weil sie mich nicht einfach in Ruhe ließ. Also schlug ich auf sie ein, riss ihr den Schleier vom Kopf, beschimpfte sie aufs Übelste und beruhigte mich erst, als sie am Boden lag.... Ich war unzählige Male abgehauen, hab geklaut wie ein Rabe, kiffte, soff, benahm mich wie ein wildes Tier und hatte ein Schlappmaul wie ein Schwert... Die Gabe schnell die Schwachpunkte anderer zu finden, hatte ich immer schon und ich nutzte sie wo und wann ich nur konnte.... Auch einige Tage zuvor, als wir beim Mittagessen saßen und Dorothea mir gegenübersaß (sie war etwa ein Jahr älter, aber zurückgeblieben), klotzte sie mich an. Etwas, das ich nie leiden konnte, weil ich es ewig falsch interpretierte und dachte, jemand kann den Dreck an mir sehen. Also sagte ich: "Glotz mich nicht so an und iss deine bescheuerte Suppe!" Sie aß und glotzte weiter. Neben mir saß eine Erzieherin und ich sagte noch einmal, das sie woanders hingaffen solle. Nach weiteren zwei, drei Minuten hörte sie noch immer nicht auf und ich nahm meinen Teller und warf ihn ihr samt der Suppe ins Gesicht... Die Erzieherin packte mich am Arm und zerrte mich vom Stuhl. Eine andere kam noch angerannt, weil sie wohl befürchteten, das ich wieder vollends ausraste und dann zerrten sie mich zu zweit in mein Zimmer... Dann hatte ich auch Stress mit "Bulli". Wir prügelten uns und als sie am Boden lag und winselte, das sie aufgeben würde und ich von ihr ablassen wollte, trat sie mir mit voller Wucht zwischen die Beine... Da rastete ich dann vollends aus, rannte weg und besorgte mir ein gigantisches Messer.. drei Erzieherinnen und eine Nonne waren nötig um mir das Messer abzunehmen und mich ins Zimmer zu sperren... Dann kam ich vor das "Jugendgericht". Das waren die fünf ältesten aus der Gruppe, die mir im Keller einen schnellen Prozess machten und mich zu einer Woche Zimmerarrest verurteilten. Ich sollte ab 18:00h in mein Zimmer gesperrt werden, mit einem Putzeimer als Klo.... Der erste Abend war erträglich, doch am zweiten kam "Bulli" an meine Zimmertür, die zu 80%  aus ner Milchglasscheibe bestand. Sie stand da draußen und flüsterte: "Na, du blöde Fotze, das haste jetzt davon ! Ich bin hier draußen und du da drinnen...!" Dann lachte sie und rieb an dem Glas ihren Stinkefinger... Da reichte es mir. Ich nahm mir ein Handtuch, wickelte es um meine Faust und schlug durch die Scheibe... Dann nahm ich mir ihren Arm und rieb ihn an der kaputten Scheibe bis sie blutete und schrie... Sofort kamen wieder die Erzieherinnen angerannt und zerrten mich weg. Ich musste die Scheibe natürlich bezahlen, was zwei Monate kein Taschengeld ausmachte.... Aber das war mir mein Hass wert... Allerdings muss ich auch sagen, das die Nonne nicht mit mir, sondern mit "Bulli" schimpfte, da sie mich weiter provoziert hatte und das obwohl sie wüsste das ich ausflippe.....

Jedenfalls waren meine Koffer gepackt.... Ich rannte an der Nonne vorbei und haute ab... Ich fuhr zu meiner Mutter und heulte, das sie etwas tun müsse und ich nicht in ein Heim wollen würde, das fast 500 km weit weg sei.... Schon gar nicht in eins für Schwererziehbare....  Das Jugendamt kam und als Mutter sagte, das sie der Verlegung nicht zustimmen würde, sagte die Frau vom Jugendamt: "Okay, dann fahre ich gleich zum Gericht und hole eine einstweilige Verfügung, die Ihnen das Aufenthaltsbestimmungsrecht entzieht und Sie sehen Ihre Tochter erst wieder wenn sie 18 ist ! Sie sehen doch selbst, das es so nicht weitergeht !" Sie unterschrieb und ein Schrank von Mann hielt mich am Arm und brachte mich ins Auto.... Er fuhr den Wagen, ich saß neben ihm und meine Sachbearbeiterin vom Jugendamt  saß hinten drin. Ich wollte während dem Fahren aus dem Auto springen, aber sie hatten auch vorne Kindersicherung. Er lächelte mich freundlich an und meinte: "Mädel, das haben schon andere versucht, vergiss es ! Wir wollen doch nur dein Bestes und das du deine Schule fertig machst und mal was gescheites lernst ! Willst du eine Kippe ?" Er gab mir eine seiner Rothändle und laberte mich voll.... Ich ließ alles über mich ergehen, denn ich kam ja sowieso nicht aus diesem Auto raus....

