Ich schaffte es und ließ die Finger vom Koks. Anfangs hatte ich häufig Nasenbluten und ständig das Gefühl Schnupfen zu haben. Auch hörte ich auf täglich zu kiffen und schränkte den Konsum auf das Minimum ein, bis ich es ganz ließ. In der Schule befreundete ich mich mit den Mitschülern von denen ich wusste, das die nichts mit der Szene zu tun hatten und ich nicht wieder mit dem Kram konfrontiert werden konnte. Ja, Zigaretten rauchte ich noch... das tu ich seit ich 11 war und es ist auch eine ätzende Sucht ! Aber eine, die den Geist nicht umnebelt, die Wahrnehmung nicht einschränkt und einen nicht Dinge tun lässt, die man ansonsten nie getan hätte...

In der Schule gab ich mein Bestes und mutierte echt zu einem Streber. Mit meiner Schwester lief es schlechter Zuhause und wir stritten oft bis die Fetzen flogen. Ich ging irgendwann zum Jugendamt und sprach mit meiner Sachbearbeiterin. Ich erklärte ihr, das ich eine eigene Wohnung brauchte, denn ich würde abdrehen und wir müssten uns gegenseitig den Hals umdrehen.... Sie sagte, es sei okay und ich soll mir ne kleine Wohnung suchen und nannte mir das Mietlimit. Ich suchte und fand auch kurze Zeit später eine 1 Zimmer, Küche, Bad Wohnung für 330 Mark Miete. Sie lag im Hinterhof einer Kneipe und der Vermieter (ein Grieche) war einverstanden. Ich war total happy und fing an alles zu organisieren. Alles musste renoviert werden und Möbel brauchte ich auch... Leider hatte ich noch nie tapeziert und so fragte ich meinen Bruder, aber der konnte nicht, weil er selbst gerade umzog und geheiratet hatte. Da sagte Mutter das Manuel tapezieren würde und auch den Teppichboden verlegen könne, da er ja sowieso wieder einmal arbeitslos sei und sie sich freuen würde wenn er mal aus dem Haus sei... Ich wollte es nicht, denn ich wollte nicht allein mit ihm sein, aber sie belaberte mich, weil er ihr auf den Keks ging und nur Daheim rumhing. Also holte ich mit einigen Freundinnen und Kumpel erst einmal die alten Tapeten von den Wänden und dann kam das Arschloch zum Renovieren... Ich sah zu, das ich immer in einem anderen Zimmer war als er und wenn Mutter nicht dabei war, achtete ich noch mehr darauf, das ich nicht mit ihm in einem Raum war. Allein seine Stimme zu hören war ekelhaft... Er tapezierte das Wohn/Schlafzimmer, als ich in der Küche stand, die Spüle schrubbte und einiges an Geschirr wegspülte. Ich hatte ihn gar nicht reinkommen hören und plötzlich stand er hinter mir und legte seine Arme um meinen Oberkörper... Ich erschrak und mein Herz raste... Sein Gesicht war an meinem Ohr und er flüsterte: "Dafür das ich deine Wohnung tapeziere könntest du ja ruhig ein bisschen lieb zu mir sein...!" Ich bekam Panik und mein Hals war wie zugeschnürt... Aber zum Glück konnte ich noch denken, schlug um mich und schubste ihn weg. Dann schrie ich ihn an, das er seine ekelhaften Wichsgriffel von mir lassen solle, oder er könne sich verpissen ! Ich würde auch allein tapezieren können und bräuchte ihn nicht um jeden Preis ! Dann griff ich meine Jacke und rannte aus der Wohnung.... Luft... Atmen... und wieder dieser unbeschreibliche Hass in mir... dieser Zorn.. Ich lief durch die Stadt und irgendwann setzte ich mich ans Ufer eines Baches und dachte nach... Ich überlegte, ob ich zurückgehen sollte um ihn endlich abzustechen.. Ich dachte, es würde nie aufhören und er würde es immer wieder probieren.. ich saß da und sah wieder Bilder vor mir...Szenen, in denen ich noch einmal 8, 9 war und vor ihm auf diesem elenden ledernen Sitzkissen stehen musste und er mir im Stehen seinen Schwanz reindrückte... Szenen, in denen ich zitternd und weinend vor ihm auf dem Fußboden lag und mir von seinen Schlägen und Tritten alles wehtat... ich konnte sein verhasstes, billiges Haarwasser wieder riechen... sah den Schweiß von seiner Halskette auf meinen Körper tropfen... seine widerlichen Hände überall auf meinem Körper... sein Stöhnen... Ich saß noch immer am Ufer dieses Baches, hatte meine Zigarette geraucht, zog die Jeans an meinem rechten Bein ein Stück hoch und drückte mir die Kippe auf dem Schienbein aus...Als sei es das Normalste auf der Welt.. Es zischte und roch nach verkohlter Haut... Ich war Scheisse... schlecht.. dreckig und ich war sicher, das ich diesen beschissenen Dreck niemals loswerden würde.. Er mich mein Leben lang begleiten würde wie ein alter Freund... Keine Ahnung wie lange ich dort saß, aber es war dunkel als ich mir die Tränen aus dem Gesicht wischte und mich auf den Heimweg machte... Von draußen sah ich, das kein Licht an war und das er wohl schon weg war. Ich ging in meine Wohnung und schaute in jedes Zimmer. Das Wohnzimmer war fertig tapeziert und er war weg... Der Duft seines Rasierwassers hing jedoch noch schwer in der Luft und ich riss alle Fenster auf...  Ich hatte keinen Bock zu meiner Schwester Nachhause zu gehen und da ich sowieso nicht hätte schlafen können, strich ich in dieser Nacht das Badezimmer. Auch wenn ich so etwas noch nie gemacht hatte, ist es echt gut geworden....Gegen 7:00h früh machte ich mich dann auf den Weg zu meiner Mutter, denn ich wusste das der Bastard nicht da war und wollte mit ihr Kaffee trinken. Wir saßen da und quatschten. Irgendwann sah ich sie an und erklärte ihr, das ich eine Frage habe und eine ehrliche Antwort erwarten würde. Sie sagte nur: "Frag doch !" Dann meinte ich: "Ich hab schon immer das Gefühl, das Dein verstorbener Mann nicht mein Vater war. Nicht mein biologischer Vater. Wenn ich meine beiden älteren Geschwister anschaue, muss ich sagen, das wir weder charakterlich, noch äußerlich sehr viel Ähnlichkeit haben. Wer ist denn mein biologischer Vater ?" Sie sah mich an, zog eine Augenbraue hoch und sagte lachend: "Tja, man weiß es nicht..." "Wie, man weiß es nicht ? Du musst doch wissen von wem ich bin !" Und sie: "Quatsch, du bist von meinem verstorbenen Mann !" Ich glaubte ihr trotzdem nicht... Irgendetwas in mir schrie förmlich, das sie log... Dann, als ob es etwas völlig banales wäre, erklärte sie mir: "Weißt du, eigentlich wollte ich dich auch gar nicht ! Als ich hörte das ich mit dir schwanger war passte mir das gar nicht. Abtreiben war ja legal gar nicht drin damals und da hab ich auf die Ratschläge einiger Nachbarinnen gehört und es mit Kräutern, Rizinusoel und so was probiert. Ich hab drei Mal versucht dich wegzukriegen, aber es hat nicht geklappt und ich hatte nur einen üblen Durchfall !" Ich saß da mit meiner Kaffeetasse in der Hand, musste realisieren was sie mir da gerade gesagt hatte und war sprachlos... Sie hatte mir gerade erklärt, das sie mich schon vor meiner Geburt nicht wollte und sich bemüht hatte mich zu töten bevor ich geboren wurde... und sie sagte mir das, als würde sie von einem Einkaufsbummel berichten... Ich war 16 und ich war sowieso schon verletzt bis auf die Knochen und sie schenkte mir den Rest ein... Ich hätte am liebsten geheult und meinen Schmerz rausgeschrieen, aber ich schwieg.. ich sah sie nur an und hörte weiter zu....und ich fühlte mich dieser Frau so unsagbar nah...liebte sie so sehr, obwohl sie mir gerade erklärt hatte, das sie mich vor meiner Geburt genauso wenig liebte wie nach ihr..... Ich musste pervers sein ! Die Welt war es ! Meine Mutter war es.... Dann erzählte sie weiter, als würde sie bei einem Therapeuten auf dem Sessel sitzen... "Weißt du, dein Vater war ein perverser ! Er stand manchmal hinter der Schlafzimmertür und holte sich einen runter. Deine ältere Schwester hab ich nur geboren, weil er mich vergewaltigt hatte. Na ja und als du ein Baby warst, hat er sich auch mit deinen Füßen einen runtergeholt und an deinem Bruder hat er auch noch rumgespielt als er ein Säugling war. Ich hab es genau gesehen !" Da war sie wieder, die unsichtbare Hand, die mir den Hals zudrückte... die mich nicht mehr atmen ließ... Von was für einem Tier sollte ich abstammen ? Meine Füße...wie ekelhaft.. ich stellte mir vor, wie er sich mit meinen Babyfüßen einen runterholte... Mein Magen begann Achterbahn mit mir zu fahren und ich musste mir selbst sagen, das ich jetzt nicht kotzen wollte... Ich sah meine Mutter an und sagte: "Wie kannst du nur über einen Toten so etwas sagen ? Er kann sich nicht mehr verteidigen und wer weiß schon ob du die Wahrheit sagst ? Wie kannst du mir so etwas überhaupt erzählen ???" Sie trank einen Schluck Kaffee, steckte sich die nächste Kippe an und meinte: "Du bist alt genug für die Wahrheit ! Du kannst ruhig wissen wer dein Vater wirklich war und das ich dich damals nicht kriegen wollte. Ist doch nichts dabei..." Nein, es war nichts dabei... Es zerriss mir nur mein sowieso schon gebrochenes Herz ein bisschen mehr.....ich fühlte mich nur noch ein wenig beschissener, als ich es sowieso schon tat... sah meine Existenz nur noch ein bisschen weniger als sinnlos und überflüssig an... Ich war geschockt, unendlich traurig und kam mir vor wie eine gigantische Wunde in der sie nun auch noch rumgestochert hatte...  Meine Mutter wollte mich nicht gebären.. Sie liebte mich nicht.. Es war ein Naturgesetz, das Mütter ihre Kinder lieben, selbst bei den Tieren ist es.... Aber sie konnte mich nicht lieben... Wie mies musste ich sein, das sie ein Naturgesetz brechen konnte ? Wie dreckig, elend und beschissen war ich, das meine eigene Mutter mich nicht lieben konnte ??? Wenn sie es nicht einmal konnte, wer auf dieser kalten Welt sollte mich dann lieben ? Wer würde mich lieben können ? Ich selbst konnte es ja nicht einmal....

Es dauerte Tage, bis ich wieder klar denken konnte. Ständig hatte ich ihre Worte im Ohr.. sah meinen dad, wie er sich mit meinen Füßen einen runterholte... Ich lag in der Badewanne und betrachtete meine Füße... stellte es mir vor... dann schrubbte ich meine Füße mit Seife und redete mir förmlich ein, das man auch dort Dreck sehen könnte.. ich zog nie wieder Sandalen oder offene Schuhe an ... auch mag ich meine Füße nicht mehr und find sie hässlich...

In meiner neuen Wohnung ging es voran. Ich bekam von einem Kumpel ein Schlafsofa und einen Sessel geschenkt, von meinem Bruder eine Eckbank mit Tisch und Stühlen und einen Gasherd, von meiner Mutter den alten Wohnzimmerschrank und von einer Freundin noch einige Küchenschränke und einen Wohnzimmertisch. Als alles stand war ich richtig stolz auf mich... stolz darauf mit meinen 16 Jahren ein eigenes kleines Heim erschaffen zu haben... Ich besuchte noch immer die Berufsfachschule und wollte auch weiterhin Bewährungshelferin werden. Irgendwann erzählte Conny (eine Freundin aus meiner Klasse) das sie einen Brieffreund im Knast hätte. Er hätte lebenslänglich und würde in Butzbach sitzen. Ein anderer Knacki würde eine Brieffreundin suchen und sie hätte Zuhause ne Art Steckbrief von ihm mit Foto und so. Ob nicht eine von uns Lust hätte ihm zu schreiben ? Ich dachte, das es ganz interessant sein könnte zu erfahren, wie es im Knast so abgeht und das es auch im Bezug auf meinen Berufswunsch eine Erfahrung sein könnte. Also sagte ich ihr, das ich ihm schreiben wollen würde.  Nach einigen Tagen holte ich mir bei ihr Zuhause diesen Steckbrief und das Foto ab, denn sie vergaß ihn immer wieder Daheim. Auf dem Steckbrief standen nur die wichtigsten Daten wie Name, Alter, Hobbys und eine Beschreibung seines Aussehens. Er war 25 und ich nenne ihn hier mal einfach R. . Also setzte ich mich Zuhause hin und schrieb einen Brief. Es war echt schwierig und ich weiß auch nicht mehr wie oft ich angefangen habe und dann doch wieder alles zerriss... Was sollte man auch jemandem schreiben, den man nicht kennt ? Irgendwann nahm ich das geschriebene Blatt Papier, packte es mit einem Foto in einen Umschlag und schmiss ihn in einen Briefkasten. Ich dachte nicht, das er mir antworten würde, denn ich fand meinen Brief bescheuert und außerdem war ich ja erst 16 und wieso sollte dieser Typ einer 16 jährigen schreiben ? Drei Tage später hatte er geschrieben... Er bedankte sich für meinen Brief und schrieb, das ich seiner Ex-Verlobten sehr ähnlich sehen würde. Dann erzählte er noch, das er gleich ehrlich sein wolle und er wegen erpresserischem Menschenraub in Tateinheit mit Fahren ohne Führerschein, Trunkenheit am Steuer und Körperverletzung zu 5 Jahren verurteilt worden war. Inzwischen saß er bereits seit zweieinhalb Jahren. Er habe jedoch nie Frauen vergewaltigt, etwas mit Kindern gemacht und auch nichts mit Drogen zu tun gehabt ! Er schrieb von seiner Lieblingsmusik, seinen Wünschen und Träumen und das er sich freuen würde zu wissen, das nun draußen jemand sei, der sich mit ihm abgab und ihm schreiben würde. Ich schrieb zurück, erzählte ihm von meiner Heimkarriere, meinen Wünschen und Träumen und von meiner Lieblingsmusik. Anfang Februar 1983 bekam ich seinen Brief und er schrieb fortan 4, 5 Mal pro Woche. Am 19. März bekam ich einen 16 Seiten langen DIN A4 Brief in dem er mir schrieb, das er sich in mich verliebt hätte... Er malte mir Bilder, schrieb mir Gedichte... erzählte mir von allem was er fühlte und ich entschloss mich ihn zu besuchen.. Er schickte mir einen Besuchsschein und schrieb, das ich meinen Personalausweis mitbringen müsste. Meine Schwester hatte inzwischen auch einen Brieffreund in Butzbach und wir fuhren zusammen mit der Bahn hin. Ich war total aufgeregt und nervös. Der Knaste wirkte wie eine alte Festung und an der Pforte gaben wir die Besuchsscheine ab, bekamen je einen Schlüssel für ein Schließfach und mussten alles dort hineintun. Außer Geld und einem Feuerzeug durfte nichts mit in die Anstalt hinein genommen werden. Dann gingen wir durch die erste Tür. Ein Beamter strich mit einem Detektor an unseren Körpern entlang. Eine weitere Tür öffnete sich und der Beamte sagte, wir sollten den Gang bis zur nächsten Tür entlang gehen und wenn diese sich öffnen würde, käme ein Stück weiter eine Holztür, die uns in den Innenhof führen würde. Wir sollten über den Hof gehen und genau gegenüber sei eine weitere große Tür, die wir per Hand öffnen könnten. Dort seien dann Kollegen, die uns alles weitere sagen würden. Also taten wir, was er uns gesagt hatte. In dem Hof angekommen, schlugen plötzlich Knackis mit irgendwelchen Gegenständen an die Gitter ihrer Zellen und gröhlten irgendwelche blöden Sprüche. Wir sahen zu, das wir über den Hof zu dieser großen Tür kamen. Zwei weitere Schließer empfingen uns und nahmen unsere Besuchsscheine entgegen. Sie führten uns ins Besuchszimmer, in dem etwa 10 Tische mit Stühlen standen. Die Knackis hatten alle Blaumänner an und die meisten Besucher waren ältere Frauen, die wohl die Mütter etc. waren.... Es waren auch zwei Schließer im Raum, die jedoch an einem separaten Tisch saßen und alles beobachteten. Wir setzten uns an einen Tisch und dann kam plötzlich einer der Knackis zu mir und fragte, ob ich eine Cola haben wolle ? Ich lehnte dankend ab und fragte ihn, ob ich hier denn Zigaretten ziehen könne ? Er bejahte und deute in die Richtung, wo der Automat hing. Ich ging raus und zog mir eine Packung. Irgendwann kam Jürgen, der Brieffreund meiner Schwester. Er hatte ihr nie ein Bild geschickt und geschrieben, er würde aussehen wie Roy Black, nur in blond... Na ja, blond war er wirklich, aber Roy Black wäre sicher beleidigt gewesen, wenn er erfahren hätte, das er sich mit ihm verglich... Er laberte mich auch gleich voll und sagte, das R. sich erst noch schön machen würde und er fragte, ob wir uns nicht irgendwoher kennen würden ? Ich käme ihm so bekannt vor... Ich verneinte, denn ich konnte mich nicht daran erinnern ihn je irgendwo gesehen zu haben. Nach etwa einer halben Stunde kam R. . Er war total aufgeregt und hypernervös, kam auf mich zu, gab mir einen flüchtigen Kuss und setzte sich. Er fragte, wie es mir ginge und das er sich freuen würde, das ich gekommen sei. Manchmal sah er mir lange in die Augen und erklärte, das er niemals geglaubt hätte, das man sich allein durch Briefe schreiben so sehr in jemanden verlieben könnte, wie er es getan habe... Er überschüttete mich mit Komplimenten und redete wie ein Wasserfall.. Wir hatten eine Stunde Zeit. Dann kam ein Schließer und meinte, das wir mal zum Ende kommen sollten, denn die Besuchszeit sei vorüber. Wir gingen zusammen aus dem Besucherzimmer und standen vor einer riesigen Gittertür, durch die er wieder hinein musste. Er umarmte und küsste mich und als er mich nach einigen Minuten noch immer nicht losließ, kam ein Schließer und sagte, das er jetzt wieder auf seine Zelle müsse und nun endlich Ende machen solle. Spätestens bei diesem ersten Besuch hatte es mich auch erwischt... Ich fand ihn so genial... Er sah klasse aus wie ich fand und er behandelte mich wie eine Königin.. In jedem seiner Blicke konnte ich seine Liebe sehen und war hin und weg... Klar, heute ist mir bewusst, das er im Knast verdammt einsam war und vermutlich einen Strohhalm suchte an dem er sich festklammern konnte...die Zeit abreißen konnte, die er abzusitzen hatte. Damals dachte ich nicht so weit...  Wir schrieben uns weiter und er erzählte mir von seinem Alltag im Knast, seiner Liebe zu mir, malt mir weiterhin Bilder und träumte schriftlich davon mit mir alt zu werden.. zu heiraten...  Kinder zu haben... Und ich flog auf Wolke sieben.. Fortan besuchte ich ihn 3 x pro Monat und wir schrieben uns wie die Weltmeister..  Ich war so absolut verliebt... und heute denke ich, das ich das auch war, weil ich sicher war, das er erst einmal nichts sexuelles von mir fordern konnte... Ich hatte die Möglichkeit ihn erst einmal richtig kennen zu lernen und mich darauf vorzubereiten eines Tages mit ihm zu schlafen...  Er hatte noch ein Jahr abzusitzen (2/3 der Strafe) und sollte dann Bewährung kriegen. Im August bekam er den ersten Ausgang und durfte 10 Stunden aus dem Knast raus. Ich musste dem Schließer meinen Personalausweis als Sicherheit geben und er klärte mich auf, das ich mit verantwortlich sei, wenn er nicht wieder zurück käme... Wie lächerlich ! Wenn er abgehauen wäre hätte ich das auch nicht ändern können... Wir blieben diese Stunden in Butzbach, denn es lohnte sich nicht wegzufahren. Wir gingen Kaffee trinken, schlenderten Hand in Hand durch die Stadt und er war sichtlich nervös. Immerhin war er seit über zwei Jahren nicht mehr draußen gewesen.. Irgendwann setzten wir uns auf eine Parkbank und schauten uns einen Brunnen an. Ich hatte Angst vor diesem Tag gehabt, Angst, das er mit mir schlafen wollen würde und ich es nicht ertragen könnte... Er hatte keine Ahnung von meinem Missbrauch und ich wollte es ihm auch nicht erzählen... Also saßen wir an diesem Brunnen und plötzlich sagte er: "Wenn du denken solltest, das ich heute mit dir schlafen will, werd ich dich enttäuschen ! Ich will nicht das du denkst, das ich dich nur deswegen liebe und ich will auch nicht irgendwo einen Quickie mit dir schieben. Ich hoffe, das es okay für dich ist ?" Und wie es das war.... Mir fiel ein Felsbrocken vom Herzen... Irgendwie liebte ich ihn für diese Sätze noch mehr und dachte, das er nicht so ein mieses, schwanzgesteuertes Arschloch sei, dem es nur um das eine ging.. Ich brachte ihn pünktlich zurück und er weinte, als wir uns wieder trennen mussten.. Unsere Briefe wurden nicht weniger und er schrieb von seinen Ängsten das ich einen anderen Mann kennen lernen könnte, während er noch im Knast saß.. das ich aufhören könnte ihn zu lieben und es beenden könnte, bevor wir eine richtige Chance hätten... Das wäre nie passiert, denn dazu liebte ich ihn viel zu sehr...