In dem neuen Heim wurden vor mir alle Türen aufgeschlossen und nach mir gleich wieder abgeschlossen. Es gab auch keine öffentliche Schule mehr, denn die Lehrer kamen zu uns... Wie waren alle zwischen 14 und 18 und alles nur Mädels. Als die Nonne am ersten Tag auf mich zukam um mich freundlich zu begrüßen, sagte ich nur: "Sie brauchen mich nicht begrüßen, denn ich bin schneller wieder weg als Sie sich meinen Namen merken können...!" Sie lächelte und meinte, das sich meine Einstellung schon noch ändern würde.... Sie zeigten mir das Zimmer in dem ich nun wohnen sollte. Allerdings gab es dort keine Einzelzimmer, sondern immer nur Zweibettzimmer. Meine Zimmergenossin hieß Erika und war 16. Ich räumte meinen Scheiß erst gar nicht aus, denn ich wollte sowieso bei der ersten Gelegenheit abhauen... Es gab ein Raucherzimmer mit Raucherzeiten. Wer im Zimmer, oder irgendwo im Haus rauchte musste 50 Mark Strafe vom Taschengeld abdrücken. (Wir bekamen 54,- Mark pro Monat.) Am Abend saß ich mit den Mädels dort im Raucherzimmer und sie fragten wieso ich da sei und woher ich käme und und und... Am Abend ging ich mal wieder mit Klamotten ins Bett, denn ich wollte abhauen wenn alle schlafen würden... Als es so weit war, schlich ich aus dem Zimmer und über den Flur. Ich wollte ein geeignetes Fenster suchen und hatte keine Ahnung, das es auch einen Hund dort gab... Als ich im Flur stand, kam er angerannt und bellte wie verrückt... Überall gingen Lichter an und ich war ertappt... Es gab kein Entkommen und ich musste wieder ins Bett.... Also sagte ich mir, das ich eben meinen blöden Schulabschluss machen würde und dann da wieder rauskäme... Na ja, in der zweiten Nacht, als ich gerade einschlafen wollte, hörte ich eindeutige Geräusche aus Erikas Bett... Sie machte es sich selbst und ich bekam den Flattermann, weil ich dachte, das sie mir an die Wäsche gehen könnte, wenn ich eingeschlafen bin.... Also schlief ich nicht !  Als es die nächsten drei Nächte immer wieder so abging, ging ich nach der vierten Nacht völlig entnervt zu einer Erzieherin und sagte, das Erika Nachts wichsen würde und ich nicht schlafen könne. Ob sie denn nicht mal mit ihr sprechen könne, denn das ginge mir auf die Eierstöcke ! Sie erklärte, das Erika nicht unbedingt mit Schönheit beschenkt sei und keinen Freund fände und deswegen eben ab und an wohl die Hand anlegen würde... Ich motzte nur, das mir doch scheißegal sei ob sie nen Freund hätte oder eben nicht, das sie jedoch nicht zu wichsen hätte, wenn ich im Zimmer sei. Sie könne ja aufs Klo gehen, oder was wüsste ich. Jedenfalls würde ich nur mal klarstellen wollen, das ich mir den Mist nicht mehr lange mit anschauen würde und es dann eben auf meine Weise regeln müsste und keiner sich beschweren solle, wenn es dann so wäre. Die Erzieherin meinte, sie würde mit ihr sprechen und sie würde das dann sicher nicht mehr tun. In den nächsten drei Nächten ließ sie es und blieb vor dem Zubettgehen eben ne halbe Stunde auf dem Klo... Dann ging das Drama wieder los... Im Raucherzimmer fragten sie mich, wieso ich immer so müde sei und ich antwortete, das ich mit ner Wichserin in einem Zimmer schlafen müsste und nicht wollen würde, das sie im Schlaf über mich herfällt... Alle lachten und meinten, das wir ihr eine Lektion erteilen würden... Heute Nacht solle ich die Zimmertür nicht richtig zumachen und wenn sie wieder anfangen würde, sollte ich leise husten. Dann kämen sie rein, würden das Licht anknipsen und ihr die Decke wegreißen... Gesagt, getan... Aber Erika war verdammt hart im Nehmen und machte auch weiter, als alle vor ihrem Bett standen und zusahen... Also ging ich wieder zu der Erzieherin und sagte, das ich umgehend zu jemand anderem ins Zimmer wollte, denn ich könnte nicht mehr lange garantieren, das ich nicht ausraste.. Ich durfte zu Margot ziehen. Margot machte es sich nicht selbst, aber dafür führte sie die abartigsten Selbstgespräche bis sie irgendwann einschlafen konnte... Ich glaubte ich sei im falschen Film... Nach einer weiteren Woche flippte ich aus.... Wieder bin ich zur Erzieherin und sagte, ob sie kein Zimmer im Angebot hätten, das ich mit einem normalen Menschen teilen könnte, wo ich auch mal schlafen dürfte... Ich durfte noch einmal umziehen. Diesmal zu Kiki. Wir hatten das größte Zimmer der Gruppe und ich mochte sie. Sie war 16 und in der ersten Nacht setzten wir uns an mein Bett das am Fenster stand, rauchten einen Joint und laberten. Sie erzählte mir, das sie dabei war, als ihre Mutter an einer Lungenembolie starb. Sie war schon über zwei Jahre dort und hatte Ausgang. Die ersten drei Monate gab es keinen Ausgang für die Neuen. Dann bekam man zwei Stunden pro Woche. Wenn man vier Wochen okay war, pünktlich wiederkam und keinen Scheiß baute, bekam man zwei weitere Stunden. Nach vier Wochen wurde immer entschieden, ob man weitere zwei Stunden erhielt, bis man auf 12 Stunden pro Woche war. Danach gab es "freien Ausgang". Man durfte unter der Woche bis 22:00h weg und Samstags bis 00.00h. Allerdings lag bei der Gruppennonne ein Kalender in den man eintragen musste wann man geht und wann man wieder da sein würde. Im Erdgeschoss waren zwei Klassenräume und wir hatten ganz normalen Unterricht, nur mit dem Unterschied, das nicht wir in die Schule kommen mussten, sondern die Lehrer zu uns kamen... Am Nachmittag war von 14:00h bis 16:00h Hausaufgabenzeit angesagt, die in den Klassenräumen unter Aufsicht gemacht werden mussten. Dann gab es noch einen Schreibmaschinenkurs, aber auf den hatte ich keinen Bock. Die ersten drei Monate waren echt heavy, denn es war wie ein Knast... Zwar durfte ich mich auch auf dem Gelände bewegen, aber es verlassen war nicht drin, zumal es eh ummauert war... Kiki brachte öfters was zu rauchen mit und wir saßen Nächtelang auf meinem Bett und sinnierten über das Leben. Wir stellten eine Kerze ans offene Fenster und sagten, das wir die Kerze seien und die Erzieherinnen der Wind... Wir wollten sehen, wie lange wir gegen sie bestehen konnten... Wir erloschen ziemlich schnell und waren so gefrustet, das wir fast darüber heulten... Nach ein paar Wochen rief Manu an und sagte, das sie mit ein paar Freunden bei einem Pfarrer säße und sie den Pfarrer überredet hatten etwas zu unternehmen, damit ich zurückkommen könnte... Aber der Pfarrer konnte nichts tun. Angie meldete sich und erzählte, das sie mit einigen Kumpels in meinem alten Heim war und sie die Nonnen aufgefordert hatten mich zurückzuholen. Als sie es verweigerten, warfen sie einige Fenster ein und beschimpften die Nonnen.... Auch mein alter Deutschlehrer hatte sich eingesetzt, aber mit dem Jugendamt und dem alten Heim war kein Deal zu machen... Ich sollte meine Lektion bekommen ! Alles was mich damals aufrecht hielt war die Post... Ich bekam pro Monat etwa 60 bis 80 Briefe von Freundinnen und Kumpels, die ich auch alle beantwortete. Sie mussten mir nur Briefmarken mitschicken, denn so viel Kohle hatte ich ja nicht.  Nach drei Monaten war es dann so weit. Ich durfte das erste Mal raus ! Es war ein Scheiß Gefühl, denn ich kannte ja niemanden außerhalb der Heimmauern und ich kannte die Stadt nicht ! Ich kaufte nur Tabak und Briefumschläge und trabte zurück... Nachhause musste ich nur noch ein Wochenende pro Monat, was mich nicht gerade unglücklich machte...

Damals passierten mit die dollsten Dinger... Wenn ich fast sechs Stunden Nachhause fuhr mit der Bahn, lernte ich die verschiedensten Menschen kennen.. Wildfremde Frauen erzählten mir von ihren Eheproblemen, Männer quatschten mich voll mit ihren Problemchen und ich war manchmal tierisch entnervt und fragte mich, ob ich wohl aussehen würde wie Mutter Theresa, oder ob ich einen Caritas Stempel auf der Stirn hätte, der nur von mir selbst nicht gesehen werden konnte ? Vermutlich war es die Anonymität, aus der heraus die Menschen sich mit einfach so anvertrauten. Man fuhr eine Weile zusammen im Zug und die Wahrscheinlichkeit sich eines Tages wiederzusehen war sehr gering... Irgendwann saß ich allein in einem Abteil und ein großer Typ mit einem Anzug und einem schwarzen Aktenkoffer kam rein. Er setzte sich mir gegenüber hin und wir schwiegen uns eine Weile an. Irgendwann fing er an zu quatschen, über das Wetter oder irgend so was banales. Dann erzählte er mir zu erzählen wie er hieß, das er Mitte 20 sei und fragte wo ich denn herkäme. Wir unterhielten uns ganz nett und als er wohl das Gefühl hatte das er mir vertrauen konnte, fragte er ganz unverblümt, ob ich denn mal raten wolle, was er in seinem Koffer hatte ? Ich antwortete: "Kein Plan, was denn ?" Er sah aus dem Abteil, ob auch keiner kommt, öffnete den Koffer und hielt ihn in meine Richtung.... Er war voll mit Shit, Pillen, Age und Koks.... Dann lächelte er mich wieder an und fragte: "Weißt du, was das ist ?" Ich sagte: "Klar, willst du mich verarschen, oder was ?" Dann schloss er den Koffer wieder, denn wir hörten den Getränkewagen den Gang entlang rollen... Er öffnete die Abteiltür und winkte dem Typ. Dann fragte er mich, ob ich auch ein Bier haben wolle und nachdem ich bejahend nickte, kaufte er vier Dosen Bier. Wir tranken und er erzählte, das er den Stoff verchecken würde, aber das er mich ja ach so niedlich fände, das er mir gerne was davon schenken würde. Was ich denn haben wolle ? Ich sagte, das dies ja wie Weihnachten sei und wenn er mich so fragen würde, hätte ich gerne ein bisschen Shit und dachte, er würde mir jetzt nen 5er Zacken oder so geben. Er öffnete den Koffer und gab mir fünf Zehner... Das war dann schon wie Weihnachten und Geburtstag auf einen Tag für mich.. Ich bedankte mich und steckte das Zeug in meine Tasche. Dann fragte er, ob wir denn nicht mal telefonieren wollen würden und die Telefonnummern tauschen könnten ? Wir schrieben unsere Vornamen je auf einen Papierfetzen und unsere Nummern drunter. Er stieg ne ganze Weile vor mir aus und ich baute mir erst einmal eine Tüte, die ich mir dann auch gleich im Zug noch gönnte, während ich Musik hörte. Ich dachte, das er sich eh nicht melden würde, denn wieso sollte er auch ? Ich jedenfalls wollte mich nicht melden, denn ich hätte an ein Telefonhäuschen gehen müssen und mit meinen 54 Mark Taschengeld musste ich sowieso schon sparsam umgehen.. Ein paar Tage später wurde ich gerufen, denn ein Ulli sei am Telefon und würde mich sprechen wollen. Erst wusste ich nicht wer das sein sollte, doch dann fiel mir der Typ aus dem Zug wieder ein... Also ging ich ans Telefon, sagte Hallo und wartete darauf, was er denn erzählen wollte... Als hätten wir uns schon ewig gekannt und wären mehr als Freunde, meinte er, das er mich vermisst hätte und das er mich unbedingt bald mal wiedersehen wollen würde.. Ich fühlte mich geschmeichelt und trotzdem nicht gerade wohl und meine Alarmglocken fingen an zu läuten... Dennoch, ich war neugierig und sagte, das wir uns ja am Wochenende treffen könnten. Wir vereinbarten einen Treffpunkt und als ich am Samstag hinkam, stand er schon da. Angelehnt an einen fetten Jaguar. Er kam auf mich zu und wollte mich umarmen, aber ich streckte ihm die Hand entgegen und wich ihm aus. Dann sagte er, das er sich ja ach so freuen würde, das wir uns wiedersehen und es ihm tierisch viel Spaß gemacht hätte mit mir Zug zu fahren. Ob ich noch Shit hätte, oder ob ich wieder was bräuchte ? Bevor ich antworten konnte, drückte er mir ein kleines Päckchen in die Hand und meinte, ich soll mir was gutes tun, denn er könnte sich vorstellen, das meine schönen braunen Augen sicher anfangen würden zu leuchten, wenn ich breit sei... Komplimente waren etwas, das ich gar nicht kannte und ich fühlte mich nicht wohl.... Irgendwie verarscht, denn ich meinte ich sei hässlich und konnte so etwas nicht annehmen. Ich sagte nichts... Dann zwinkerte er mir zu und meinte: "Du, ich hab dir noch ne kleine Überraschung mitgebracht ! Komm mal mit an den Kofferraum !"Ich trabte ihm hinterher und die grauen Zellen in meinem Gehirn schrieen  schon förmlich: "Was will der Typ von mir ? Irgendwas läuft hier und was es auch ist, es gefällt mir nicht...!" Er öffnete den Kofferraum und es lag eine fette Stereoanlage darin, original verpackt... Ich sah ihn an und fragte: "Wieso willst du mir ne Anlage schenken ?" Er lächelte und meinte: "Hey Tina, ich find dich einfach süß und ich dachte mir, das ich dir damit ne Freude machen könnte. Ist es nicht so ?" Ich antwortete: "Nein, ich will keine Stereoanlage von dir ! Ich kenn dich doch kaum und kein Schwein verschenkt so was ohne irgendwas zu erwarten...! Du kannst den Kofferraum zumachen und das Teil wieder mitnehmen !" Er sah mich verständnislos an und laberte was wie: "Oh, da ist aber jemand sehr vorsichtig, was ? Ich dachte wirklich schon weiter und wollte dich näher kennen lernen, mit dir zusammenkommen und dich auch mal mit zu mir nehmen und so ! So richtig zusammensein eben, so das ich dein Freund bin und du meine Freundin !" Ich sah ihn an und fragte ihn, ob er noch ganz dicht sei, ich wäre 15 und er 10 Jahre älter und ich würde weder eine Stereoanlage wollen, noch zu ihm Nachhause fahren und schon gar nicht seine Freundin sein! Da entschuldigte er sich und meinte, wir sollten den ganzen Text der letzten Minuten streichen und ganz locker da weitermachen wo wir gewesen wären, bevor er so einen Blödsinn gelabert hätte. Ich meinte nur, das mir das alles ne Nummer zu heftig sei und ich jetzt lieber gehen wollen würde. Er ließ ein paar bedauernde Sprüche los und ich ging. Am Abend rief er wieder an und erzählte mir, das er viele Freundinnen hätte, denen es allen gut bei ihm gehen würde. Sie würden für ihn arbeiten und hätten viel Knete und überhaupt....Ich hätte, obwohl ich ja ne richtige Kratzbürste wäre so ein unschuldiges Gesicht und könnte bei ihm ne Menge Kohle scheffeln... Da fiel der Groschen und ich fragte, ob ihm jemand ins Hirn geschissen hätte und vergessen hätte abzuziehen ? Ich würde keine Kohle scheffeln wollen und ich würde schon gar nicht für einen Zuhälter arbeiten ! Dann legte ich auf, ging zu der Nonne und sagte, das ich nicht mehr zu sprechen sei für diesen Ulli. Sie fragte, was er denn von mir wollen würde ? Da antwortete ich nur, das er was von mir wolle und Mitte 20 sei. Das reichte aus, denn als er wieder anrief, erklärte die Nonne ihm, das er diese Anrufe unterlassen solle, denn der Staatsanwalt würde nicht gerade nett umgehen mit Männern, die mit 15 jährigen anbandeln wollten... Er rief nicht mehr an !