Er hatte etwa ein Jahr zuvor im Knast in Darmstadt einen Schließer zusammengeschlagen und es stand noch eine Verhandlung aus. Er bat mich einen Brief an die Richterin zu schreiben, denn er hatte Angst, das er nicht auf Bewährung rauskommen würde... Also schrieb ich der Richterin und erklärte ihr, das wir zusammenziehen wollten, heiraten und das er sein Leben ändern wolle... Ich ging mit zu der Verhandlung und er bekam keine Verlängerung. Bei der Verhandlung lernte ich seinen Bewährungshelfer kennen, der mir - als wir allein waren - sagte: "Tina, lauf weg, solange du noch laufen kannst ! R. war schon immer arbeitsscheu und schlug auch seine letzte Freundin! Du bist noch so jung und hast noch dein ganzes Leben vor dir...!" Ich glaubte ihm nicht... Ich war blind vor Liebe und als ich R. fragte ob er seine Freundin geschlagen hatte, sagte er, das er niemals eine Frau schlagen könnte und sich eher den Arm abhacken würde, als seine Hand auch nur gegen mich zu erheben.... Ich glaubte ihm! Ich hätte ihm alles geglaubt.... Im Januar 1984 wurde er in den Freigang nach Frankfurt - Preungesheim verlegt und durfte jeden Tag 13 Stunden raus. Er suchte sich eine Arbeit als Kranführer, die er im Mai anfangen konnte und wurde Ende März entlassen. Er zog mit zwei Plastiktüten bei mir ein und wir waren absolut glücklich... Ich besuchte noch immer die Schule und am Nachmittag ging ich in einer Zweigstelle der Hoechst AG putzen, damit ich mehr Knete hatte.... Er vergötterte mich förmlich.. War liebevoll, absolut zärtlich und stellte keine blöden Fragen wegen meiner sexuellen Schwierigkeiten. Das ich mich niemals nackt vor ihm zeigte und mindestens ein T-Shirt und einen Slip anhatte, das ich - wenn wir zusammen baden gingen - immer darauf bestand das er vor dem Bad warten musste bis ich in der Wanne saß und unglaublich hoher Schaum meinem Körper bedeckte, begründete er mit meinem Alter. Ich sei ja mit 16 noch sehr unerfahren und schüchtern... Allerdings wunderte er sich ein wenig darüber, das ich niemals einen Orgasmus hatte, wenn wir zusammen schliefen... Außer seiner Nähe spürte ich nichts.... konnte ich nichts spüren.. Aber auch das entschuldigte er irgendwann mit meinem Alter. Darüber war ich sehr froh...

Wir wünschten uns ein gemeinsames Kind und all meine Berufsziele waren dahin.. Ich träumte von einer richtigen Familie. Sicherheit, Geborgenheit, all dem das ich selbst niemals hatte. Ich setzte im März meine Pille ab und im April war ich schwanger. Ende Mai wurde ich 18 und zwei Wochen später heirateten wir. Er verdiente klasse und wir suchten uns eine andere Wohnung. Im Block meiner Mutter wurde eine Wohnung frei und wir zogen ein. Da es jedoch nur eine zwei Zimmer Wohnung war, suchten wir auch weiterhin nach einer drei Zimmerwohnung, denn ich wollte ein Kinderzimmer haben. Tagsüber ging er arbeiten und am Abend ging er immer häufiger weg und ließ mich allein. Er trank zu oft und am nächsten Tag hatte er dann keinen Bock aufzustehen und arbeiten zu gehen. Wir stritten uns häufiger, weil ich der Ansicht war, das er solche Einsätze nicht bringen könne und langsam aber sicher mal Verantwortung übernehmen müsse... Außerdem fand ich es Scheisse, das er mich Abends immer allein Zuhause rumsitzen ließ, denn er fühlte nie mal auf meinen Bauch wenn das Baby strampelte und ich hatte das Gefühl, das er sich nicht so sehr darauf freute, wie ich es tat... Ich fühlte mich einsam und war phasenweise total deprimiert...  Als ich im achten Monat war, es war Anfang Dezember, kam er wieder einmal erst am späten Abend betrunken Nachhause. Ich erklärte ihm, das mich das ankotzen würde und ich nicht geheiratet habe um jeden Abend unglücklich vor dem Fernseher abzuhängen. Er schrie mich an, das ich nicht von ihm verlangen könnte, das er jeden Abend mit mir zusammen sei und ich schrie zurück, das ich das ja auch gar nicht verlangen würde, aber wenigstens mal 1, 2 Abende pro Woche... Ich fühlte mich wie eine lästige Scheißhausfliege, die den Menschen der sie angeblich liebte zwingen musste etwas Zeit mit ihr zu verbringen... Ein Wort gab das andere und plötzlich sprang er auf und schlug auf mich ein... Er drehte völlig durch und ich flüchtete panisch ins Bad und er hinterher... Er brüllte, das er den Bastard in meinem Bauch kaputtschlagen würde und drosch weiter auf mich ein.. Ich hielt nur schützend meine Hände vor meinen Bauch und weinte, das er bitte aufhören solle... Ich war total geschockt ! Irgendwann ließ er von mir ab und ging zurück ins Wohnzimmer, wo er sich auf das Sofa setzte und weiter brüllte, das er sich nicht sein Leben vorschreiben lassen würde... Ich stand zitternd im Bad, immer noch fassungslos über das was eben gerade geschehen war und wollte nur aus dieser Wohnung raus... Vermeiden, das er noch einmal auf mich einschlagen konnte.. Er schrie immer noch rum und ich schloss schnell die Wohnungstür auf und rannte raus. Ich hatte keine Schuhe an, keine Jacke, meine Nase blutete und ich rannte auf Socken durch die Nacht zu meinem Bruder, der am anderen Ende der Stadt lebte. Ich klingelte Sturm und fragte, ob ich diese Nacht bei ihm und seiner Familie bleiben durfte. Ich durfte und  am nächsten Morgen lieh mir meine Schwägerin ein paar Schuhe und ein Kumpel meines Bruders fuhr mich Nachhause. Ich wollte einige Sachen packen und ausziehen. Erst einmal in ein Frauenhaus und von dort aus eine Wohnung suchen. R. war wieder einmal nicht zur Arbeit gegangen und lag noch im Bett. Als ich reinkam und er mich sah, fing er an zu weinen, nahm mich in den Arm und entschuldigte sich Tausendmal... Er würde mich doch lieben, für mich sterben wenn er müsste und er sei ein Arschloch und würde sich selbst dafür hassen das er mir das angetan hätte... Er würde ohne mich kaputtgehen und ich sei doch alles was er hätte... ich sollte ihm verzeihen und er würde nie wieder auch nur die Hand gegen mich erheben... Er schwor es und ich verzieh ihm... Blöd und naiv wie ich war....

Einige Wochen lang war ich wieder die Königin.. Er ging Abends mal mit mir Essen, brachte mir Blumen... Im Januar kam mein Baby zur Welt. Es war eine ziemlich schwere Geburt und als er da war und sie mich nähten, stand R. da, hatte meinen Sohn auf dem Arm und weinte... Er sagte immer wieder: "Engel, den haben wir gut hinbekommen! Ich bin total stolz! Zuhause drehte sich für mich alles nur noch um meinen Sohn. Klar, ich kam kaum zum Schlafen und Haushalt und Baby füllten mich voll aus. Er kam wieder häufig erst Nachts Nachhause. Besoffen und schlecht gelaunt... Im April zogen wir in eine drei Zimmer Wohnung und meine ältere Schwester kam zu Besuch. Wir hatten noch keinen Wohnzimmertisch und ich hatte Spaghetti gekocht. Ich brachte ihr und R. einen Teller und setzte mich aufs Sofa.. Plötzlich fiel R.´s Teller runter und die Spaghetti lagen auf dem Teppichboden... Ich konnte nicht so schnell gucken, wie er mir mit der flachen Hand ins Gesicht schlug und brüllte, das ich blöde Kuh Schuld sei, das er seinen Teller habe fallen lassen.. Meine Schwester schrie ihn an, ob er noch ganz dicht sei mich zu schlagen ? In dem Moment fing mein Sohn (ja, ich schreibe absichtlich "mein" Sohn, denn er war niemals ein Vater und verdient diese Bezeichnung auch nicht..!) an zu schreien, er musste von dem Gebrüll wach geworden sein. R. sprang auf und schrie: "Dem kleinen Bastard werde ich jetzt den Hals umdrehen !" Meine Schwester stürzte sich vor die Kinderzimmertür und brüllte R. an, das er erst einmal an ihr vorbei müsse, wenn er ihrem Neffen etwas antun wollte. Ich schrie ihn an, das er sich doch bitte beruhigen solle.. Er ging in die Küche und ich mit meiner Schwester ins Kinderzimmer. Da unser Telefonanschluss noch nicht freigeschaltet war, bat ich sie zum Telefonhäuschen zu gehen (vor unserem Haus war eins) und die Bullen zu rufen. Ich hatte Angst, das er wieder durchdrehen könnte. Sie tat es und R. saß in der Küche auf dem Fußboden, nuschelte unverständliches Zeug und versuchte sich mit einem Messer die Pulsadern aufzuschneiden... Die Bullen kamen und sie nahmen ihn über Nacht mit in die Ausnüchterungszelle....

Als er am nächsten Morgen wiederkam und nüchtern war, spielte er wieder den reumütigen... Ich sagte, das ich so nicht leben wolle und es auch nicht könnte. Ich sei gerade mal 19 und ich hätte keinen Bock mir auf die Fresse schlagen lassen zu müssen  und auch mein Sohn solle so etwas nicht erleben! Ich würde eine Trennung wollen... Er stand von seinem Stuhl auf, nahm sich ein Messer und hielt es mir mit der Spitze an den Hals... Sein Blick war der eines Irren und er flüsterte: "Denk nicht mal daran mich zu verlassen! Ich würde dich finden und wenn ich dich nicht haben kann, wird dich auch kein anderer haben ! Vorher steche ich dich ab!" Meine alte Angst stieg wieder in mir hoch.. Und ich fing an mir einzureden, das es eben meine Bestimmung sei so mies behandelt zu werden... Ich hatte es nicht besser verdient... Wieso sollte man mich auch mit Achtung behandeln, wenn meine eigene Mutter mich nicht hatte lieben können? Ich wagte nicht darüber nachzudenken abzuhauen... Ich wusste, das er mich umbringen würde, sein Blick hat es mir verraten, als er die Worte sprach.. Also nahm ich alles hin.. Achtete darauf ihn nicht zu provozieren und alles "richtig" zu machen... Es gab Tage, an denen liebte ich ihn sogar wieder... Dann, wenn er mich wieder wie seine Königin behandelte... mir das Gefühl gab ein Mensch, eine Frau zu sein.....