Die Schule nervte mich, denn ich musste mich nicht groß anstrengen und schrieb dennoch gute Noten. Es war echt öde und ich hatte keinen Bock, was jedoch als Faulheit gewertet wurde... Das war mir egal, denn ich wusste sowieso nicht immer was ich überhaupt nach der Schule machen wollen würde... Einerseits wollte ich Geld verdienen und ne Lehre machen, andererseits wollte ich lieber noch ne Berufsfachschule und mein Abi nachmachen um zu studieren und mal Bewährungshelferin, oder Jugend-Drogenberaterin werden. Ich entschied mich für letzteres und erklärte dem Jugendamt, das ich nach dem Schulabschluss zurück wolle, da ich auf eine Berufsfachschule für Sozialpädagogik gehen wollen würde. Die gab es da oben in Nordhrein - Westfalen nicht !

Wir Mädels hatten uns megageil befreundet und gingen immer in Cliquen in den Ausgang. Allerdings hatten wir ne Menge Blödsinn im Kopf und so fiel uns immer ne Menge ein, was wir so an Schwachsinn verzapfen konnten... Wenn wir Samstags rausgingen, liefen wir zur Hauptstrasse der Stadt, an der eine Mauer entlang verlief. Wir setzten uns auf die Mauer und jedes Mal wenn ein Biker  vorbeiheizte, winkten wir, gröhlten und führten uns auf wie hysterische Groupies.... Oftmals hielten welche und nahmen uns zu ner Spritztour mit. Eines Tages kamen zwei Motorradfahrer angeheizt und hielten an. Über den einen musste ich so lachen, das ich fast von der Mauer fiel, denn sein Bart sah unten aus dem Helm raus und ich fand, das es komisch aussah. Als er seinen Helm absetzte, blieb mir jedoch das Lachen im Hals hängen... Ich blickte in die genialsten blauen Augen, die ich je gesehen hatte.... Er sagte mir, das er Kalle hieße und fragte, wer ich denn sei ? Ich schätzte ihn auf Mitte 20, aber er war erst 19, wie er mich aufklärte. Sein Kumpel unterhielt sich angeregt mit Christine, die neben mir saß. Sie nahmen uns ne Runde auf ihren Maschinen mit und brachten uns dann wieder an die Mauer zurück.. Wir laberten noch eine Weile und dann fragten sie, ob wir vier uns nicht mal wieder treffen wollen würden... Klar wollten wir und ich fühlte zum ersten Mal so etwas wie Schmetterlinge im Bauch.. In den kommenden zwei Wochen trafen wir uns immer wieder zu viert, gingen Billard spielen, etwas trinken, in die Disco und hingen irgendwo herum, quatschten und lachten. Ich fand Kalle klasse und war hin und weg... Als er mich dann irgendwann fragte, ob wir uns denn nicht mal allein treffen wollten, bekam ich fast einen Herzinfarkt vor Aufregung... Er war so ein ruhiger Typ, also das ganze Gegenteil von mir und er war sensibel und ein genialer Zuhörer. Es war Donnerstag und ich musste von Freitag bis Sonntag Nachhause fahren. Ich fragte ihn, ob er schon einmal Apfelwein getrunken hätte und als er verneinte, sagte ich, das ich von Zuhause mal ne Flasche mitbringen würde und wir sie dann ja am Montag zusammen trinken könnten. Wir verabredeten uns am Bahnhof und als ich mich Montags auf den Weg machte, war ich total aufgeregt.... Das war eigentlich mein erstes Date mit einem Typen, den ich ultrakrass genial fand... Mir war richtig schlecht vor Aufregung.... Wir begrüßten uns und er fragte, ob wir gemeinsam zu A-See fahren wollten. Ich sagte: "Klar", stieg hinten drauf und er hielt mir seinen Helm hin und meinte, das ich ihn aufsetzen solle, denn um meinen Kopf wäre es mehr Schade als um seinen, wenn wir einen Crash haben sollten.. Wir fuhren zum A-See, er stellte die Maschine ab und wir legten uns ans Ufer ins Gras.. tranken Apfelwein und redeten nicht sehr viel... Sein Gesicht war etwa 20 cm von meinem weg und ich hab zum ersten Mal gespürt, das ich Lust hatte jemanden zu küssen.. zu fühlen.. ohne Angst und Ekel vor mir selbst.. Er war brutal schüchtern und auch wenn wir uns manchmal kurz in die Augen sahen und eigentlich klar war das wir es Beide wollten, traute sich keiner den Anfang zu machen... Nach einigen großen Schlucken Apfelwein dachte ich dann, das ich es jetzt tun müsste, denn sonst würde es wohl nie passieren... Also sah ich ihn wieder an und mein Blick blieb auf seinen Lippen förmlich kleben.... Ich überwand all meine Zweifel und Ängste, beugte mich zu ihm und küsste ihn.... Er erwiderte meinen Kuss und es war, als würden wir uns gegenseitig vorm Ertrinken retten... ein völlig ungekanntes Gefühl... Plötzlich spürte ich, wie er mir seine Hand unter mein T-Shirt schob und wurde schlagartig aus diesem Traum geweckt... Ich hielt seine Hand fest und eigentlich wollte ich ihn anschreien... Aber ich flüsterte nur, das mir das ein bisschen zu schnell gehen würde und ich es nicht wollen würde... Später fuhr er mich zum Heim und wir verabredeten uns für den übernächsten Tag.

Im Heim selbst hatte ich ein richtig fettes Problem... Ich sollte zum ersten Mal zu einem Frauenarzt gehen... Ich drehte fast durch, denn ich dachte ständig, das der ja sehen würde, das ich keine Jungfrau mehr war und das er es der Nonne, oder einer Erzieherin sagen würde...dann würden sie Fragen stellen.. Und ich dachte, der doc würde sehen, was passiert war ! Als ob ich zwischen meinen Schenkeln einen verfluchten Stempel gehabt hätte mit der Aufschrift: "Ich wurde benutzt wie ein elendes Scheißhaus, komm mir nicht zu nah, sonst verseuch ich dich !" Ich wollte nicht zu diesem doc und ich erklärte, das ich Angst hätte und mich nicht da ausziehen wolle... Die Erzieherin meinte, das es ganz normal sei das ich Angst hätte, jedes Mädchen habe Angst, aber er sei ein ganz netter Mann und ich müsste mich nicht in Panik steigern... Also ging ich hin... Ich konnte kaum atmen, als ich im Wartezimmer saß und auf die große Enthüllung wartete.... So 10 Meter vom Schafott entfernt, wohlweislich das ich nicht entkommen könnte...Dann wurde ich aufgerufen und mir stand der Angstschweiß auf der Stirn... Er war freundlich und nett, aber er war ein Mann und meine Pumpe drohte mir aus dem Brustkorb zu springen vor Angst... Was, wenn der mich da unten anfassen würde ? Wenn er in dieser beschissenen Situation auch über mich herfallen würde ? Er erklärte mir was er tun wollte und ich sollte mich unten rum frei machen und auf den berühmten Stuhl legen... Ich war dem Tot näher als dem Leben, als ich da lag und meine Beine in diese Halterungen legte... Ich atmete nicht mehr, als er irgendetwas Kaltes in mich reinschob.... Ich war so verkrampft, das er seine liebe Mühe hatte dieses Ding in mich reinzukriegen.... Ich starrte an die Decke und wartete darauf, das er sagen würde: "Ich kann alles sehen was passiert ist ! Kann den Dreck sehen und wie schmutzig du bist !" Aber er sagte nichts.... Er tat seine Arbeit und es kam mir vor wie eine Ewigkeit...Irgendwann sagte er: "Du kannst dich wieder anziehen, es ist alles okay !" Ich sprang von diesem Stuhl und erst als ich meine Hose wieder anhatte fühlte ich mich halbwegs sicher... Dann dachte ich, das er der Erzieherin was sagen würde und sie mich ansprechen würde... Ich wartete eine ganze Woche, schlief nicht, aß kaum und immer wenn sie mich riefen, oder mich ansahen, dachte ich, das es jetzt kommt... Aber es kam nichts....

Die ersten 4, 5 Wochen mit Kalle waren wie ein Traum.. Er versuchte nicht wieder mich anzufassen, zumindest nicht unterhalb meiner Klamotten... Wir redeten viel, lachten, lagen auf ner Wiese und er streichelte mit meinen Haaren meine Wimpern... küsste mich... und verlangte nichts, das ich nicht auch wollte.. Nach diesen Wochen holte er mich mal wieder ab und sagte, wir würden ein wenig durch die Gegend fahren.. Das taten wir auch, nur irgendwann fuhr er in einen Waldweg rein und ich wurde unruhig... Er hielt an und meinte, das wir ja ein bisschen spazieren gehen könnten... Ich stieg auch ab und wir schlenderten Hand in Hand durch den Wald. Er machte damals sein Abi und erzählte, das er BWL studieren wolle und das er im kommenden Jahr zum Bund müsse... Auf einer Lichtung fing er an mich zu küssen und wir legten uns auf einen Grasstreifen... Er unterbrach seine Küsse öfters und flüsterte, das er mich auch mal fühlen wollen würde... Ich müsse ja nicht mit ihm schlafen, aber wir könnten uns ja mal anfassen... Mein Herz raste, als er mich wieder küsste und seine Hand unter mein T-Shirt wanderte... Ich war völlig gefühllos und steif vor Angst... Aber ich wollte endlich "normal" sein und dachte, das ich jetzt da durch müsste um zu lernen das es nicht schlecht ist...nicht dreckig... Seine Hand wanderte über meinen Bauch und schob sich in meine Jeans.. Ich rang nach Luft und er dachte vermutlich, das es mich anmacht und ich deswegen so keuchte... Ich fühlte seine Hand zwischen meinen Beinen und es machte mich nicht an...in keiner Weise... ich war wie ein Zombie ohne jegliches Gefühl...außer Angst... und phasenweise Ekel.... Er küsste mich immer noch und irgendwann nahm er meine Hand und legte sie zwischen seine Beine...Ich fühlte unter seiner Jeans seinen Ständer und ich bewegte die Hand nicht.. ich bekam das Gefühl als müsste ich kotzen... Und in mir schrie es: "Tina, es ist okay ! Er ist nicht dieser Bastard und es ist in Ordnung, bleib locker"! Eine zweite Stimme brüllte zurück: "Du bist widerlich ! Wie kannst du das zulassen ? Wie soll dir etwas gefallen, das dieser Bastard mit dir gemacht hat ? Du bist genauso ne Drecksau wie er....!" Ich musste mich beherrschen, damit ich nicht in Tränen ausbrach, ihn nicht vollkotzte... Und es kostete mich brutal viel Kraft... Irgendwie schaffte ich es, mich unter ihm weg zu winden und so zu tun, als müsste ich Nachhause.. Ich hab mich absolut elend gefühlt, weil ich nicht in der beschissenen Lage war etwas zu geben, das für andere so absolut normal zu sein schien... Weil ich mich dreckig fühlte und ihn irgendwie auf die Stufe von diesem Tier stellte.... Das Leben war mal wieder Scheiße....