Im Mai verlor er seinen Job. Er meinte, das sei nicht so schlimm, denn er würde sicher schnell einen neuen finden... Aber er bemühte sich nicht einmal um einen neuen Job... Ich fing an zu jobben, denn er versoff das bisschen Arbeitslosengeld und anstatt die Miete zu zahlen, trug er die Knete an ein Kiosk, kaufte sich eine teure Angelausrüstung und freute sich des Lebens... Ob ich Windeln und Essen für den Kleinen hatte, interessierte ihn nicht.. Morgens um 6:00h ging ich eine Kneipe putzen und hatte halbtags noch ein Pflegekind. Ich belog ihn und sagte, das ich nur 300 Mark pro Monat bekäme für das Pflegekind und nur 300 für das Putzen. So konnte ich jeden Monat 180 Mark für den Notfall bunkern und war sicher das ich immer Windeln und Essen für meinen Sohn hatte... Wir bekamen eine Räumungsklage und ich ging zum Sozialamt und bat um Hilfe... Ich kam mir so beschissen assi vor, denn ich durfte ja nicht sagen, das er das Geld versoff und verprasste, sonst hätte er mich vermutlich grün und blau gedroschen.... Also erfand ich etwas und sie halfen uns, damit wir nicht aus der Wohnung flogen.. Er baute immer Scheisse und ich musste den Karren aus dem Dreck ziehen... Er verließ sich immer und jederzeit auf mich.. Eines Abends besuchte mein Bruder und seine Frau uns. Irgendwann hatten wir keine Zigaretten mehr und meine Schwägerin meinte, wir (sie und ich) könnten ja schnell in eine Kneipe gehen und welche holen. Ich sagte klar und wir gingen. In der Kneipe setzten wir uns kurz und tranken ein Cola-Bier. Dann wollten wir wieder zurückgehen. Als wir aus der Kneipe kamen, hörten wir Geschrei aus einer anderen Kneipe, die direkt daneben war.. Wir gingen hin, denn ich glaubte die Stimme von R. gehört zu haben. Als wir hinkamen lag R. ohnmächtig auf dem Boden und ich fragte meinen Bruder, was passiert war. Er meinte, das R. unruhig geworden war, weil ich so lange gebraucht hätte und gesagt habe, ich hätte sicher einen anderen Macker... Dann habe er sich ein Messer gegriffen um mich und den Typ zu suchen... Als er auf irgendwelche Leute losgegangen sei, habe einer ihm seine Gürtelschnalle gegen die Schläfe geknallt und nun sei er ohnmächtig.. Ein Krankenwagen kam und nahm ihn mit und ich rannte Nachhause, weil dieser Psychopath meinen Sohn allein gelassen hatte wegen seiner idiotischen und völlig unbegründeten Eifersucht... Ein paar Tage später kam ein Brief von den Bullen, er hatte eine Anzeige wegen Körperverletzung am Hals und ich wurde auch geladen, da sie eine Tatwaffe (sein Messer) hatten und wollten, das ich bestätige, das es uns war... Er schrie mich an, das ich sagen müsse, das ich das Messer nicht kenne, sonst sei seine Bewährung am Arsch.. Wenn ich das nicht für ihn tun würde, könnte ich was erleben.. Also ging ich zu den Bullen und sagte, ich hätte das Messer noch nie gesehen... Angst... immer diese Scheiß Angst! Auf der einen Seite die Angst vor ihm und auf der anderen Seite das schlechte Gewissen, weil ich log....

Wenn er betrunken war, sollte ich immer meine "eheliche Pflicht" (so nannte er es wirklich wenn er mit mir schlief) erfüllen... Mal abgesehen davon, das ich sowieso schon meine Probleme hatte körperliche Nähe zu ertragen, konnte ich es nicht ausstehen, wenn er besoffen auf mir hing. Ich ekelte mich so sehr und hätte kotzen können. Also verweigerte ich mich oft... Er drehte dann jedes Mal durch, schrie, tobte und schlug auch zu... Wenn er sich genommen hatte was er wollte, wartete ich oft bis er eingeschlafen war (was er immer sehr schnell tat) und schlich aus dem Bett. Ich ließ mir Badewasser ein, badete lange und schrubbte mich... heulte und versuchte diesen Schmutz abzuwaschen.. seinen Geruch... Ich fühlte mich so beschissen benutzt und dreckig... Gefühle, die ich nur zu gut kannte... die zu meinem Leben gehörten wie mein Atem... mein Herzschlag.. Nur daran gewöhnen konnte ich mich nie... Aber selbst das Waschen half nichts und der Dreck haftete auf mir wie meine Haut.... bedeckte mich völlig... Zwei Mal vergewaltigte er mich. Es war nichts anderes, denn ich hatte "Nein" gesagt und er schlug und trat zu und warf mich aufs Bett... Ich heulte, während er es tat und hasste ihn so unsagbar...

Ich dachte immer häufiger daran abzuhauen. Nur hatte ich diese ätzende Angst um meinen Sohn und mich selbst.. R. war nicht nur aggressiv, er war krank! Er sprach mit seinem Schwert, das an der Wand hing. Er erzählte auch anderen, dass das Schwert zu ihm sprechen würde.. Er hielt es für normal ! Es würde ihm sagen, das er mir den Kopf abschlagen solle.. Er sprach mit Personen die nicht im Raum waren, deren Namen ich nie gehört hatte und führte richtige Dialoge... Er sagte mir Tausendmal, das er mich irgendwann täten würde und auch meinen Sohn und dann sich selbst.. So könnten wir niemals getrennt werden..  In ihm wohnen mehrere Persönlichkeiten und er kann der liebste Kerl auf diesem Planeten sein und dann wieder - ohne Vorwarnung - zu einem wahnsinnigen Psychopathen mutieren...

1987 wurde ich wieder schwanger. Es war nicht geplant und ich hatte Schiss, das ich nie raus und weg von ihm käme... Schiss, das die Knete nicht reichen könnte für zwei Kinder, denn er arbeitete ja nicht und brauchte mehr Knete für seine Hobbys und sein Bier, als ich mit einem Kind zum Leben brauchte.. Ich bekam das Baby trotzdem und im Juli 1988 wurde meine Tochter geboren. Die beiden gaben mir die Power nicht kaputtzugehen... aufzustehen, wenn ich am Boden war und durchzuhalten.. Ich sah zu, das sie nicht mitbekamen wenn er mich schlug.. Versuchte immer klein beizugeben, wenn er mich anbrüllte, damit sie nicht mitbekamen, das er es tat und was er brüllte.. Aber ich schaffte es nicht immer, denn Kinder sind fit ! Sie wissen und verstehen mehr, als man glauben mag...  Meine Tochter war 3, als sie zusah, wie er mir sein Schwert an den Hals hielt und brüllte, das er mich abstechen würde.. ich sah sie damals nicht und dachte sie schläft... Sie hat es gesehen und sie erzählte es mir erst, als sie 12 war... Kinder sind so verdammt wertvoll und ich war sicher nie die perfekte Mutter.. Aber ich war immer eine gute Mutter, denn schlecht ist man erst, wenn man aufhört sich selbst in dieser Rolle in Frage zu stellen und das tat ich nie..! Schlecht ist man erst, wenn man seinen Kindern keine Achtung und Respekt entgegenbringt, sie entmündigt und wie kleine Deppen behandelt. Das tat ich nie und ich hatte immer Achtung und Respekt vor ihnen, ganz gleich wie klein die Persönlichkeiten auch waren.. Und ich hatte niemals ein Problem damit "Sorry" zu sagen, wenn ich sie ungerecht behandelt hatte, oder Fehler machte... Und das ist verdammt wichtig !

Ich fuhr in eine Mutter-Kind-Kur an die Nordsee, denn meine Kinder hatten chronische Atemwegserkrankungen wegen unserer schlechten Luft. Ich war das erste Mal von Zuhause weg und ich genoss es ohne R. aufstehen zu können, ihn nicht zu sehen und keine Angst haben zu müssen. Ich lernte dort Gaby, Conny und einige andere Frauen kennen und wir verstanden uns super. Er rief täglich an und fragte unzählige Male, ob es dort denn auch Männer gäbe und was ich den ganzen Tag tun würde ? Nach 2 Wochen wurde er hysterisch. Ich solle die Kur abbrechen, er wolle nicht so lange allein sein. Die Kids hätten genug gute Luft getankt und es sei ihm nicht recht, das er nicht wüsste was ich so treibe.... Er wolle mich um sich haben und zwar sofort. Ich sagte, das ich nicht käme, denn es würde mir hier gefallen und den Kindern würde es gut tun. Er rief mehrmals täglich an und fing an zu drohen. Ob ich Stunk suchen würde, ob ich mal wieder eine Abreibung nötig hätte, ob ich ihn für blöde verkaufen wolle, denn ihm sei eh klar, das ich da oben mit irgendwelchen Kerlen ficken würde.... Ich sagte, er sei krank im Kopf und das er aufhören solle mir Angst zu machen und es doch nur noch eine gute Woche dauern würde bis ich wiederkäme. Nein, ich sollte JETZT Nachhause kommen. Ich ließ mich am nächsten Tag von den anderen Frauen am Telefon verleugnen, aber irgendwann beschimpfte er sie und mir war es so peinlich, das ich ans Telefon ging. Er sagte nur: "Entweder Du kommst Morgen Nachhause, oder ich komme Morgen zu Dir und dann hast Du ein Problem, denn ich klatsch Dich ab vor allen Leuten, Fräulein! Ist mir scheißegal, ob die Leute da schon einmal so einen Aufstand erlebt haben oder nicht!" Ich wusste, das es sein ernst war und das er es tun würde..... Also sagte ich: "Okay, ich komme Nachhause!" Am nächsten Tag fuhr ich Nachhause.... Er holte uns am Frankfurter Bahnhof ab und ich hätte kotzen können.... Ich hatte so absolut keinen Bock mehr auf dieses Arschloch, auf dieses Leben mit ihm, das gar kein Leben war...

Der Alltag ging weiter.... Ich hielt Kontakt zu einigen Frauen aus der Kur. Wir schrieben uns und telefonierten. Manchmal besuchten wir uns auch, aber nicht so häufig, da wir in verschiedenen Bundesländern lebten. Natürlich erzählte ich ihnen nicht, das ich Zuhause verdroschen wurde und das mein Mann ein Psychopath war... Ich hätte mich in Grund und Boden geschämt... Irgendwie schämte ich mich schon lange für ihn.. Er konnte sich oftmals nicht richtig artikulieren, laberte echten Dünnschiss und die Leute hielten ihn für doof. Viele fragten mich, wieso ich denn ausgerechnet mit ihm verheiratet sei, denn er könne mir doch nicht das Wasser reichen und mit ihm könne man doch kein vernünftiges Wort wechseln... Am liebsten hätte ich geantwortet: "Weil ich blöd war als ich es tat. Weil ich 16 war und von einem Leben träumte, das ich nie hatte und glaubte, er könne es mit mir leben... Weil er mich in seinen Knastbriefen ablinkte und so tat, als würde er sich das gleiche wünschen... Weil er mir Dinge versprach, die er nie halten konnte.... und weil Liebe bekanntlich verdammt blind macht, erst recht wenn man 16 ist !

Meine Mutter wanderte nach Spanien aus. 2 Tage vor der Geburt meiner Tochter zog sie um. R. sollte beim Beladen des Lkw´s helfen, was er auch tat. Als Dank, ich kann es bis heute kaum fassen, schenkte dieser Bastard ihm genau dieses lederne Sitzkissen auf dem er mich als Kind immer vergewaltigt hatte..... R. brachte es mit Nachhause, stellte es ins Wohnzimmer und legte seine Füße beim Fernsehgucken darauf.. Mir war schlecht... Alle Bilder kamen wieder in mir hoch.. Ich sah mich auf diesem Kissen stehen, tränenüberströmt und bettelnd, das er mich in Ruhe lassen solle... Mein Sohn setzte sich auf dieses Kissen und spielte damit.. Es schnürte mir den Hals zu. Am liebsten hätte ich es genommen, mit Benzin übergossen und verbrannt... Aber es stand da wie ein Zeugnis.. Und ich fand keine Worte, die begründen hätten können, weshalb ich dieses Ding nicht in meinem Wohnzimmer haben wollte...die nicht einer Erklärung bedurft hätten...meine Kindheit nicht erneut verraten hätten.. So kam es mir vor ! Im TV kamen auch noch die ersten Sendungen in denen Frauen über den Missbrauch in ihrer Kindheit sprachen.. Ich saß wie gebannt vor dem Fernseher und spürte jeden Schmerz den sie beschrieben, jedes Gefühl das sie hatten... Ich saß da und weinte... R. schaltete um und maulte, ich solle mir so einen Scheiß nicht anschauen, wenn ich mich da so aufregen müsste.. Er hatte keine Ahnung, das diese Frauen gerade meine Vergangenheit erzählten.

Meine Vergangenheit hatte mich wieder eingeholt.. Wenn ich Morgens aufwachte, sah ich Bildfetzen von damals... Spürte den Ekel wieder.. roch sein verhasstes Haarwasser... sah wieder seine ekelhaften Hände auf mir.. ihn auf mir... Und da war kein Mensch mit dem ich sprechen konnte...wollte... Ich fühlte mich so elend schuldig und schmutzig ! Irgendwann war ich bei einer Frau, die bei Caritas arbeitete und ich kannte sie schon länger. Ich mochte sie, denn sie war vertrauenswürdig. Allerdings hätte ich im Traum nicht daran gedacht, das ich ihr jemals von meinem Missbrauch erzählen würde.. Wir saßen und gegenüber und sie fragt ganz belanglos, wie es denn meiner Mutter ginge, von der sie wusste, das sie in Spanien lebte... Plötzlich hatte ich das Gefühl als ob ich aus meinem Körper aussteigen würde...  Es war, als würde ich neben mir stehen und mir selbst dabei zusehen, wie ich weinte und redete... Ich redete und redete und erzählte dieser Frau von meiner Kindheit.. Sie saß da, hatte Tränen in den Augen und hörte zu ohne mich zu unterbrechen... Und ich schaltete mein Hirn aus... erzählte ohne Angst, aber mit unendlichem Scham und kam mir so unendlich schmutzig und ekelhaft vor.. Ich weiß nicht mehr, wie lange ich redete, wie ich angefangen habe es zu erzählen.. ? Ich weiß nur, das ich hinterher absolut leer war. Leer und gleichzeitig ging es mir besser ! Die Frau gab mir unzählige Taschentücher und sagte, das ich unbedingt mit meinen Geschwistern reden müsse. Vielleicht sei ihnen ja das Gleiche passiert ? Und ich müsse professionelle Hilfe kriegen, bevor mich meine Kindheit auffressen würde... Sie gab mir die Adresse von "Wildwasser" und fragte mich als ich gehen wollte, ob ich okay sei und ob ich überhaupt gehen könne ? Ich sagte, das ich okay sei und das ich jetzt gerne allein sein wolle. Ich lief noch eine ganze Weile umher...versuchte zu atmen und wich den Blicken aus, die fremde Menschen mir zuwarfen, weil es wohl selten der Fall ist, das eine Frau tränenüberströmt durch die Gegend läuft.. Dann ging ich Nachhause. R. war da und ich setzte mich ins Wohnzimmer. Er stand noch, als ich sagte, das ich mit ihm sprechen müsse... Er fragte, ob ich geweint hätte und was los sei ? Also erzählte ich ihm von meiner Kindheit, ohne ins Detail zu gehen. Ich hätte ihm keine Einzelheiten erzählen können... Er fragte auch nicht ! Er stand mit dem Rücken zu mir am Fenster und ich sah, das er weinte.. Ab und zu hörte ich ihn nuscheln: "Ich bring ihn um ! Ich fahr nach Spanien und mach ihn kaputt ! Die Drecksau...." Als ich nicht mehr sprechen konnte, weil ich so tief unten war das es nicht noch weiter gehen konnte, drehte er sich zu mir um, wich sich die Tränen aus dem Gesicht und sagte: "Du weißt ja, das ich mich heute zum Skatspielen verabredet habe. Ich geh dann mal..." Dann ging er... als hätte ich nie gesagt, was ich ihm gerade gesagt hatte.. Ich dachte, er würde erst einmal kotzen gehen, weil er sich nun so sehr vor mir ekeln würde...  Als er weg war fühlte ich mich noch beschissener... Ich rief meine ältere Schwester an und konnte erst vor lauter Schluchzen nicht sprechen. Sie fragte, was passiert sei und weshalb ich so aufgelöst wäre? Dann stotterte ich: "Hat das Arschloch auch diese Dinge mit Dir gemacht?" Mehr konnte ich nicht rausbringen, aber sie verstand... Sie fing auch an zu weinen und sagte, sie würde vorbeikommen. Eine Viertelstunde später war sie da. Wir umarmten uns und weinten beide.... Sie erzählte mir, das er sie nicht vergewaltigt hätte, zumindest könne sie sich nicht daran erinnern. Aber was er getan hatte, war mehr als genug.. Wir warteten auf unseren Bruder, der an diesem Tag auch noch vorbeikommen wollte. Als er kam und uns sah, fragte er völlig entsetzt, was denn los sei.. Dann sagte ich es ihm und auch er weinte. Da saßen drei erwachsene Menschen, die eigentlich ihr Leben fast miteinander geteilt hatten und stellten nach all den Jahren fassungslos fest, das sie die gleiche Vergangenheit hatten... Und jeder für sich hatte sich in all den Jahren eingeredet, das es nur ihm passiert sei.. Meinem Bruder ist es einmal passiert, aber einmal ist genau einmal zu viel !!! Dann entschlossen wir uns unsere Mutter anzurufen. Wir wollten sie fragen, ob es auch mit unserer kleinen Schwester passiert war... Wir konnten es nicht glauben, denn sie war seine leibliche Tochter... Als es um die Frage ging wer die anruft um zu fragen, wollte keiner von uns... R. kam irgendwann zurück und meinte, das er das tun könne... Er nahm das Telefon, stellte den Lautsprecher ein, damit wir alle mithören konnten und wählte die Nummer.. Ich musste aus dem Wohnzimmer... Ich konnte nicht ertragen, das meiner Mutter nun wehgetan werden würde.. Ihr Schmerz war meiner und er war stärker als mein eigener.. Ich ging in die Küche, wo ich jedoch trotzdem alles hören konnte. Ich atmete so tief, als ob jeder meiner Atemzüge mein letzter sei und hörte dem Gespräch zu, während mein Herz mir bis zum Hals schlug..  R. erklärte ihr was geschehen war und obwohl keiner sie angriff und behauptete, das sie etwas gewusst hätte, verteidigte sie sich sofort. Sie schluchzte, das sie von all dem nichts gewusst hätte, denn sie habe ja immer ihre Tabletten genommen und sei krank gewesen... Sie erzählte auch, das sie ihn mit Christina in Flagranti erwischt hätte, aber Christina habe ihr versprochen, das es nicht mehr passieren würde... Klar, das Opfer verspricht, das der Täter nichts mehr macht.. Oh Mann, meine Mutter war so verdammt krank im Kopf.... Sie berichtete, das er Christina seit deren 3. Lebensjahr missbrauchen würde (sie war 16, als dieses Gespräch stattfand). Auf jeden Fall würde sie uns darin bestärken, das wir dieses Schwein anzeigen sollen. Ich war am Boden.... Meine Mutter hatte es all die Jahre gewusst und ich hab mir immer eingeredet, das sie es nicht wissen konnte, da sie uns sonst beschützt hätte... Sie hat uns hängen lassen und sie wusste es ! Drei Tage später rief sie mich an und heulte, das ich ihn nicht anzeigen solle und das Christina niemals gegen ihren Vater aussagen würde, dafür würde sie schon sorgen. Außerdem hätte ich ihn doch  "genossen" bis ich 15, oder was wüsste sie wie alt, gewesen sei... Sie würde mir nie verzeihen, das ich meinen Mund nach all den Jahren aufgemacht und ihr somit ihre Familie zerstört hätte.. Sie beleidigte mich, jagte mir ein Messer mitten durchs Herz und drehte es noch ein paar Mal um... Ich glaub, an diesem Tag, bei diesem Telefonat bin ich noch einmal gestorben.. Meine Mutter, für die ich selbst gestorben wäre, gab mir die Schuld an allem... Ich brüllte sie irgendwann an: "Weißt Du eigentlich was Du da sagst ? Glaubst Du, ich hätte mir mit 8 Strapse angezogen und ihn drum gebeten mich zu vergewaltigen? Meinst Du wirklich, das ich das gewollt habe ? Du hast keine Ahnung wie sehr ich ihn hasste und Du kannst Dir in keinster Weise vorstellen wie sehr ich mich ekelte, wie sehr es mich verletzte und wie kaputt es mich gemacht hat....!" Sie schimpfte weiter und ich legte einfach auf.. Ich hasste sie... Ja, ich hasste sie so abgrundtief dafür, das sie mir die Schuld gab... Als wäre ich nicht ihre Tochter, sonder ihre Konkurrentin gewesen...

Einige Tage später rief sie mich wieder an und als ich den Hörer abnahm, hörte ich nur ein Schluchzen und ihre Worte: "Leg nicht auf, ich bin´s, Deine Mutter!" Ich antwortete nur noch: "Sie müssen sich verwählt haben, denn meine Mutter ist bei meiner Geburt gestorben!" Dann legte ich wieder auf. Ich hab nie mehr ein Wort mit ihr gesprochen und ließ mir damals eine Geheimnummer von der Telekom geben. Sie schrieb noch einige richtig heftige Briefe in denen sie mich beschimpfte, aber ich antwortete ihr nicht. Und ich litt Jahre lang... An jedem Muttertag, jedem ihrer Geburtstage, jedem beschissenen Weihnachten heulte ich mir die Augen aus dem Kopf ! Erst durch meine Therapien und mit der Zeit wurde es besser und wenn ich heute an Weihnachten Zuhause sitze und Rotz und Wasser heule, dann um die Mutter die ich gebracht habe und niemals hatte... Nie wieder um die, die sich einige Jahre meine "Mutter" nennen durfte.

Obwohl ich verheiratet war, erzog ich meine Kinder allein. Er kümmerte sich nie um sie. Besuchte nie einen Elternabend, ging nie zum Arzt wenn sie krank waren, besuchte sie auch nicht, wenn sie im Krankenhaus lagen und interessierte sich nicht für sie.. Wenn er besoffen war, nahm er sie in den Arm und lallte, wie sehr er sie doch lieben würde... aber Kindern kann man nichts vormachen..

Als meine Tochter da war, hatte ich noch weniger Zeit für mich selbst. Mein Sohn war 4 einhalb und dann das Baby, der Haushalt... R. arbeitete noch immer nicht und ich suchte mir wieder einen Job. Eine Freundin von mir war Altenpflegerin und fragte mich, ob ich nicht Lust hätte eine 93 Jahre alte Frau in meiner Nähe zu betreuen. Sie müsste jedoch gewickelt, gefüttert und gewaschen werden. Ihre Wohnung müsste geputzt werden und ich müsste ihre Wäsche bei mir Zuhause waschen. Sie hatte einen Vormund und ich lernte ihn kennen. Er erklärte mir, das ich 4 mal am Tag zu ihr gehen müsse und er zahlte nicht schlecht. Ich nahm den Job und durfte auch meine Kinder mitnehmen, denn R. war nicht gewillt sie in der Zwischenzeit zu beaufsichtigen. Kindergeschrei und volle Windeln waren ihm zuwider und er ekelte sich vor vollen Windeln.. Die alte Lady war total lieb. Sie hatte unheimlich warme und schöne Augen und manchmal dachte ich mir, das diese Augen in ihrem alten Gesicht so jung aussahen und stellte mir vor, was sie wohl schon alles gesehen hatten ? Ich schloss sie in mein Herz und es war kein Problem für mich, das ich ihr die Windeln wechseln musste. Klar, Anfangs kostete es etwas Überwindung, aber da es ihr selbst unangenehm war und sie so ein herzensguter Mensch war, streifte ich mir die Handschuhe über und tat was zu tun war. Ich ging gerne zu ihr und blieb auch immer eine ganze Weile. So entkam ich meiner eigenen Hölle und ich fühlte mich wohl in ihrer Gegenwart....  Natürlich sagte ich R. nicht, was ich wirklich als Lohn erhielt, denn sonst hätte er sich wieder das meiste abgegriffen und für Angelruten, Bier oder CDs ausgegeben....

Als ich etwa ein Jahr bei der alten Lady war, kam ich eines Morgens zu ihr - R. hatte sich erbarmt mal auf die Kinder aufzupassen - und sie lag in ihrem Bett und Wasser lief aus ihren Ohren... Sie war richtig ansprechbar und ich rief sofort einen Krankenwagen und ihren Vormund an. Als die Sannis kamen weinte sie und sagte: "Mein Engelchen, du musst mit ins Krankenhaus kommen, denn ich hab doch so Angst! Ich weiß, das ich nicht mehr aus diesem Krankenhaus rauskommen werde.....nicht lebendig ! Lass mich diesen Weg nicht allein gehen, bitte!" Ich rief R. an und sagte, das ich mit ihr in die Klinik fahren würde. Er maulte rum, das dies nicht meine Aufgabe sei und er keinen Bock hätte so lange auf die Kids aufzupassen und ich meinte: "Es ist mir scheißegal, was meine Aufgabe ist, ich bin ein Mensch und ich hab so was wie Mitgefühl in mir. Ihr ist es wichtig und ich werde es tun! Du kannst ruhig auch mal was tun!" Im Krankenhaus stellten sie fest, das sie Gehirnflüssigkeit verloren hatte und nachdem man sie etwa eine Woche stationär behandelt hatte, wurde sie in ein Pflegeheim verlegt. Zwei Wochen später starb sie... Ich ging zu ihrer Beerdigung, obwohl ich nicht gerne auf Friedhöfe gehe und weinte mir die Augen aus dem Kopf. Komisch, Menschen die gut zu mir waren und für die ich so etwas wie Liebe empfinden konnte, starben.... Leute, die mich wie Dreck behandelten und deren Existenz mir scheißegal war, lebten wie die Made im Speck.... Klar, sie war alt geworden und hat ihr Leben gelebt, aber sie war auch zu einem Teil meiner selbst geworden und mit ihr ist er gestorben... Wir hatten unzählige, tiefgreifende Gespräche geführt und sie war so intelligent, so wach in ihrem Verstand. Sie war über 40 Jahre lang Chefsekretärin und hatte mit 91 noch einen Stenowettbewerb gewonnen. Sie sagte immer zu mir: "Weißt Du Engelchen wieso ich so alt geworden bin?" Ich lächelte sie an und antwortete: "Nein, aber sicher werden Sie es mir gleich verraten!" Da lachte sie und sagte: " Ich habe niemals geheiratet! Das ist mein Geheimnis... Ich habe nur einen Mann geliebt und noch bevor wir heiraten konnten, ist er im Krieg gefallen. Ich habe nie wieder einen anderen geliebt und für mich war er all die Jahre bei mir...." Sie sagte das mit einer solchen Ausstrahlung, das ich Tränen in den Augen hatte. Ich antwortete nur: "Ja, manche Männer sollen es ja wert sein, das Frau sie ein ganzes Leben liebt!" Und  mir war mehr als bewusst, das mein eigener nicht zu denen gehörte die es wert waren...

Als meine Tochter etwa 2 war, bekam R. eine ABM-Maßnahme vom Arbeitsamt. Ich war glücklich, das ich ihn am Tag los hatte und er nicht ewig saufen konnte. Die Firma war in der gleichen Stadt in der wir wohnten und irgendwann fragte sein Chef, ob ich nicht Lust hätte auf der 600 Mark Basis in seinem Büro zu arbeiten ? Klar hatte ich. Damals gab es noch nicht so viele PCs und in der Firma arbeiteten wir noch mit Schreibmaschine und der altherkömmlichen Methode. Dann wurde ich gefragt, ob ich denn nicht eine feste Halbtagsstelle wolle, die frei ausgeschrieben war. Meine Tochter kam in de Kindergarten und mein Sohn war in der Schule und ging danach in einen Kinderhort, der mit dem Kindergarten meiner Tochter zusammenhing. Ich brachte die beiden Morgens um 7:00h dorthin und ging auf die Arbeit. Anfangs arbeitete ich bis 12:00h, ging einkaufen, machte den Haushalt und holte sie um 16:30h wieder ab. Es dauerte nicht lange und ich wurde gefragt, ob ich denn nicht auf - Basis arbeiten wolle, also bis 14:00h - Auch das wollte ich, denn ich machte den kompletten Bürokram für 3 Zweckbetriebe,  war gleichzeitig Chefsekretärin und Telefonistin. Aber es machte fun ! Ein PC wurde eingeführt und ich machte mir fast in die Hosen vor Angst.... Wenn mein Chef nicht da war, probierte ich mal hier was aus, mal da... Innerhalb weniger Tage konnte ich Serienbriefe erstellen, Tabellen anlegen und Präsentationen erstellen. Ich fing an dieses Teil zu lieben.... Also sparte ich und kaufte mir für Zuhause einen eigenen Computer. R. interessierte sich überhaupt nicht für PCs und fand den Kasten schwachsinnig. Zuhause an meinem eigenen PC traute ich mich natürlich mehr und lernte wesentlich schneller.

Mit meinen Kollegen verstand ich mich super. Wir lachten viel und alberten herum. Das gefiel R. gar nicht, denn seine Eifersucht fraß ihn fast und es gab etwa 20 Männer und nur 3 Frauen in unserem Betrieb. Ständig unterstellte er mir irgendwelche Verhältnisse und drehte ab. Ich hatte nie ein Verhältnis mit irgendeinem Kollegen, sondern sie waren alle so etwas wie Kumpel, wenn überhaupt. Privat hatte ich keinen Kontakt zu ihnen, außer mal auf Geburtstagspartys. Ich ertrug R. kaum mehr und sah immer zu, das ich meinen Jahresurlaub anders legte als er den seinen, damit ich nicht den ganzen Tag mit ihm zusammensein musste. Wenn er dann Urlaub hatte, rief er mich unzählige Male im Büro an und wehe wenn ich nicht sofort ans Telefon bin, weil ich gerade etwas zu tun hatte und auch nicht wissen konnte das er dran war... Nahm ich erst nach dem 5. oder 6. Klingeln ab, wurde ich mit den Worten: "Was brauchst Du denn so lange? Warst wohl gerade mit einem Kollegen auf dem Klo ne Nummer schieben," begrüßt. Ich fand es zum Kotzen ! Ein anderes Mal kaufte ich eine gebrauchte Gefriertruhe und fragte meinen Chef, ob es denn möglich sei das 2 der Kollegen mal mit einem Transporter vorbeifahren könnten um das Teil zu holen und zu mir Nachhause zu bringen, da ich keine andere Möglichkeit hatte und der Verkäufer ebenso wenig. Sie durften und sollten am Tag darauf gegen 7:30h die Gefriertruhe holen und gleich zu mir Nachhause bringen. Danach sollte ich dann mit ihnen zur Arbeit kommen. Also wartete ich am nächsten Tag auf die Jungs und sie brachten die Gefriertruhe, die echt ein ziemliches Trumm war, in die Wohnung. Ich fragte sie, ob sie noch schnell einen Kaffee wollten bevor wir in die Firma fahren und so tranken wir schnell einen und machten uns auf den Weg. Den ganzen Tag sah R. mich ziemlich stinkig an und sprach kein Wort mit mir. Als wir dann am Abend Zuhause waren, schrie er mich an, ob ich den Kollegen denn auch unser Schlafzimmer gezeigt hätte ? Ich konnte es nicht mehr ertragen und schrie zurück: "Nein, weißt Du, wir haben es nicht bis dahin geschafft und sind schon im Flur übereinander hergefallen!" Dafür kassierte ich natürlich Schläge, aber das war mir egal, denn ich ertrug ihn einfach auf keiner Ebene mehr... Wollte mir keine Vorwürfe mehr machen lassen für Dinge die ich nicht getan hatte ! Ich warnte ihn mehrfach und sagte, das ich es satt hätte ständig beschuldigt zu werden fremdzugehen und das ich es irgendwann täte, wenn er nicht damit aufhören würde, damit ich wüsste warum ich mir dieses Szenen jedes Mal reinziehen müsste. Es war echt krank, denn R. schnüffelte an meinen Klamotten und an mir, wenn ich mal allein weg war, um zu riechen ob ich nach Rasierwasser etc. roch... Er durchwühlte da Bett nach Spermaflecken, untersuchte seinen Rasierer ob fremde Haare daran seien und sah in jedem Mann einen Rivalen... Ich bekam kaum noch Luft neben ihm, denn er erdrückte mich mit seiner bescheuerten Eifersucht. Selbst wenn ich mit dem Walkman in der Badewanne lag und relaxte, rastete er aus und brüllte, das er das Scheiß Teil noch an die Wand klatschen würde, denn ich läge ihm zu lange in der Wanne und könnte die Zeit ja viel besser mit ihm verbringen... Er klatschte meinen Walkman auch irgendwann an die Wand ! Ich war nicht seine Frau, ich war sein Eigentum ! Er verfügte über mich und wenn ich nicht parierte setzte es Schläge, Beschimpfungen und er ging bis zu Morddrohungen über. Ich hatte mehr als einmal sein Schwert - das er zur Zierde an der Wand hängen hatte - am Hals. Manchmal war es auch ein Messer. Er brüllte immer rum das er mich abstechen, aufschlitzen und kaputtschlagen würde. Ich war die Hure, die Drecksau, die Fotze und all die netten Freundlichkeiten die einem ein asozialer Flachmaat noch so entgegenbringen kann... Ich war für mich selbst längst schon nichts mehr wert. Er war wirklich krank.... Einmal weckte er mich mitten in der Nacht und schrie mich an, das ich den Herd angemacht haben sollte und die Platten schon geglüht hätten. Ich sei so krank wie mein Vater und hätte uns alle umbringen wollen... Ich hatte den Herd nicht angefasst und schlief seit Stunden.... Trotzdem schlug er mir eine rein und behauptete, das ich es gewesen sei.... Wenn ich kochte und zum Panieren von Schnitzel z. B. einen tiefen Teller benutzte, schmiss er den Teller durch die Küche und brüllte, das man dafür einen anderen Teller nehmen müsste und das es jede Frau wüsste, nur ich blödes Stück Scheiße wüsste es eben nicht... Ich bekam schon Magenkrämpfe wenn ich kochte.... Immer hatte ich Angst etwas falsch zu machen, denn er war Gott und wusste alles besser... Und seine Strafen waren drakonisch, wenn ich Fehler machte.... Einmal warf er mir einen Topf mit kochenden Nudeln nach und ich konnte mit Glück gerade noch zur Seite springen...  Gewalt, ja das war etwas das ich kannte.. und man lernt irgendwann aufzupassen und zu funktionieren, denn Gewalt ist auch etwas an das man sich ums Verrecken nicht gewöhnen kann...  nicht gewöhnen will und auch nicht sollte !