Einige Tage später saß ich mit den Mädels wieder auf der Mauer der Hauptstrasse und wir hielten mal wieder Biker an. Irgendwann hielt ein Typ mit einer 750er Honda Four, meiner damaligen Traummaschine. Das Visier seines Helmes war abgedunkelt und er zog ihn nicht ab. Er erklärte mir, das er ja gerne mal mit mir ne Tour fahren würde, aber heute sei es schlecht, weil er noch Termine habe. Aber wir würden uns sicher mal wieder sehen und dann würden wir es nachholen..  Ich sagte nur, das es okay sei und er fuhr weiter. Es vergingen 2, 3 Tage und ich stand mit Christine an einem Schaufenster und betrachtete mit ihr die Auslagen. Da tippte mir jemand auf die Schulter und als ich mich umdrehte stand der Honda Typ wieder vor mir. Wieder hatte er seinen Helm auf und sein Visier nur so weit geöffnet, das ich sein Gesicht nicht sehen konnte. Er fragte, ob ich heute Lust hätte mit ihm zu fahren und ich strahlte und meinte: "Klar!" Er sagte, das er nur noch schnell Nachhause fahren würde um einen zweiten Helm zu holen und dann könnte es losgehen. Ich sollte hier auf ihn warten, was ich auch tat. Trotzdem machte mir dieser Helm Gedanken und ich wurde innerlich total nervös. Also sagte ich zu Christine: "Merk dir sein Kennzeichen wenn er wieder kommt und wenn ich bis 20:00h nicht zurück bin, dann sag im Heim Bescheid und sie sollen die Bullen rufen!" Sie sah mich an und maulte, ob ich noch ganz dicht sei mitzufahren, wenn ich schon so komische Gedanken hätte ? Ich erklärte ihr, das ich noch nie auf so einer Maschine gefahren sei und das sie ja so ne Art Lebensversicherung für mich wäre.... Der Typ kam und wir fuhren davon... Es war etwa 18:30h und er fuhr aus der Stadt raus und über die Landstrasse, wo er richtig Stoff geben konnte.. Irgendwann kamen wir in ein anderes Kaff und er hielt vor einer großen Firma an. Da klappte er sein Visier etwas hoch, wobei ich jedoch noch immer nicht sein Gesicht sehen konnte, denn ich saß ja hinter ihm..  "Hier arbeite ich," sagte er, "das wollte ich dir nur mal zeigen. Hast du Lust auf eine Kippe ?" Ich bejahte und er reichte eine nach hinten. Wir rauchten und er erzählte mir etwas über seinen Job. Dann fragte er mich, ob wir denn über den "Dickenberg" zurückfahren wollen würden ? Ich erklärte, das ich ja nicht von aus der Gegend wäre und keine Ahnung hätte, was der "Dickenberg" sei. Mir sei es egal, welche Route er nimmt, ich müsse nur langsam mal wieder zurück, sonst würde ich Ärger bekommen. Also fuhr er wieder los. Dieser ominöse Berg entpuppte sich als ein riesiger Berg über den eine alleeartige Landstrasse führte..  Es wurde langsam duster und irgendwie hatte ich kein gutes Gefühl mehr... Kaum hatte ich meine Befürchtungen realisiert, bog er in den Wald ein. Ich wunderte mich noch einen ganz kleinen Moment, wieso dort kein richtiger Weg war und er durch halbes Dickicht fuhr... Ich redete mir ein, das er sicher mal Pinkeln müsse.. Wenn die eigenen Sirenen sich anschalten, redet man sich gerne die unmöglichsten Dinge ein und glaubt sie auch selbst noch... Zumindest ging es mir immer so. Irgendwann hielt er an und stellte den Motor ab. Er zog den Helm runter und drehte sich zu mir um.. Jetzt wusste ich, wieso er den Helm nicht abgezogen hatte, bevor wir hier waren: Sein Gesicht war total vernarbt und ich dachte noch, das er als Teenie starke Akne hatte. Außerdem war er mindestens 35, wenn nicht noch älter. Er raunzte mich an, das er für seine kleine Tour mit mir natürlich auch eine Zahlung in Form von Naturalien erwarten würde. Ich wurde richtig panisch und überlegte fieberhaft, was ich nun tun könnte. Also erwiderte ich, das ich so etwas noch nie getan hätte (auf freiwilliger Basis war das nicht einmal gelogen...) und das ich auch zu spät ins Heim käme und Ärger kriegen würde. Wenn er mich jetzt zurückfahren würde, dann könnten wir uns ja Morgen noch einmal treffen. Er lachte laut und fragte, ob ich ihn verarschen wolle ? Wir Mädels aus dem Heim hätten doch alle schon gefickt und ich soll hier keinen auf Unschuldsengel machen. Außerdem würde ich ganz sicher nicht zu einem date mit ihm kommen. Ich sollte jetzt und hier absteigen und meine Schulden bezahlen... Ich fing an zu heulen und jammerte, das ich doch einen Freund hätte und auch obendrein noch meine Tage.... Aber was ich auch sagte, es interessierte ihn nicht und er hatte immer die passende Antwort: "Dein Freundchen erfährt von mir ganz sicher nichts ! Und wenn du mir hier was von Deinen Tagen erzählen willst, zeig mir doch mal deine Binde, oder deinen Tampon ! Wäre ja nicht schlimm, denn du könntest mir zur Not auch einen blasen!" Ich bewegte mich keinen Millimeter und die Angst schnürte mir den verdammten Hals zu.. Ich heulte, das ich erst 15 sei und er lachte und äffte mich nach als er sagte, das ich aussehen würde wie knappe 17 und ihn nicht belügen solle. Er wurde ungeduldig und plötzlich hatte er ein Messer in der Hand, drehte sich zu mir um und hielt es mir an den Hals... Ich kann nicht genau beschreiben wie es war, aber ich hatte das Gefühl, das ich in sekundenschnelle die wenigen schönen Erlebnisse in meinem Leben noch einmal wie so einen Videoclip vor Augen sehen konnte... Ich war überzeugt, das meine letzte Stunde geschlagen hatte und hatte wieder diese verfluchte Angst... Er schrie nun schon, das ich endlich meinen Body von seinem Bike bewegen solle und er nicht warten wolle bis sein Ding abbricht. Plötzlich stand ich neben mir... Ich sah mir selbst zu, wie ich von der Maschine stieg und hörte mich in meinem Kopf schreien: "Was tust du denn da ? Du wirst doch nicht mit diesem Ekeltypen vögeln?" Er strahlte wie ein Honigkuchenpferd als ich abstieg und mich wieder zu ihm umdrehte. Dann holte ich aus und trat ihm mit aller Kraft die ich aufbringen konnte gegen seine Maschine.. Sie kippte samt ihm um und er hatte den heißen Auspuff auf seinem Bein und schrie, das ich kleines Flittchen ihm helfen solle... Ich drehte mich um und rannte in die Richtung aus der wir gekommen waren.. Ich rannte echt um mein Leben und dachte noch, wenn er mich kriegen würde wäre ich tot....  Nach einigen Minuten kam ich wieder auf diese Landstrasse und sah von weitem ein Auto kommen.. Ich sprang mitten auf die Strasse und winkte wie wild... Zum Glück hielt der Wagen und darin saß ein älteres Ehepaar. Ich fragte außer Puste, ob sie mich denn mit in die Stadt nehmen könnten, was sie auch taten.. Ich kam über eine Stunde zu spät Nachhause und die Erzieherin wartete schon auf mich.. Christine hatte das Kennzeichen gesagt und alles erzählt.. Natürlich bekam ich eine Standpauke, weil ich mitgefahren war, aber sie glaubten mir auch. Die Erzieherin überredete mich mit ihr zu den Bullen zu gehen, da sie meinte, das dieses Schwein sich schon Morgen ein anderes Mädchen auflasen könnte... Wir gingen hin und ich erkannte ihn auch in der Fotodatei.. Er war wegen Vergewaltigung und sexueller Nötigung vorbestraft.. Irgendwie fand ich diese Anzeige Scheiße, denn der protokollführende Bulle wirkte auf mich, als würde er sich an dieser Geschichte aufgeilen... Ständig fragte er nach: "So, da hat er gesagt, das du ihm ja auch einen blasen könntest... dein Tampon wollte er sehen.... aha, er hat dir nicht abgenommen, das du 15 bist und noch nie Sex hattest...." Ich war froh, als ich da raus kam...Dann sprachen sie noch mit meiner Erzieherin und die kam dann eine Viertelstunde später raus und war rot vor Zorn. Sie fluchte: "Stell dir vor, die fragten mich, ob man dir denn glauben könnte, denn du hättest ja bereits eine beträchtliche Heimkarriere hinter dir und es könnte ja auch möglich sein, das du diese Geschichte erfunden hättest, um eine Entschuldigung für dein zu spät kommen zu haben.. Ich dachte, ich höre nicht richtig und sagte dann gleich, das du so etwas nicht tun würdest ! Es gab ein Ermittlungsverfahren und das wurde dann nach einigen Wochen eingestellt, da es Aussage gegen Aussage stand und dieser Sack behauptete, das ich ihn angegraben hätte und er sich nur gezügelt habe, weil ich noch so jung aussah... Ja klar, so einfach ist es.... !