Was unser Sexualleben anging, war es im Grunde nie eins. Er benutzte mich nicht weniger wie damals mein Stiefvater. Wenn ich nicht wollte, drohte er, oder schlug auch schon mal zu... Irgendwann resignierte ich und glaubte, das es eben meine Bestimmung sein würde und ich mich mit meinem Schicksal abzufinden hätte. Abhauen war nicht drin, denn er sagte immer, das die Welt nicht groß genug sei, als das ich mich vor ihm verstecken könnte. Meine Angst vor ihm verbot es mir zu fliehen, denn ich wusste, wozu er fähig war und meine Angst vor ihm bedurfte eigentlich eines anderen Namens, denn dieser drückt nicht annähernd das aus, was ich empfand. Mein ganzer Körper reagierte auf diese Angst.. Ich bekam manchmal keine Luft, hatte Magenkrämpfe und mein Herz raste, wenn er nur Nachhause kam...

Irgendwann war es ihm auch egal, ob er mich im stillen Kämmerlein schlug, oder vor Publikum. Vor meiner Freundin Antje hatte er seine Premiere. Er schrie mich mit den übelsten Ausdrücken an, stieß mich rum bis ich auf dem Boden lag und wollte eine 5kg Hantel nach mir werfen. Dann nahm er doch lieber sein Schwert, hielt es mir an den Hals und drohte mich abzustechen... Antje wagte nicht dazwischen zu gehen, denn sie hatte so etwas noch nie erlebt uns bekam Panik. An meinem 28. Geburtstag flippte er völlig aus, beschimpfte mich auf der Party und ging auf mich los, bis meine Freundin Gaby dazwischenging. In der Nacht bedrohte er dann 3 Freundinnen und mich mit seinem Schwert.... Damals war mir klar, das ich da raus musste... Und so plante ich meine Flucht über Monate. Ich wollte nach Niedersachsen zu meiner Freundin Conny. Als er im September 1992 zur Arbeit ging, war ich krank geschrieben, da ich eine Gallenkolik hatte. Kaum war er zur Tür raus, packte ich die Klamotten der Kinder und meine in Säcke und meine Chefin kam mit einer weiteren Kollegin und wir schleppten die Säcke ins Auto. Dann fuhren wir zu der Kollegin Nachhause, wo ich noch einen Tag mit den Kindern blieb, um am nächsten Morgen um 6:00h auf einer Autobahnraststätte vom Auto meiner Kollegin aus in das Auto meiner Freundin Conny umzusteigen, die mit ihrem Bruder und einem Kumpel in einem zweiten Auto gekommen waren um uns abzuholen. Es war echt wie im Kino, aber anders war es nicht möglich und ich starb fast vor Angst und auch vor Schmerzen wegen der Gallenkolik.  Aber ich war raus ! Ich konnte es nicht fassen, ich war endlich raus und hatte ihn los.....

Ja, ich hatte es geschafft... Auf der Autobahn riss ich das Fenster runter, zog meinen Ehering aus, warf ihn aus dem fahrenden Auto und sagte laut zu mir selbst: "Ich bin frei, endlich frei....!" Und ein paar Tränen rannen mir die Wangen runter, weil ich es noch gar nicht fassen konnte..

In Niedersachsen angekommen, räumten wir die ganzen Säcke ins Haus. Conny wohnte unten und wir im ersten Stock. Ihr Vermieter nutzte die 5 Zimmer, Küche Bad nur für seine Urlaube dort und hatte sich einverstanden erklärt, das ich die Wohnung so lange nutze, bis ich selbst eine gefunden hatte. Dafür brauchte ich lediglich 150,00 Mark Umlagen pro Monat zahlen. Es war September 1994. Meine Gallenschmerzen wurden ziemlich heftig und als ich am dritten Tag Morgens aufstand, weil ich wieder vor lauter Schmerzen nicht geschlafen hatte und so vor dem Spiegel stand, bekam ich echt Panik. Ich sah richtig krank aus und ich konnte schon nicht mehr aufrecht stehen, so übel war es... Ich hatte das Gefühl, als ob mir jemand Messer in den Bauch und den Rücken rammen würde und bekam kaum noch Luft vor Schmerz. Also rief ich unten bei Conny an, denn ich wollte nicht runterkriechen.. Sie hob ab und ich sagte nur: "Ich glaub, ich sollte mal zu einem Arzt, denn ich hab das Gefühl als ob ich nicht mehr lange hab... !" Sie kam sofort hoch gestürzt und wir packten die Kids ein und fuhren zu ihrem Hausarzt. Der drückte auf meinem Bauch rum, das ich ihm fast an die Kehle gesprungen wäre und dann machte er einen Ultraschall. Ich sah ihn erwartungsvoll an und er sagte: "Gute Frau, Sie müssen sofort in die Klinik, denn Ihre Gallenblase ist 3 x so groß als sie sein dürfte ! Ein Gallenstein hat sich in den Gang zwischen Galle und Leber gelegt und die Gallenflüssigkeit kann nicht mehr abfließen. So wie ich das sehen kann, ist ihre Gallenblase nicht nur entzündet, sondern hat bereits kleine Risse. Wenn sie ganz platzt, haben sie nur noch Minuten..." Ich sah ihn an und meinte: "Nein, geben Sie mir was gegen die Schmerzen und ein Antibiotika. Ich kann mir jetzt keinen Krankenhausaufenthalt leisten, wo ich keinen für meine Kinder habe und mein Mann sie finden könnte!" Er war nicht begeistert, aber mein Sturkopf ließ keine Wiederworte zu und so musste ich diesen berühmten Wisch unterschreiben, auf dem ich erklärte, das ich allein die Verantwortung für mein Handeln übernahm und er keine Schuld hatte, wenn mir etwas passierte. Er sagte noch, das er 3 Mal täglich nach mir schauen würde und ich nur aufstehen solle um auf die Toilette zu gehen, denn jede Bewegung könnte eine zu viel sein.. Ich bin schon immer ein Fan von Galgenhumor gewesen, ansonsten würde ich heute wohl auch nicht mehr hier sitzen und so grinste ich den besorgten doc an und meinte: "Kopf hoch doc, es könnte ja schlimmer kommen. Na und so werden wir vielleicht sogar noch richtige Freunde, wenn wir uns jeden Tag ein paar Mal treffen müssen....!" Er lächelte, wandte sich an Conny, die vor der Tür gewartet hatte und sagte zu ihr: "Reden Sie noch einmal mit ihrer Freundin, denn sie ist 28 und wenn sie nicht schnellstmöglichst in die Klinik geht, ist es nicht sicher, ob sie ihren 29.ten Geburtstag erleben wird !" Ich schleppte mich zum Auto und Conny schimpfte wie ein Rohrspatz. Ich erklärte ihr, das sie sich doch schon so lange auf die Bikerparty am Wochenende gefreut habe und ich nun nicht meine Kids bei ihr abstellen könne, damit sie Daheim bleiben müsse.. Sie furzte mich an: "Sag mal, hast Du ne Macke? Meinst Du, ich geh auf die Party und Du krepierst vielleicht?" Conny kann schon dominant sein, wenn auch auf ihre Art soft....J Na ja, wir fuhren Nachhause, sie fragte nicht lange und befahl, das ich mich aufs Sofa setze und packte einige Klamotten für mich. Dann fuhr sie zum doc zurück, holte die Überweisung für das Krankenhaus und wir brachten meine Kids zu ihrer Mum, die sich sofort bereit erklärt hatte sie mit Conny zu betreuen wenn ich in der Klinik liege. Dann fuhren wir zum Krankenhaus. Ich lächelte sie an und sagte: "Lass uns noch ne Kippe qualmen, denn immerhin könnte es ja meine letzte sein.....!" Sie regte sich auf über meinen schwarzen Humor und ich entschuldigte mich reumütig... In der Klinik ging alles ganz schnell. Sie machten einen Ultraschall und hielten mir einen Vortrag, das sie noch nie eine solch entzündete Gallenblase gesehen hätten und wie ich denn die Schmerzen ausgehalten hätte ? Das hätte ja schon seit Wochen übelst gewesen sein müssen... Ja, war es, ich hab etwa 6 Wochen lang Schmerzen gehabt und täglich mehrmals gekotzt, aber da ich meine Flucht plante, konnte ich es mir nicht erlauben schlapp zu machen. Jetzt war ich ja da und mir ging der Arsch auf Grundeis, denn durch den Drogenkonsum meiner Vergangenheit war ich so was wie imun gegen Narkosemittel. Also erklärten sie, das ich noch heute operiert werden müsse und sie mir eben die Pferdedosis verabreichen würden.. Ich gab noch eine Erklärung ab, das sie keinerlei Auskunft geben dürften über meinen Aufenthalt dort, sofern jemand anrufen sollte. Außer an Conny, die jederzeit Bescheid wissen dürfe über den OP Verlauf und überhaupt. Also fuhren sie mich zum OP und der Anesthesist verpasste mir so eine Dröhnung, das ich das Gefühl hatte, meine Lungenflügel seien gelähmt... Ich bekam keine Luft und sie verpassten mir einen Tubus, da ich nicht mehr atmete. Mitten in der OP wurde ich wach. Zwar konnte ich nicht sprechen, aber ich hörte alles was sie sagten und spürte dieses Gezappel an meinem Bauch. Als sie merkten, das ich wieder da bin, gaben sie mir noch eine Dosis. Als ich dann wieder wach wurde, dachte ich im ersten Moment das ich tot wäre. Ich atmete nicht und sah nur diese weiße Zimmerdecke über mir. Ich konnte mich nicht bewegen und so langsam hörte ich ein piepen und komische Geräusche von Maschinen. Dann beugte sich ein Männergesicht über mich, streichelte mir über die Wange und sagte: "Willkommen zurück im Leben ! Junge Frau, es war kurz vor 12 und einen Tag länger und sie wären nicht mehr unter uns gewesen. Sagen Sie mal, was haben Sie denn erlebt, das ihre Galle so gestreikt hat ? Man sagt nicht umsonst "Da geht mir doch die Galle über" und so ein Exemplar wie das ihre ist mir in 20 Jahren als Chirurg nicht untergekommen !" Ich konnte nicht antworten, denn ich hatte noch diesen Tubus im Hals. Dann lächelte er mich wieder sanft an und erklärte: "Wir beamen Sie nun noch einmal ins Traumland, da sie ansonsten nicht die Schmerzen ertragen würden. Morgen sehen wir uns wieder !" So war es dann auch und am nächsten Tag zogen sie den Tubus und fragten, ob ich mit dem Klinikpsychologen sprechen wolle ? Nein, ich wollte nicht ! Ich hätte mich viel zu sehr geschämt... Wie hätte ich in Worte fassen sollen, das mein ganzes Leben irgendwie nur ein riesiger Scheißhaufen war und ich es erst jetzt geschafft habe auszubrechen ? Sie erklärten, das sie etwa 3 bis 4 Wochen für die Wundheilung rechnen würden, denn die Wunde sei sehr groß. Conny sagte, es sei kein Problem wegen der Kinder, wenn sie mich einen ganzen Monat behalten würden, aber ich erklärte, das ich schneller wieder rauskommen würde. Ich hatte meinen Stiefvater überlebt, meine Ehe und nun konnte mir meine Galle auch nicht das nehmen, was sie nicht geschafft hatten ! Ich war überzeugt, das ich schnell wieder auf die Füße kommen würde und so was es dann auch. Am dritten Tag nach der OP hatte ich Lungenschmacht ohne Ende, stand auf, schob meine Infusionen vor mir her und schleifte mich ins Raucherzimmer... Am 5.ten Tag konnte ich wieder ohne Schmerzen aufrecht gehen und am 11.ten Tag wurde ich entlassen.

Zwar konnte ich noch keine Bäume ausreißen, durfte nichts heben das mehr als ein Kilo wog und musste aufpassen was ich esse, denn der Körper vertrug vieles nicht mehr. R. wusste noch immer nicht wo wir waren. Meine Anwältin hatte die Scheidung eingereicht und er hatte ihr schriftlich erklärt, das er einverstanden sei, das ich bis zur Scheidung das alleinige Sorgerecht bekäme. Freundinnen riefen mich an und erklärten, das er bei ihnen gewesen sei und geheult habe, das er wissen wolle wo wir wären... Sie sagten ihm nichts ! Dann begann er Briefe zu schreiben, die er an meine Anwältin schickte und die sie an mich weiterleitete. Liebeserklärungen, Schwüre, Entschuldigungen.... das ganze Programm, das ich in 11 Jahren viel zu oft hatte.... Ich reagierte nicht darauf ! Dann kamen Briefe, in denen er versprach nichts mehr zu trinken, eine Therapie zu machen, sich total zu ändern um mir seine Liebe zu beweisen. Er könne nicht ohne mich leben und ich sei für ihn die Schönste, Beste und überhaupt... Nein, ich glaubte ihm nicht mehr... Konnte ich nicht ! Als ich auch darauf nicht reagierte, wandte er sich an meine Anwältin. Er erklärte, das er Besuchsrecht für die Kinder wolle und das auch einklagen würde, wenn ich es ihm nicht gäbe.. Also rief sie mich an und sagte, das er es bekommen würde, wenn er klagt, da er ja die Kinder nicht misshandelt habe, sondern lediglich mich.... Mir hatte das auch gereicht und wäre es nach mir gegangen, hätte er die Kinder nicht sehen dürfen. Also fragte ich sie, was ich tun solle und sie antwortete: "Rufen Sie ihn an und geben Sie ihm die Kinder ein Wochenende pro Monat. Wenn er sie sehen will, muss er sie abholen und bringen. Hält er sich nicht an die Zeiten, entziehen wir ihm das Besuchsrecht wieder. Bringt er sie nicht zurück, wenden Sie sich sofort an die Polizei und zeigen Sie ihn wegen Kindesentführung an !" Klasse, ich hatte einen fetten Kloß im Hals und die alte Angst brachte mich fast um... Am Abend rief ich ihn nach 3 Monaten an.... Er fing gleich an zu weinen und ich erklärte, das ich lediglich wegen dem Besuchsrecht anriefe und keine Diskussionen wolle. Er jammerte wieder von Liebe und das er sich ändern würde und schluchzte mir ins Ohr. Ich sagte, das ihn meine Tränen nie gekümmert hätten und das er jetzt kein Mitgefühl von mir erwarten könne ! Wir einigten uns darauf, das er am darauf folgenden Wochenende die Kinder abholen dürfe und sie von Freitag Nachmittag bis Sonntag Abend haben könne. Dann sprach ich mit Conny und Uwe, denn ich machte mir fast in die Hosen vor Angst.... Ich besorgte mir eine Gaspistole und erklärte, das ich ihn unter keinen Umständen ins Haus lassen würde. Er könne die Kinder vor dem Haus in Empfang nehmen und wieder fahren. Mein Herz raste wie wild und ich rang nach Luft, als er dann um die vereinbarte Zeit kam. Ich ging mit den Kids nach draußen und er sagte nur "Hallo", stellte einige Kisten mit Sachen von uns vor das Haus, sagte "Tschüss", nahm die Kinder und weg war er wieder. Sonntags brachte er sie wieder und es lief genauso ab. Abends rief er mich dann an und erklärte, das er mir alle Zeit geben würde die ich bräuchte und warten würde, bis ich ihn wieder zu meinen Bedingungen haben wolle... Ich erklärte, das er lange darauf warten könne und ich ihm nicht über den Weg trauen könnte ! Kurz darauf fand ich in der gleichen Strasse ein 5 Zimmer Haus zur Miete und wir zogen um. Die Mieten dort sind echt genial und ich konnte es mir leisten. Noch hatte ich auch meine alte Arbeit und war krankgeschrieben. Mein Vertrag lief jedoch im Dezember aus und dann war ich erst einmal arbeitslos. Ich rief R. an und bat ihn um die Kinderzimmermöbel etc. ! Er erklärte, das er mir die Sachen mit einem Transport und zwei Freunden bringen könne, wenn ich die Spritkosten übernähme. Ich sagte zu und so brachten sie die Sachen. Er ließ seine Kumpel die Sachen ins Haus schleppen, denn er wollte meine Wohnung nicht betreten. Das war okay für mich, denn ich wollte es auch nicht ! Er lud die Kisten etc. aus dem Transporter und sie trugen sie ins Haus. Dann fragte er mich, ob ich mal Feuer htte und ich gab ihm Feuer. Wir redeten nicht viel und er sah mir in die Augen, während ich ihm Feuer gab und berührte kurz meine Hand, die ich sofort wegzog, als hätte ich einen elektrischen Schlag bekommen... Dann fuhren sie wieder. In der Nacht rief er an und erzählte, das er sich heute verliebt hätte... Ich sagte, das ich mich für ihn freuen und ihm viel Glück wünschen würde. Da weinte er wieder und sagte: "Ich hab Dir in die Augen gesehen... Ich sterbe für Dich ! Ich liebe Dich mehr wie mein Leben und ich ertrage nicht ohne Dich sein zu müssen !" Ich antwortete wieder, das es zu spät sei und er all seine Chancen verschleudert habe... Er rief oft an und wir sprachen irgendwie zum ersten Mal so richtig miteinander, über das, was vorgefallen war, über unsere Gefühle... Ja, wir konnten plötzlich miteinander reden und lachten auch viel und ich war völlig durcheinander. Da wir ja über 300km entfernt wohnten, rief er einige Wochen darauf wieder an und erklärte, das es so viel kosten würde, wenn er die Kinder immer holen und bringen müsse und er das finanziell nicht auf die Reihe bekäme. Ob er denn nicht ein Wochenende pro Monat zu uns kommen könne ? Er würde versprechen, das er auf dem Sofa schläft und mir nicht zu nahe käme... Er hatte sich um die Kinder bemüht und sie hatten eigentlich zum ersten Mal einen Bezug zu ihm... Also stimmte ich zu. Patti war 10 und Jenny 6. Er kam am Wochenende und als die Kinder am Abend im Bett waren, setzten wir uns ins Wohnzimmer, tranken Tee und spielten Scrabble.... Wir, die wir nie Tee zusammen getrunken hatten, geschweige denn ein Gesellschaftsspiel gespielt hätten... Wir lachten viel und es war, als wäre die Vergangenheit nie gewesen... Und ich war so naiv und blind, das ich schwach wurde.... Das ich nach all der Scheiße noch einmal auf ihn hereinfiel... Immer noch in der Hoffnung, das ich eine richtige Familie bekommen könnte... Liebe.. Geborgenheit... Nähe... Er schlief in dieser Nacht nicht auf dem Sofa und wir hatten wohl die zärtlichste Nacht die wir überhaupt je hatten... Wieder einige Monate später zog er auch nach Niedersachsen. Ich bestand jedoch darauf, das er sich eine eigene Wohnung nehmen müsse und er tat es. Überhaupt tat er einfach alles ohne Veto, was ich wünschte... Er las mir alles förmlich von den Augen ab ! Er war auf einmal ein super Vater, unternahm was mit den Kindern und er machte aus mir eine Königin.... und ich schmolz dahin...  wurde wieder blind... verdrängte mal wieder alles was war, denn darin war ich unschlagbar... Dennoch bestand ich auf die Scheidung, die wir auch durchzogen. Im Oktober 1995 wurden wir rechtskräftig geschieden. Da er mich gebeten hatte nichts von der Gewalt zu erzählen, da er sich so schämen würde und es nie wieder vorkäme, sagte ich lediglich, das die Ehe gescheitert sei. Er trank nicht mehr und trug mich förmlich auf Händen... Es war so heftig, so ungekannt und überwältigend für mich, das ich plötzlich noch ein Kind wollte... Ja, es sollte diesmal alles anders werden und er wollte ein wirklicher Vater sein, von Anfang an ! Er war völlig aus dem Häuschen, als ich einige Wochen später schwanger wurde.... Ständig wollte er an meinem Bauch hören, das Baby fühlen und war hin und weg...

 

 

Ich erlebte zum ersten Mal wie es ist, wenn man in normalen Verhältnissen lebt. Wie es ist, wenn man geliebt und geachtet wird, wenn einfach alles stimmt.... In der 32.ten Woche bekam ich Blutungen und er fuhr mich in absoluter Panik in die Klinik und wich nicht von meiner Seite.. Nach der Untersuchung bat der Arzt ihn mit nach draußen zu gehen und ich hörte, wie der Arzt sagte: "Wir müssen einen Kaiserschnitt machen, denn die Plazenta löst sich und ich kann nicht sehen, welcher Teil davon sich ablöst. Ihre Frau könnte verbluten, oder eben das Baby. Es könnte bei der OP zu Komplikationen kommen...!" Da schluchzte er und sagte, das sie auf jeden Fall mich retten müssten, denn wir hätten ja bereits 2 Kinder... Ich schrie, das wenn mein Baby sterben würde, sie mich auch gleich sterben lassen sollten... Also wurde ich in den OP gefahren und es ging alles ganz schnell. Mit Vollnarkose und als ich wieder aufwachte, war das Baby schon weg. Ein Spezialkrankenwagen für Frühgeburten hatte es in eine 75km entfernte Klinik für Frühgeburten gebracht.. Ich war am Ende... Diese Glückshormone in mir und dann die Gedanken, das mein Baby tot ist und mir keiner die Wahrheit sagt... Ich war erst ruhig, als ich am dritten Tag - nachdem Ziehen der Drainage und der Infusionen - selbst dorthin fuhr und die Kleine im Brutkasten anfassen und sehen konnte... R. brachte täglich meine abgepumpte Milch in die Klinik und als ich am 6.ten Tag entlassen wurde, fuhren wir jeden Tag zusammen ins Krankenhaus zu Leslie. Ich hatte damals das Gefühl, das uns ihre Geburt sogar noch mehr zusammenbrachte und es sah auch ganz so aus.... Nach vier Wochen durften wir sie mit Nachhause nehmen. Der Himmel hing voller Geigen und er war verdammt gut in der Rolle des Familienvaters.... Wir beschlossen wieder nach Hessen zu ziehen, denn ich fühlte mich nicht so wohl in Niedersachsen und so zogen wir wieder zusammen und wohnten in der tiefsten Rhön... Er machte eine Umschulung in Frankfurt zum Berufskraftfahrer und ich war den ganzen Tag eingesperrt in diesem Haus, denn es gab weder Bus noch Bahn und wurde depressiv.... So hatte ich es mir nicht vorgestellt... Er fing auch wieder an mal was zu trinken und seine Musik aufzureißen, aber er schlug mich nicht. Nach etwa 11 Monaten sagte ich, das ich in die Stadt ziehen müsse, denn ich würde in dieser Einöde krepieren... Also zogen wir in einen Vorort von Fulda.

Wir hatten dort ein 7 Zimmer Haus mit 2 Bädern und einem riesigen Garten. Er bewarb sich und bekam Arbeit, die er jedoch noch in der Probezeit wieder verlor, da der Chef wollte, das er sich seine langen Haare abschneiden lassen solle und er das nicht tat. Dann fing das ganze Drama wieder an. Er resignierte als er keinen Job fand und hing Zuhause ab. Trank wieder und wurde launisch. Nein, geschlagen hat er nicht, aber ab und zu gestänkert.... um sich dann gleich wieder zu entschuldigen, weil er eben so frustriert sei und keine Arbeit fände... Die Knete wurde knapp und er konnte noch nie mit Geld umgehen.. Sobald er welches hatte, war er Kunde im Media Markt und kaufte Cds wie ein Bekloppter. Dann kaufte er Bier und machte Party mit sich selbst... Manchmal wusste ich nicht, was ich den Kids zu essen auf den Tisch stellen sollte, denn ich hatte gerade eine Umschulung zur Fremdsprachenkorrespondentin gemacht und war wieder arbeitslos. Ich hatte weder Führerschein, noch ein Auto und fand keine Arbeit, denn Industriemäßig ist Fulda echt nichts... Dann sah ich eine Annonce in der Zeitung. "Frauen im Schichtdienst für erotische Telefongespräche gesucht. Gutes Einkommen!" Ich überlegte und war wirklich am Ende, denn ich ertrug es nicht, das meine Kinder litten, weil keine Knete da war.. Ich sagte zu R., das ich dort anrufen wolle und wenn man gut verdient, würde ich das eben tun, damit es den Kindern besser geht und ich Nachts wieder schlafen könnte. Erst war er dagegen, aber als ich dann sagte, das er ja scheinbar keine Arbeit fände und ich auf Dauer so nicht weiterleben könnte, willigte er ein. Ich rief also dort an und bekam am Telefon so gut wie keine Auskunft, sondern sollte mal eine Nachtschicht zuschauen und dann entscheiden, ob ich das könnte. Als ich dann zu dieser Schicht wollte, rastete er aus. Er wollte nicht auf Leslie aufpassen und meinte, wenn ich so einen Job machen wollen würde, sollte ich sehen was ich in der Zeit mit Leslie machen würde. Also rief ich meine Freundin Silke an und fragte, ob sie Leslie über diese eine Nacht nehmen könne ? Zu r. sagte ich, das ich lange genug zugeschaut hätte, wie er abhängt und sich nichts ändern würde, weil er scheinbar keinen Bock auf Arbeit habe und ich das meinen Kindern nicht länger antun könnte ! Es war furchtbar, wenn kein Geld mehr da war und ich echt nicht mehr wusste, was ich ihnen zu essen geben sollte. Er machte sich da keinen Kopf und sah sich auch nicht gezwungen zu arbeiten.. Ich fuhr also in diese Nachtschicht und sah mir den Laden an. Einige Gespräche die ich hörte waren echt übel und ich zweifelte, ob ich so etwas könnte ? Die stellvertretende Chefin sagte, das man einfach abschalten müsse und dann würde es schon gehen.. Die Kunden mussten 60,- für 20 Minuten zahlen und davon bekamen die Frauen 20,- ! Vorausgesetzt natürlich, das die Kunden auch bezahlten, denn taten sie es nicht, gab es auch kein Geld ! Es wurde in 4 Büros gearbeitet und jede Frau hatte einen Schreibtisch, zwei Telefone und einen PC. Es waren alles Mütter, einige alleinerziehend, einige verheiratet. Ich sagte, das ich es probieren würde, denn finanziell war ich nie tiefer unten gewesen.... Also hatte ich am Tag darauf meine erste Nachtschicht, die von 22:00h bis 6:00h ging. Ich sagte mir immer wieder: "Du schaffst das schon ! Es fasst Dich keiner an und Du musst keinen anfassen ! Denk einfach an die Kohle und daran, das es den Kindern wieder besser gehen wird !"

Also saß ich in meiner ersten Schicht und starb fast vor Angst, als das Telefon zum ersten Mal klingelte. Ich möchte hier und jetzt auch nicht die Details der stattgefundenen Gespräche wiedergeben.... Ich kann nur  so viel sagen, das es für mich manchmal echt Hölle war... Ich fühlte mich mal wieder so beschissen benutzt und dreckig... Die Chefin sagte, wir müssten auch Sodomiegesprüche führen, es gab - außer Kindersex - keinerlei Tabus... Wenn also ein Kunde anrief und wollte, das ich ihm erzähle, wie seine Frau mit seiner Dogge vögelt, hab ich ihn einfach an eine Kollegin weiter verbunden. Das war eigentlich verboten, aber mir war es egal.. Ich glaubte, das ich die Perversion dieser Welt kennen würde, aber dem war nicht so... Ich konnte in Abgründe blicken und sehen, wie krank manch verheirateter Familienvater doch war. Wie krank und pervers die Phantasien vieler sind... Also legte ich mir einen Schutzmantel zu. Wenn ich in die Zentrale kam und die Tür hinter mir schloss, war ich "Laura", das männerverschlingende Vamp, oder eben die Peitsche schwingende Domina, je nachdem was der Kunde verlangte. Ich spaltete mich ab und versuchte die Kunden immer auf Distanz zu halten. Nur keine privaten Dinge anhören oder preisgeben... Keinerlei Bezug zu ihnen haben wollen und mir nicht vorstellen, was für ein Mensch mir da ins Ohr stöhnte... Und ich war Psychologin, Eheberaterin und die Telefongeliebte.... Es ging nicht ohne Bezug und es fraß mich förmlich auf.. Ich fühlte mich so  beschissen, das ich mehr als einmal während meiner Schicht aufstand und kotzen ging.. Alles was mich aufrecht hielt waren die anderen Frauen, mit denen ich quatschen konnte, wenn mal etwas Ruhe war... Mit denen ich lachte und abschaltete... Wenn ich nach der Schicht die Tür hinter mir ins Schloss warf, wurde ich wieder zu Tina, der liebenden Mutter und der gebrochenen Frau die den Dreck niemals loszuwerden schien... Als ich meine erste Kohle bekam, strahlte R. wie ein Honigkuchenpferd.. Ja, es waren eine Menge CDs, die er sich leisten konnte und unzählige Liter Bier... Er fuhr mich zu meinen Schichten, holte mich ab und war happy. Er hatte aufgehört sich um einen Job zu bemühen und lebte dennoch nicht schlecht !

Ich zerbrach irgendwie mit jeder meiner Schichten ein bisschen mehr.... Konnte nicht mehr ertragen, wenn er mich anfassen wollte... Dann fing er an davon zu reden, das wir wieder heiraten sollten ! Ja, er wollte, das wir wieder eine richtige Familie waren und das alles überhaupt seine Ordnung hätte... Meine Kinder sagten, wenn wir allein waren, das ich es nicht tun sollte.... Es wäre doch auch okay, wenn wir so zusammenleben würden... Ich selbst wollte eigentlich auch nicht, aber er bettelte förmlich und versprach, das sich nie wieder so etwas wie in unserer ersten Ehe abspielen würde. Nie wieder würde er auch nur die Hand gegen mich erheben... Und er würde mich doch so sehr lieben... Und da stand ich. Die im Grunde längst gestorbene Persönlichkeit... Kraftlos und irgendwie verloren... Und ich sagte ja...  Ich hatte keine Ahnung, das ich es mehr als bereuen würde ! Das ich daran fast wirklich verrecken würde... Das es meine Unterschrift für einen echt harten Knast sein würde. Heute frage ich mich, wieso mein ansonsten so gut funktionierende Gehirn aussetzte...

Wir stellten das Aufgebot und am 2. August 1999 heirateten wir wieder...  Zwei Tage später machten wir eine riesige Party und stellten ein Bierzelt im Garten auf. Meine Freundinnen waren da und dennoch war ich unglücklich.. Ich spürte intuitiv, das ich einen großen Fehler begangen hatte und versuchte es vergebens zu verdrängen.. Wir waren vier Wochen verheiratet, als er mir zum ersten Mal einen Blumentopf an den Kopf warf und wieder zuschlug..

In der Zentrale wurde ich beschissen, denn die Knete stimmte überhaupt nicht. Also befand R. ,das ich mit dem nun vorhandenen Know-how ja auch Zuhause arbeiten könnte. Das sei ihm sowieso lieber ! Mir war es nicht so recht, denn so kam ich ja gar nicht mehr aus der Bude und hatte keinerlei sozialen Kontakte mehr... Aber ich tat es, denn er hatte zwischenzeitlich einen Antrag auf Erwerbsunfähigkeitsrente gestellt und spielte den kranken Mann. Er hatte Panikattacken und Tinitus. Wenn er mal wieder glaubte sterben zu müssen, flippte er völlig aus ! Ich musste bei ihm sitzen und er ließ sich öfters in die Klinik einweisen, weil er sich einredete Krebs zu haben, oder einen Herzinfarkt etc. ! Alles was sie feststellen konnten waren Durchblutungsstörungen im Hirn für die er Medikamente bekam. Dann wollten sie ihn auf die Psychiatrie verlegen und er verließ sofort die Klinik ! Auch versuchte er eine ambulante Psychotherapie zu machen, aber der doc kam nicht weiter. Zum einen ist er in keinster Weise therapiewillig gewesen und zum anderen reichte wohl auch sein beschränkter Horizont nicht aus. Also wurde er an eine Verhaltenstherapeutin verwiesen, die ihn in der dritten Sitzung aus der Praxis warf, weil er sich mal wieder daneben benahm... Er spielte den sterbenden Schwan und konnte dennoch saufen und die Musik aufreißen..  Komisch ja, das konnte er immer ! Arbeiten konnte er natürlich aufgrund seiner eingebildeten Krankheiten nicht ! Die LVA lehnte seinen Antrag ab und befand nach einer amtsärztlichen Untersuchung, das er arbeiten könnte ! Also klagte er es beim Sozialgericht ein. Als er die Aufforderung erhielt, das er sich zu einem psychologischen Gutachten einfinden solle, mokierte er sich und lehnte es kategorisch ab ! Das wollte er nun wirklich nicht, denn er befürchtete, das sie sagen würden er sei nicht ganz dicht, nur damit sie keine Rente zahlen müssten... Ja, sicher hätten sie seine diversen Persönlichkeitsstörungen festgestellt, aber das ließ er erst gar nicht zu !