Einige Monate später wurde ich entlassen und ich zog zu einer alten Erzieherin von mir in den Taunus. Zuvor hatte ich Kalle gesagt, das ich zurückgehen würde, um meine Schule weiterzumachen und er war verletzt, weil ich es ihm nicht früher gesagt hatte.. Wir beendeten nach etwa 4 Monaten das, was eigentlich nichts Halbes und nichts Ganzes war.. Und ich hab zum ersten Mal so etwas wie Liebeskummer gespürt.. Ich dachte, die Welt bleibt stehen, es zerreißt mich und ich könnte nie drüber wegkommen... Also zog ich mit dem gebrochenem Herzen einer 16 jährigen nach Hessen zurück. Ich wohnte etwa 6 Wochen bei Helga, meiner alten Erzieherin. Nach dieser Zeit zog meine Mutter in eine andere Wohnung und meine ältere Schwester und ich zogen zusammen in die kleine Wohnung von Mutter. Sie wohnte mit dem Bastard einen Block weiter und ich sah ihn leider viel zu oft.. Seine Blicke allein ließen mein Blut kochen und all die beschissenen Erinnerungen kamen zurück... Wenn ich Morgens aufstand, sah ich Bildfetzen von damals... das ging den ganzen Tag so, bis ich am Abend ins Bett fiel und mein letzter Gedanke wieder der Vergangenheit gehörte..

Ich besuchte eine Berufsfachschule für Sozialpädagogik in Frankfurt. Ich kam immer mehr in die Drogenszene und wohnte noch keine drei Monate wieder in der Heimat, als mir jemand meine erste Line Kokain anbot. Ich zog sie mir rein und der Effekt war wesentlich krasser als der von Gras. Ich redete mir natürlich ein, das ich das alles unter Kontrolle hätte und es mir auch nur in die Nase ziehen würde, wenn ich diesen scheinbar niemals enden wollenden Flashback nicht mehr ertragen konnte und mal für eine Weile in meine alte Welt tauchen wollte, die ich ohne Droge längst nicht mehr erreichen konnte...Ich hab mich verdammt schnell daran gewöhnt ständig breit zu sein und mich dennoch nicht auffällig zu benehmen... In einer Freistunde mal eben einen Joint, 3, 4 Bier.... dann eine Arbeit schreiben.. Am Abend mal ne Line in die Nase und hier Party, da Party und überhaupt.. Ich war in meiner alten Schiene und checkte es nicht ! Das Leben war nichts mehr wert und mir war alles egal. Meine ältere Schwester und ich verstanden uns nicht sonderlich gut, denn um zusammen zu wohnen sind wir wohl zu verschieden.. Klar, ich hatte eine Menge Freundinnen und Kumpel und wir hatten auch eine Menge Spaß... aber sie kannten nicht die wirkliche Tina, die ohne ihre Scheiß Drogen manchmal nicht mehr in der Lage war ihre Clownsmaske aufzusetzen und einen auf tolle Welt zu machen.. Ich merkte nicht einmal, das ich die Macht über das Koks verlor und es anfing mich zu lenken und zu dirigieren.. Mein wirklicher und eigentlicher Schwachpunkt war, das ich mir das Zeug nie kaufen musste und immer eingedeckt war, weil ich so viele Leute kannte, die hier mal ne Runde warfen und da mal was rüberwachsen ließen.. Wenn ich am Morgen wach wurde, zog ich mir oft erst mal eine Tüte rein, um überhaupt auf die Füße zu kommen. Alles was ich noch packte war, das ich niemals vor oder in der Schule kokste und mich mit kiffen begnügte.. Ich lebte in meiner Scheinwelt und hatte mich an diese falsche Form von Freiheit gewöhnt.. War ja auch easy, denn ich musste nichts dafür tun, außer breit zu sein..  Und das war ich mit Leib und Seele...  Aber jeder zahlt mal seinen Preis und meiner ließ auch nicht lange auf sich warten...

"Schippie" wurde 18 und hatte sich auf Grund dessen einen Raum angemietet um Party zu machen. Mein Spitzname war schon seit längerem "Labello", denn eine Klassenkameradin war mal total verliebt und wagte sich nicht den Typ anzusprechen... Ich, die "Heldin" in Sachen Beziehung gab ihr lustige Tipps und meinte, sie solle einfach zu dem Typ hingehen und ihn fragen, ob er nicht ihr Labello sein wollte ? Seit diesem Tag hieß ich Labello.. Jedenfalls war ich auf der Party von "Schippie". Wir legten damals zusammen und kauften ihm drei Scheiben von Bap, die wir zu der Zeit ja alle genial fanden... Ich saß mit einigen Freundinnen und Kumpel an einem Tisch, wir lachten und redeten albernes Zeug. Helga hatte ihren Freund mitgebracht und einen Kumpel von ihm, den ich noch nicht kannte. Irgendwann kam sie und sagte: "Hey Labello, der Kumpel von meinem Freund würde gerne wissen wie du richtig heißt." Ich sah zu ihm rüber und sagte zu Helga, das er ja wohl selbst fragen könne, wenn er etwas wissen wolle. Ich fand ihn nicht sonderlich prickelnd, er war der typische Kiffertyp mit Parka, alten Jeans und Turnschuhen... Dann brachte "Schippie" ne Flasche Whiskey zu mir und eine Flasche Cola und meinte, das er sie extra für meine Wenigkeit besorgt hätte, weil er doch wüsste wie gerne ich das Zeug trinken würde. Ich unterhielt mich, trank, rauchte, trank, lachte, trank und trank und trank.... Irgendwann kam dieser Kumpel von Helgas Freund zu mir, stellte sich mir als Thomas vor und fing ein Gespräch an.. Er schien ganz nett zu sein und wir lachten viel... alberten herum. Er war 24 und wohnte, wie er sagte, nicht weit von unserer Schule entfernt... Dann fragte er mich, ob ich Bock hätte mit nach draußen zu gehen und eine Tüte zu bauen.. Klar, ich zog mir meine Jacke an und wir gingen raus. Die frische Luft gab mir den Rest, denn ich war schon völlig dicht von dem Whiskey. Thomas baute das Teil und ich stand neben ihm und wir quatschten weiter... Dann rauchten wir und mit jedem Zug den ich mir tief in die Lungen saugte, entfernte ich mich mehr von der Realität.. besuchte meine eigene Welt... Thomas fand ich plötzlich gar nicht mehr so ätzend und er lachte ständig rum von dem Gras... Ich erinnere mich nicht mehr genau, aber ich weiß, das wir irgendwann wieder auf der Party waren, in einer Ecke standen und