Wir ließen ISDN legen und ich inserierte und arbeitete in meinem Büro Zuhause. Die Kinderzimmer lagen im ersten Stock und mein Büro im Erdgeschoss. Ich arbeitete immer von ca. 19:30h bis tief in die Nacht und es kam wieder Kohle ins Haus. Dann mietete ich noch 0190 Nummern und machte eine Datingline. Was ich auch immer verdiente, es war ihm nicht genug... "Du arbeitest nicht genug, Du faule Sau! Sieh mal zu, das mehr Kohle beikommt!" Ab und zubekam ich wieder eine in die Fresse und danach die gewohnten Entschuldigungen.. Ich versuchte abzuhauen, nahm Leslie und rannte aus dem Haus. Er rannte uns nach und da ich sie ja trug, war er schneller, riss mich am Arm und brüllte auf der Strasse: "Sieh zu, das Du ins Haus kommst, sonst schlag ich Dir hier draußen auf die Fresse!" Ein paar Lichter gingen an und Fenster wurden geöffnet. Er zerrte mich am Arm wieder zurück ins Haus. Da nahm er ein Messer und hielt es Leslie, die noch immer auf meinem Arm war, an den Hals mit den Worten: "Versuch nicht nochmal mich zu verlassen, sonst steche ich die Kinder ab und du bist schuld !" Ich winselte, das ich ihn niemals verlassen würde und er doch bitte, bitte das Messer wegtun solle... Ja, ich fing an ihn zu hassen... abgrundtief zu verachten ! Leslie war 3 und sie verstand alles... Und ich hatte diese Scheiß Angst um meine Kinder und um mich... Dann fand er eine neue Möglichkeit mich zu quälen... Er beschimpfte mich mit Ausdrücken wie: "Kanackenhure" - in Bezug auf meinen Missbrauch. Er brüllte, das es mir sicher Spaß gemacht hätte mit meinem Stiefvater zu ficken und das ich eine dreckige "Kanackenhure" sei. Meine Kinder hörten es und als wir allein waren, fragten sie mich, wieso er so etwas sagen würde. Ich wollte ihnen meine Vergangenheit erzählen, wenn sie größer sind... es besser verarbeiten können... Aber er zwang mich durch sein Gebrüll eine Erklärung abzugeben... Sie weinten und Patti sagte, das er seinen Vater hassen würde und das es nicht gerecht sei, das ich so eine beschissene Kindheit hatte und nun wieder wie Scheiße behandelt werden würde... Und das tat er ! Wenn er ausflippte und die Kinder oben schliefen, brüllte er: "Soll ich Deine Kanackenkinder mal aufwecken und ihnen erzählen, das ihre Mutter eine dreckige Hure ist ? Ja, sie fickt am Telefon mit jedem Wichser für Geld!" Ich brüllte zurück, das ich das nicht müsste, wenn er nicht so eine faule Drecksau wäre, die sich auf meinen Kosten ausruht.. Also bekam ich ein paar in die Fresse und gut wars wieder....Einmal haute ich mit Leslie in Panik ab, weil er wieder ausrastete und fuhr zu meiner Freundin Manu in den Taunus. Patti wollte bei einem Freund schlafen und Jenny war über Nacht bei einer Freundin. Ich dachte, wenn ich mal einen Tag und eine Nacht weg sei, würde er sich wieder beruhigen... Er rief auf meinem Handy an und brüllte, das ich zusehen solle das ich Nachhause käme, sonst könnte ich was erleben... Ich ging nicht Nachhause und die Katastrophe bahnte sich an. Patti hatte sich entschlossen nicht bei seinem Kumpel zu schlafen und ging ahnungslos Nachhause. Da rief R. mich wieder auf dem Handy an und brüllte, wenn ich nicht sofort Nachhause käme, würde er Patti umbringen... Patti, der dieses Telefonat hörte, rannte in Panik und in Hausschuhen zu seinem Lehrer, der ihn Nachts noch zu mir nach Frankfurt fuhr.... Aber ich musste zurück... Jenny konnte ich bei dieser Freundin nicht erreichen, denn ich wusste nicht, das sie zwei Wohnungen hatten und unter der Telefonnummer die ich hatte, ging keiner ran... Also fuhren wir am Tag darauf zurück in die Höhle des Löwen, denn ich hatte panische Angst um Jenny...

Ja, so lief es irgendwie immer. Ich hab aus lauter Angst stillgehalten und ertragen, was er an mir ausgelebt hat.. Ich hab ja auch von klein auf gelernt, das ich nichts wert war.. Gewalt ist eine Form von Zuwendung und es war über die Hälfte meines Lebens die einzige Form die ich kannte. Das ich diese Kindheit hatte, kam ihm nur zu Gute, denn jede selbstbewusste Frau wäre längst weggewesen und vor allem, hätte sie ihn kein zweites Mal geheiratet... Aber ich hab es getan und bitter dafür bezahlt...

R. bestand darauf, das ich für ihn log. Wenn jemand von meinen Freundinnen, oder einer seiner Brüder anrief, musste ich immer erzählen, das er nicht Zuhause sei und mit dem Lkw unterwegs.... Er wollte, das die Leute dachten, er sei ein verantwortungsbewusster Familienvater und erzählte auch auf jeder Party und bei jedem Besuch, das er ja ach so viel schuften würde, damit es seiner Familie gut geht.. Meist saß er neben mir am Telefon und kontrollierte, das ich nichts "falsches" sagte... Wenn er mal nicht neben mir saß, merkten die Leute sowieso gleich, das ich allein im Raum war, denn ich konnte viel entspannter quatschen. Doch, er arbeitete auch mal. So alle drei Monate etwa fuhr er zwei Wochen lang schwarz für diverse Speditionen. Wenn überhaupt. Kam er zurück, dann ist er erst einmal zum Media Markt, um seine CD Sammlung zu vergrößern... Und ne Kiste Bier war auf dem Heimweg dann natürlich auch gleich im Kofferraum, denn wenn man hart arbeitet, muss man sich auch mal was gönnen, so seine Worte... Er saß wie ein Geier am PC und sah immer nach, ob Kohle auf meinem Konto eingegangen war. Wenn ja, stürzte er förmlich auf die Bank, um es abzuheben. Er entschied, was für Rechnungen bezahlt wurden, was gekauft wurde und vor allem, was er sich kaufte... Auch hatte er immer die ganze Kohle im Portemonnaie, denn ich hätte ja was verlieren  können. Außerdem sollte ich ja arbeiten und da brauchte ich kein Geld ! Wenn ich Kippen brauchte, musste ich ihn fragen, ob ich mir die 5 Mark aus seinem Portemonnaie nehmen dürfte... Aber meist kaufte er mir Zigaretten und hatte so noch eine Begründung mehr, die erklären sollte, das ich kein Geld bräuchte. Der wirkliche Grund war jedoch immer, das ich ohne Geld nicht abhauen konnte ! Das wusste er genau und deswegen hatte ich auch nie welches... Ich finanzierte seine Klamotten, seine CDs, sein Bier, das Dach über seinem Kopf, seinen alten BMW der ständig kaputt und zur Reparatur war, seine Strafzettel, die regelmäßig ins Haus flatterten, weil er mal wieder falsch parkte, zu schnell fuhr, oder was auch immer.

Wir zogen noch einmal um. Etwa 25 km vor Fulda, in Richtung Frankfurt. Es war eine 180 qm Wohnung und wirklich vom Feinsten... Sie lag in der ersten und zweiten Etage des Hauses und unter uns wohnte lediglich die alte Mutter unseres Vermieters, die selten Zuhause war. Im ersten Stock befanden sich die Kinderzimmer, ein WC/Dusche, die Küche und das Esszimmer. Im zweiten Stock lag das Wohnzimmer, ein extra "Musikzimmer" in dem er seine CDs aufgestapelt hatte (es waren so um die 1.000 damals), ein Bad mit Wanne und Bidet, unser Schlafzimmer und mein Büro, von wo auch ich weiterhin arbeiten musste, obgleich ich längst nicht mehr wollte. Die Wohnung war wirklich klasse und für den Raum Fulda echt teuer. Wir zahlten 1.900,- DM (incl. Strom und Umlagen). Dann hatten wir noch eine Garage und einen kleinen Partyraum im Keller. Die wohl härteste Zeit meines Lebens begann....

Im Mai 2000 zogen wir also in diese neue Wohnung. Wir mussten komplett renovieren und seit ich mit ihm zusammen war, konnten wir uns das erste Mal neue Möbel leisten, Tapeten etc. ! Klar, ich verdiente wirklich gut.... Während ich dem Teufel Tag für Tag meine Seele verkaufte, freute er sich über diesen Wohlstand und gab die Knete mit vollen Händen aus...  Ich kaufte erst einmal einen wirklich teuren und guten Teppichboden für das ca. 40 qm  Wohnzimmer, neue Tapeten für alle Räume und Farbe. Außerdem bekamen die Kinder alle neue Betten und Leslie ein komplettes Kinderzimmer. Dann sah ich ein geniales Esszimmer in Kiefer Vollholz, so mit Bufet und Sideboards. Ich war total happy, das ich es kaufen konnte.. Das heißt, er hatte ja das Geld in diesem Möbelgeschäft einstecken und zahlte großkotzig auch noch 10,- Trinkgeld an die Verkäuferin..... Ich hab fast gekotzt.... Nicht wegen der 10,-, sondern weil er Graf Rotz spielte und mit dem Geld für das ich schuftete, um sich warf... So war er immer. Wenn wir im Kindergarten zu einem Gespräch geladen wurden, log er rum und behauptete nach 20 Minuten, das wir gehen müssten, da er ja die ganze Nacht Lkw gefahren sei und absolut müde wäre. (Er hatte keinen Bock sich das Gelaber von Erzieherinnen anzuhören) Natürlich gab er, wenn wir dann gingen noch mal 10,- bis 20,- Mark für die Kaffeekasse... Die Leute liebten ihn, ihn den großzügigen, netten Mann....

Wenn er mal wieder schlecht gelaunt war, was immer häufiger vorkam und rumbrüllte, das ich eine dreckige Hure sei, die Kanackenhure und die Drecksau und ich dann zurückbrüllte, das die Hure es leid sei, das er sich auf ihre Kosten fett fräße, gab es eine in die Fresse. Das wollte er nicht hören, natürlich nicht ! Er zog die Zügel straffer... nein, er schnürte mir die Luft sogar ab ! Mein Leben änderte sich recht schnell und ich hatte keinerlei Privatsphäre mehr. Er holte die Post aus dem Kasten und zensierte meine, bevor er sie mir gab. Manchmal bekam ich sie auch gar nicht... Er beantragte bei der Telekom Einzelnachweis, damit er sehen konnte mit wem ich telefonierte wenn er nicht da war. Er ließ sich auch bei den Speditionen verleugnen, wenn ein Disponent anrief weil es was zu tun gab. Wieso sollte er auch arbeiten ? Er war nur noch Zuhause und ich durfte nicht mehr allein einkaufen gehen... Ich durfte gar nicht weg ! Er befahl wann ich ins Bett zu gehen hatte, zu putzen, Wäsche zu waschen. Wenn ich dann Nachts oft erst gegen 2:00h, 3:00h ins Bett bin, weil ich so lange gearbeitet hatte, jagte er früh um 4:00h, 5:00h oft mit dem Staubsauger durch das Schlafzimmer, weil ich faule Sau um diese Zeit noch im Bett lag... Ich sollte gefälligst aufstehen und Leslie für den Kindergarten fertig machen, die natürlich von dem Staubsauger auch wach geworden war.. Er hatte am frühen Morgen keinen Bock auf sie wie er immer sagte, denn sie redete immer so viel und so laut und das nervte ihn... Wenn er sich dann doch einmal erbarmte und sie Kindergartenfertig machen wollte, wurde ich von seinem Gebrüll und ihrem Weinen wach und rannte nach unten. Er schrie sie in der Küche zusammen, weil sie nicht essen wollte, oder ihr Spielzeug mit an den Tisch nehmen wollte.. Ich schnappte sie dann immer und brachte sie aus der Gefahrenzone, indem ich mit ihr in ihr Zimmer ging und mit ihr spielte.. Manchmal kam ich gerade noch rechtzeitig, als er schon auf sie drauf schlug und sie in ihr Zimmer schubste, weil sie weinte und es ihm - wie er sagte - auf die Eier ging. Wenn sie ihr Spielzeug nach oben schleppte, weil sie natürlich nicht allein in ihrem Zimmer spielen wollte, nervte ihn das so sehr, das er alles die Treppe runterwarf und sie anbrüllte: "Wenn Du noch einmal Deine Spielsachen hier hoch schleppst, reiß ich Dir den Kopf vom Hals ! Ist das klar ?" Sie sah zu ihm hoch und nickte ängstlich mit den Worten: "Ja Papa, die Leslie macht das nicht mehr, ehrlich!" Mir zerriss es fast das Herz und ich sammelte mit ihr die Spielsachen ein und verdrückte mich mit ihr in ihrem Zimmer. Nur weg von ihm ! Nur nicht seine Stimme hören ! Nur nicht mit unserer bloßen Anwesenheit provozieren !

Zu den beiden Großen sagte er immer: "Die Mama muss arbeiten, wenn was ist, dann kommt gefälligst zu mir!" Sie gingen natürlich nicht zu ihm, denn sie hatten zum einen Angst vor ihm und zum anderen hatten sie auch keinen Bezug zu ihrem biologischen Vater. Ja, ich nenne ihn absichtlich so, denn mehr war und ist er nicht ! Sie redeten auch kaum mit ihm, denn er gab nur Befehle. Auf jetzt, die Strasse muss gefegt werden ! Putzt Eure Zimmer (immer Mittwochs und Freitags) ! Macht dies und macht jenes ! Und wehe sie flitzten nicht... Er brüllte sie an mit Bezeichnungen wie "Kackenkinder", "Bastarde", "Idioten" und noch einigem mehr. Außerdem war er sehr rechts orientiert. Ich hasste es und wenn er mal wieder seine ekelhaften Reden schwang und den Großen erklärte, das man "Kanacken" ja gleich nach deren Geburt in eine Mülltonne treten bevor sie sich vermehren, hätte ich ihn umbringen können... Ich wollte immer das meine Kinder tolerante und extrovertierte Persönlichkeiten werden, für die der Wert eines Mensche nicht an dessen Hautfarbe ausgemacht wird. Und dieser Sack machte es mir echt schwer.... Irgendwann bekam ich einen blauen Brief von Jennys Lehrerin, die mich um ein Gespräch bat. Sie hatte in der Schule die braunen Parolen von ihm wiederholt und ich wurde zur Rede gestellt, denn er wäre ja im Leben nicht zu einem Gespräch in die Schule gegangen... Ich versank fast im Erdboden und entschuldigte mich unzählige Male, um am Nachmittag mit Jenny allein zu sprechen und ihr noch einmal und zum wiederholten Male zu erklären, das dies keine gute Denkweise sei. Ich redete mit ihr über das dritte Reich und darüber, das es das Allerletzte sei so über andere Menschen zu sprechen. Sie verstand und ließ es bleiben ! Als er bei den Großen nicht mehr weiterkam, denn Patti hielt sowieso nichts von seinem Gelaber und sein bester Freund war ein Russe, hielt er sich an Leslie. So bastelte er ihr z. B. einen Papierflieger und bemalte ihn mit Hakenkreuzen, oder marschierte mit erhobenem Adolf Hitler Gruß durch die Küche und sang Lieder aus dem dritten Reich...Leslie hinter ihm her und dachte, das es ein Spiel sei und freute sich... Ich versuchte Leslie aus seinem Dunstkreis fernzuhalten, damit sie nicht genauso bescheuert wurde wie er.

Die Abstände in denen er mich misshandelte, erniedrigte und demütigte, wurden immer kleiner... Ab September/Oktober 2000 geschah es 1,2 Mal pro Woche.. Die echte Steigerung lag darin, das er nicht einmal mehr etwas getrunken haben musste. Seine Schläge waren gezielter und er hatte mehr Kraft... Wenn wir stritten, gab es immer einen bestimmten Punkt ab dem es gleichgültig war ob ich etwas sagte oder schwieg. Immer wenn er aus dem Stand vor Zorn in die Luft sprang, war es sowieso klar, das er mich schlagen würde.. Wenn er mich geschlagen hatte, gedemütigt und gequält und eines meiner Arbeitstelefone klingelte, wollte ich nie dran gehen.. Ich ertrug es nicht und da ich sowieso schon lange keinen Bock mehr auf diesen Job hatte, konnte ich in meinem Zorn und meinem Schmerz auch keinen Grund sehen zu arbeiten, damit es diesem Schwein gut ging. Also brüllte er mich an: "Los, geh ans Telefon !" Und ich sagte: "Nein, ich werde nie wieder an dieses Scheiß Telefon gehen !" Dann sah er mich an, setzte sich vor die Telefone und sagte: "Okay, wenn Du nicht willst, gehe ich eben dran und sage diesen Wichsern wer Du wirklich bist und wo Du wohnst ! Ich biete ihnen an, das sie für 500,- Mark vorbeikommen können um Dich zu ficken und bei mir nur die Kohle abzuliefern haben !" Ich bekam Angst, denn ich wusste, das er es tun würde... Als das Telefon wieder klingelte, wischte ich mir die Tränen aus dem Gesicht und ging ran... Spielte wieder eine Frau auf der Datingline, oder stöhnte irgendeinem Typen was ins Ohr... und starb jedes Mal ein wenig mehr... verlor jedes Mal etwas mehr von meiner Selbstachtung...

Irgendwann schrie ich ihn auch mal an, das er sich nicht aufspielen solle wie mein Zuhälter. Daraufhin lächelte er und meinte nur: "Ich spiele mich nicht auf wie Dein Zuhälter, ich bin Dein Zuhälter!" Ja, das war er wirklich, damit hatte er nicht einmal unrecht...