knutschten...gegen 3:00h Morgens bin ich mit einer Freundin Nachhause gefahren mit der Telefonnummer von Thomas in der Jeanstasche... Am nächsten Morgen als ich wach wurde, erinnerte ich mich kaum mehr daran. Als ich seine Nummer in meiner Jeans fand, warf ich sie weg. Einige Tage später rief jedoch er mich an und erst wusste ich nicht einmal mehr, welcher Thomas da sprach... Er erzählte mir, das im JuZ ein Konzert stattfinden würde am Sonntag und ob ich nicht Lust hätte mitzukommen ? Da ich nichts anderes vorhatte sagte ich zu und so gingen wir mit Helga und ihrem Freund auf das Konzert. In dem Saal war kaum Luft und es stank abartig nach Shit.. Die Luft war zum Zerschneiden, die Musik viel zu laut und ich sah überall breite Leute, wo auch immer ich hinsah.... Wir rauchten was und gingen immer wieder mal raus, denn die Luft war echt unerträglich. Der Shit gab mir an diesem Abend nicht die völlige Kontrolle darüber, das ich nicht an meine Scheiße denken musste und so ging ich aufs Klo, zog mir eine Line und gab mir den Rest. Als ich wieder nach draußen ging besorgte ich mir noch eine Flasche Bier und traf vor der Halle Thomas, der mir erklärte, das Helga samt Freund schon einmal Nachhause gegangen seien. Er gab mir einen Schlüssel von Helga, denn wir hatten vereinbart, das ich bei ihr schlafen würde, da nach 1:00h keine S-Bahn mehr fuhr. Gegen 2:00h oder 3:00h sagte ich zu Thomas, das ich jetzt auch gehen würde.. Er hielt mich am Arm fest und verkündete, das er mich doch nicht allein des Nachts durch Frankfurt laufen lassen könne, wo doch die Welt voller dunkler Gestalten sei.... Er wollte mich zu Helga bringen... Es war November, saukalt und wir froren wie die Schneider auf dem Weg zu Helgas Wohnung.. Als wir ankamen wollte ich ihm "Ciao" sagen, aber er meinte, das er auch bei Helga schlafen würde, denn sie hätten es so besprochen.... Es war mir egal, denn ich war müde, total benebelt und wollte nur noch schlafen... Wir trabten die drei Stockwerke des Altbaus hoch bis zu Helgas Wohnung und im Wohnzimmer lagen auch zwei Schlafsäcke auf dem Boden. Ihr Klo war im Treppenhaus und ich fragte ihn noch, ob er zuerst aufs Klo wolle, oder ob er mir den Vortritt ließe. Er sagte, ich könne zuerst und als ich wiederkam zog ich meine Jeans aus und mummelte mich in den einen Schlafsack. Er ging aufs Klo und irgendwann muss er wohl wiedergekommen sein.. ich bekam es jedoch nicht gleich mit, denn ich war eingeschlafen. Irgendwann wurde ich wach, weil ich Hände an meinem Körper spürte.. Lippen, die sich auf meine pressten und seine Hände waren plötzlich überall an mir.. In meinem Kopf schrie ich, aber ich war wegen der Drogen und dem Alk nicht in der Lage ihn wegzuschubsen.. Nicht in der Lage "Nein" zu brüllen.. Es war abartig, denn ich war wie erstarrt und auch meine Wahrnehmung war völlig daneben... Eben war er noch neben mir, dann auf mir und ich hatte das Gefühl das er überall war... Ich bekam nur Fetzen des Geschehens wirklich mit... Ich bewegte mich nicht einmal und erwiderte auch weder seine Berührungen, noch seine Küsse.. Irgendwann riss der Film und als ich 3, 4 Stunden später wach wurde und ihn neben mir liegen sah, fiel mir wieder ein, was er getan hatte.. Eigentlich hätten Helga und ich in die Schule gemusst, aber ich erklärte ihr kurz, das mir schlecht sei und ich Nachhause fahren würde. Sie sollte in der Schule Bescheid geben.. Ich rannte zur S-Bahn, als sei Satan persönlich hinter mir her und fuhr Nachhause.. Auf dem Weg vom Bahnhof Nachhause kam ich noch an einem Geschäft vorbei und kaufte einige Bürsten.. eine dicke mit festen Borsten, eine Stahlbürste und einige andere.... Dann rannte ich heim, schloss die Tür nach mir ab, riss mir die Klamotten vom Leib und drehte das Wasser der Dusche auf.. Ich heulte, schrie, kotzte... und ich schrubbte jeden Millimeter meines Körpers mit diesen Bürsten... Ich kann nicht in Worte fassen wie dreckig, mies, schlecht und elend ich mich fühlte.. Ich muss Stunden in der Duschwanne gesessen haben, das Wasser auf meinem Körper, heulend.. und ich schrie mich selbst an, das ich mit den Scheiß Drogen aufhören musste... Nie wieder dürfte mir so was wie vergangene Nacht passieren.. Ich hasste mich so sehr, das ich nicht einmal spürte, wie die Stahlborsten der Bürste längst meine Haut an einigen Stellen runtergescheuert hatten und ich das blanke Fleisch schrubbte.. Irgendwann kroch ich aus der Dusche.. zog mich an, trank einen Kaffee und überlegte.. Meine Hausärztin war die Rettung ! Ihr vertraute ich sehr, wenn auch nicht in allem... Also rief ich an und fragte, ob ich kommen könnte. Ich konnte und als ich ihr gegenübersaß, erklärte ich ihr, das ich koksabhängig sei und von dem Dreck runter müsste und Hilfe bräuchte.. Mein Wille war stark und ich wollte nie wieder in meinem Leben so eine Session erleben... Ich ekelte mich vor mir selbst... Sie half mir und sie schwieg bei meiner "Mutter" die ebenfalls Patientin bei ihr war. Aber sie sagte gleich, das sie mich nicht decken würde, wenn sie mitbekäme das ich das Zeug wieder nehme ! Außerdem gab sie mir die Adresse einer Drogenberatung in einem anderen Ort. Ich ging nicht oft dort hin, denn ich wollte es schaffen und hab es auch.. Das Erlebte hat mir gereicht und ich brauchte keine andere Motivation mehr...

Ein paar Tage später rief Thomas mich wieder an und fragte, ob wir uns wiedersehen könnten. Ich brüllte in den Hörer, das er meine Nummer vernichten solle und mich nie wieder anrufen bräuchte...! Von Jungs/Männern wollte ich nichts mehr wissen... Eine Beziehung ohne Berührung gab es nicht und eine mit konnte ich einfach nicht ertragen....

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