Und er drehte noch ganz andere Dinger.. So gab es z.B. in Fulda eine ziemlich blöde und unübersichtliche Hauptstrasse, auf der drei Spuren plötzlich ganz unüberschaubar in zwei Spuren mündeten... Er fand schnell heraus, das man dort gut Unfälle provozieren konnte. Wenn R. mal wieder Kohle brauchte für CDs etc., sagte er immer: "Ich geh mal "Unfall spielen" und einkaufen!" Dann fuhr er in diese Strasse und schob sich so neben die Autos, das er im toten Winkel war und die anderen ihn dann anbumsten... Natürlich hupte er wie wild und gab Lichthupe, damit der/die betroffene Autofahrer(in) anhielt. Dann machte er auf der Strasse eine Szene, zeigte irgendwelche Beulen an Kotflügel, die zum Teil schon lange da waren und erklärte, das er einverstanden wäre, wenn die Leute ihm 300,- (manchmal auch mehr) geben würden und er damit die Sache vergessen könne. Ansonsten müsse man es der Versicherung melden und dann würden die Prozente steigen und richtig teuer werden... Ja und die Leute öffneten ihr Portemonnaie.... Und er war um 300,- reicher...  Ein einziges Mal wurde ich Zeuge eines solchen Schauspiels... Er zog seine Nummer ab und lachte sich schon vor lauter Vorfreude halb tot.. Eine Frau fuhr ihm rein und als er anhielt und sie ausstieg, sah ich, das sie nur ein Bein hatte... Auf dem Beifahrersitz war ein Baby... Ich sagte zu ihm: "Du willst doch der armen Frau keine Knete abnehmen ? Das kannst Du nicht machen....!" Er sagte nur achselzuckend: "Pech, ich konnte ja nicht wissen das sie behindert ist !" Und er knöpfte auch ihr seine obligatorischen ca. 300,00 DM ab... Ich hasste ihn wie die Pest... 2000/2001 hat er diese Nummer etwa 4, 5 Mal abgezogen und kam immer durch...

Bei meinen Telefongesprächen war er oftmals dabei. Ich glaubte Anfangs noch, das er das tat um zu kontrollieren, das ich keine privaten Kontakte zu den Telefonsexkunden knüpfte, aber weit gefehlt... Er geilte sich an den Gesprächen auf und meinte dann, wenn ich aufgelegt hatte, das ich nun mit ihm ins Bett müsse. Und wehe wenn ich nicht wollte, weil der Ekel vor ihm mich fast zum Kotzen brachte.. Dann gab es Gebrüll oder eine rein... Hin und wieder kam es auch vor, das er einfach nur zuhörte und selbst Hand anlegte, so das ich fast ins Telefon kotzte.. Auflegen konnte ich ja nicht um wegzurennen, denn "jede Minute ist Geld" sagte er immer und ich hätte wieder eine Abreibung bekommen... Überhaupt verdiente ich ihm zu wenig. Das ich jeden Tag 14-16 Stunden arbeitete, war nicht genug ! Also entschied er, das er mitarbeiten würde und übernahm die Internetarbeit. Er gab die Kontaktanzeigen auf und beantwortete Mails... Und seine Inserate waren echt das Allerletzte und ich hatte die übelsten Freaks am Ohr... So saß er Morgens ab ca. 3:00h, 4:00h am Rechner und tippte mit seinem zwei-Finger-Suchsystem wie ein Weltmeister...Er war es auch, der mir sagte, wann ich mal einen Abend frei machen durfte um fernzusehen und Abstand zu bekommen... Mit ein wenig Glück hatte ich einen Abend pro Woche frei.. Er schlief jeden Abend gegen 19:00h auf dem Sofa ein...

Ich hatte längst aufgehört zu leben.. Das war auch kein Leben ! Er befahl und ich parierte. Ich saß im Knast und er war der gnadenlose Schließer ! Ich dachte einige Male darüber nach mich umzubringen... Und wenn er mal wieder mit einem Messer vor mir stand und drohte mich abzustechen, sagte ich oft: "Mach´s doch endlich ! BITTE ! Schlimmer als mit Dir verheiratet zu sein kann es nicht sein....!" Er erfand immer neue Bosheiten. Wenn er mich verdroschen hatte, sperrte er mich gerne im Büro ein. Natürlich nahm er mir das Handy vorher weg und riss das ISDN Kabel raus, damit ich nicht die Bullen rufen konnte... Dann saß ich in meinem Büro, eben noch geschlagen worden und nun wie eine Entmündigte seiner Willkür ausgeliefert und eingesperrt... Ich hasste dieses Leben.. ich hasste ihn... und ich hasste mich selbst dafür, das ich nicht die Kraft besaß abzuhauen... und dafür, das meine Angst mich lähmte....

Ich vegetierte und was noch viel schlimmer war: Ich resignierte. Mir war nicht klar, das meine Kinder diese ganzen Dramen mitbekamen... Wenn er mich anschrie, beschimpfte, schlug und einsperrte... Aber Anfang diesen Jahres wurde es mir klar. Er behandelte auch sie wie Scheiße und im Januar kam es zwischen ihm und Patti zum Streit, denn Patti konnte seinen Mund nicht halten. Erst schmiss R. einen Stuhl durch die Küche und dann baute er sich vor Patti auf, der lediglich gesagt hatte, das wenn sie die Kanackenkinder seien, er doch wohl der Kanackenvater wäre... Er fuchtelte Patti mit seinem Zeigefinger im Gesicht herum und brüllte.. Ich hatte Angst, das er zuschlagen würde und ging dazwischen und brüllte ihn an: "Wenn Du jemanden schlagen willst, nimm mich !" Dann sagte ich zu Patti: "Bitte geh in Dein Zimmer ! SOFORT !" Ich wollte ihn in Sicherheit wissen, denn ich kannte R. nur zu gut und ich hätte es nicht ertragen, wenn er Patti geschlagen hätte... Also ging Patti in sein Zimmer und ich blieb vor R. stehen, damit er ihm nicht nachging..  Er brüllte mich an, das ich immer zu meinen Kindern halten würde und endlich mal lernen solle auf ihn zu hören, denn er hätte immer Recht ! Dann ging er nach oben und ich wusste, das dies noch nicht ausdiskutiert war. Ich ging auch nach oben und setzte mich an meinen Schreibtisch um mir eine Kippe anzumachen. R. maulte im Wohnzimmer vor sich hin das ich ne blöde Kuh sei, eine Drecksau und was weiß ich noch... Er kam immer wieder ins Büro gestiefelt und schrie mich an, wobei er mit seinem Zeigefinger vor meinem Gesicht rumfuchtelte. Das tat er immer, wenn er sich aufregte und kurz davor war zuzuschlagen.. Ich sagte nichts mehr, gab ihm kein Recht und sprach auch nicht gegen ihn. Aber es kam wie es kommen musste... Er sprang irgendwann wieder aus dem Stand in die Luft und sein Blick war der eines Wahnsinnigen.. Er knallte mir so eine, das ich mit meinem Schreibtischstuhl der Räder hatte, nach hinten rollte und mit dem Hinterkopf an die Dachschräge knallte... Dann riss er den Bildschirm vom Schreibtisch, hob ihn ein Stück hoch und warf ihn nach mir. Zum Glück gab das Kabel nicht nach und er knallte nur auf den Schreibtisch.. Er brüllte wie abgestochen, beschimpfte und bedrohte mich.... Und es kostete mich wieder so eine ungeheure Kraft meinen Mund zu halten... Ihn nicht anzubrüllen, das er ein geistig minderbemitteltes Arschloch ist....ihm nicht zu sagen wie sehr ich ihn hasse und wie sehr ich ihm die Pest an den Hals wünschte... Nein, ich wusste, wenn ich das täte, hätte ich verloren.. Dann hätte er mich vermutlich totgeschlagen... Als ich nach unten in die Küche ging, kam Patti weinend aus seinem Zimmer. Er sagte: "Mama, ich hau ab ! Ich ertrage das hier alles nicht mehr und ich kann auch nicht länger mit ansehen, wie er Dich behandelt ! Wie dieses faule Schwein uns alle behandelt ! Du musst auch hier raus Mama, bevor Du völlig kaputt bist !" Ich antwortete: "Ich weiß Patti, aber ich weiß nicht wie... Und ich hab so eine elende Angst vor dem was er tun wird, wenn wir es schaffen rauszukommen !" Er sah mich nur an, umarmte mich und meinte: "Du wirst eine Möglichkeit finden ! Ich liebe Dich Mama !" Dann ging er und ich stand weinend am Fenster... Ja, ich hab ihn gehen lassen, denn ich verstand ihn und ich wusste, wohin er gehen würde auch ohne das er es mir sagte... Am liebsten wäre ich auch gegangen... Nach drei tagen erreichte ich Patti heimlich auf dem Handy und erklärte ihm, das ich ihm schwören würde, das ich uns alle rausholen würde und das er bitte wieder zurückkommen soll. Er kam und sagte, das er nur gekommen sei, damit ich mein Versprechen auch einlösen würde..!

 

Er kannte immer weniger Grenzen in seiner Gewalt.. Anfang 2001 schrie er mich wieder an, weil ich Patti erlaubt hatte bei seiner Freundin zu schlafen und er suchte und fand wieder eine Mglichkeit seine Aggressionen abzubauen... Obwohl ich nichts mehr sagte, weil ich sowieso schon sprte, das es wieder so weit war und ich es nicht verhindern konnte... Er steigerte sich immer mehr in seinen Zorn und dazu brauchte er niemanden... Ich saß am Schreibtisch und als ich aufstehen wollte um ins Bad zu gehen, schlug er mir so ins Gesicht, das ich durch das ganze Büro flog, mit dem Kopf an die Wand klatschte und rücklings auf dem Sofa landete... Ich konnte nicht so schnell gucken wie er auf mir hing, mich beschimpfte und mich würgte... Er drckte so zu, das ich echt dachte, es sei meine letzte Stunde... Plötzlich hörte ich Leslie neben uns schreien... Ich konnte sie nicht sehen, weil er auf mir hing.. Sie brüllte: "Papa, lass meine Mama los! Tu meiner Mama nicht weh!" Das brachte ihn scheinbar etwas runter und ich denke, das ich nicht übertreibe wenn ich sage, das sie mir damals das Leben rettete.... An diesem Tag hätte er es zu Ende gebracht, ich weiß es... Ich bin heute noch sicher..

Manchmal, wenn er seine fünf Minuten bekam, schrie er mich an: "Ich weiß, das Du mich verlassen willst ! Gib es schon zu Du dreckige Hure... Na komm, sag es mir !" Ich sagte gar nichts und sah ihn nur an.. Dann brüllte er immer: "Du wirst mich nicht verlassen, denn ich werde jetzt die Kinder abstechen und dann Dich ! Zuletzt steche ich mich selbst ab und dann kann uns nichts mehr trennen...! Bei der Kleinsten fange ich gleich mal an. Dann schrie er: "Leslie komm mal zum Papa !" Er wollte  nach unten in die Küche um ein Messer zu holen... Ich, die ihn so sehr hasste und verachtete, warf mich ihm an den Hals und bettelte: "Mach den Kindern nichts, bitte! Nein, ich werd Dich nicht verlassen, ehrlich nicht!" Und es zerstörte mich... Es brachte mich um.... Diesem miesen Schwein so ausgeliefert zu sein und dann noch so tun zu müssen als ob ich ihn noch lieben würde...

Es wurde immer heftiger... Anfang 2001 kam auch mal Manu zu Besuch... Wir saßen im Büro allein und ich hatte ein T-Shirt an. Plötzlich fragte sie mich, was ich denn an meinem Oberarm gemacht hätte ? Ich sah hin und erkannte diesen fetten Bluterguss, den ich völlig vergessen hatte.. Dann versicherte ich mich, das R. nicht kam und sagte ihr, das er mal wieder zugeschlagen hatte.. Und ich zeigte ihr eine bunte Beule an meiner Stirn.. Sie sah mich an und meinte: "Scheisse, wie lange wie lange willst Du das noch ertragen ?" Und ich fing fast an zu heulen, ließ es aber weil er ja hätte kommen können und sagte nur: "Ich muss hier raus, ich weiß! Ich muss nur gut planen und organisieren, denn sonst bringt er mich um!"

Seit Februar schmiedete ich dann Pläne.... Ich wollte warten, bis er mal wieder schwarz Lkw fuhr und ich mit den Kindern fliehen konnte... Und es war eine der härtesten Prüfungen, wenn nicht die härteste Prüfung meines Lebens.. Zu ihm musste ich ja "normal" sein, denn wenn er Lunte gerochen hätte, wäre er nie im Leben schwarz gefahren und hätte mich bewacht..  Wenn er also mal wieder sagte: "Ich liebe Dich Mausi," dann lächelte ich ihn mit all meiner überwindungskraft an und antwortete: "Ich Dich auch!" Am liebsten hätte ich gekotzt, weil das alles so beschissen krank war.. Am letzten Februarwochenende eskalierte dann alles noch einmal.. Ja, wenn Mister Schicksal mich schon türmen lassen sollte, dann hatte ich mir das auch hart zu verdienen... Er soff mal wieder Bier und riss die Musik auf.. Im Anfangsstadium seines Suffs war er immer sehr anhänglich, was ich echt als widerlich empfand... Ständig kam er und beteuerte, wie sehr er mich lieben würde und ich wusste jedes beschissene Mal, das seine Stimmung bald umschwenken würde... Auch an diesem Tag ! Irgendwann fing er mal wider eine Diskussion an und da ich meine Freiheit irgendwie vor Augen hatte, versuchte ich ganz locker zu bleiben und redete beschwichtigend auf ihn ein... Ich gab ihm in allem Recht, obgleich er Unrecht hatte... Es nutzte nichts... Noch ein letztes Mal musste er mich töten, auch wenn zu diesem Zeitpunkt noch niemand wusste, das es das letzte Mal sein würde...  Ersteigerte sich wieder in seine Wut, sprang aus dem Stand in die Luft und brüllte, das man es drei Strafen weiter sicher noch hören konnte: "Du dreckige Kanackenhure, lass Dich doch von Deinem Stiefvater ficken, das hat Dir doch als Kind schon Spaß gemacht..!" Nein, ich sagte nichts dazu... nein, ich weinte auch nicht mehr, denn ich hatte längst keine Tränen mehr und ja, in mir zog sich dennoch alles zusammen und ich hatte das Gefühl kotzen zu müssen... Ich hatte mir wieder die ganze Bandbreite von Beschimpfungen und Erniedrigungen zu geben und er badete sich in meinem Schmerz.. Er schubste mich rum und knallte mir eine und ich wehrte mich genauso wenig wie ich mich in all den Jahren nicht wehrte... Ich sagte auch nichts mehr... Ich sah ihn nur an... Dann griff er sich so ein kleines, hartes Teil vom Bildschirm, das wie ein Urlaubssouvenir aussah... Er warf es mit voller Wucht und traf meine Stirn.. Ich hielt mir den Kopf und das Blut floss zwischen meinen Fingern über mein Gesicht.. Dann kam Patti ins Zimmer, sah R. böse an und sagte: "Ich weiß schon lange das Du meine Mutter schlägst, Du fieses Schwein!" Er hatte vor Zorn Tränen in den Augen.... R. sah ihn an und sagte: "Nein, ich hab Deine Mutter nicht geschlagen, ich hab ihr nur was an den Kopf geworfen!" Patti sagte nur noch: "Und Du begreifst nicht einmal, das dies das gleiche ist!" Dann umarmte er mich und weinte Rotz und Wasser... Ich flüsterte nur in sein Ohr: "Nicht mehr lange Patti, nicht mehr lange...Ich halte mein Versprechen!"

Um den 6. März 2001 kam der Anruf auf den ich so sehr gewartet hatte... den ich so sehr herbeisehnte.. Die Spedition rief an und erklärte, das er am 13. nach Italien fahren solle und er sagte zu... Ich begann die Tage, Stunden und Sekunden zu zählen.. In der Nacht vom 13. auf den 14. fuhr er los. Da er immer vom Lkw aus Zuhause anrief um zu prüfen ob ich da bin und das ich auch arbeite, wusste auch ich immer wo er war. Ich wollte warten, bis er in Italien über die Grenze war und dann abhauen.. Am 14. rief ich meine kleine Schwester an und fragte, ob sie mich mit den Kindern aufnehmen würde, bis wir eine eigene Wohnung hätten. Sie sagte gleich ja und fragte, wann wir kommen wollen ? Ich antwortete: "Morgen vermutlich!" Er hatte ihre Adresse nicht, da sie erst umgezogen war. Am 15. Morgens rief er an und erklärte, das er in Italien sei und das er mich ja ach so sehr lieben würde... Ich dachte mir nur: "Ich Dich aber nicht und heute ist mein Tag! Das endgültige Ende meiner Hölle....!" Als ich aufgelegt hatte, suchte ich aus dem gelbe Seiten Buch einige Anwälte und rief an. Ich wollte noch an diesem Tag einen Termin und bekam auch einen. Dann rief ich eine Taxizentrale an und erkundigte mich, ob sie auch kurzfristig Transporter mit Fahrer vermieten ? Es war möglich und ich vereinbarte, das ich am Abend um 19:00h einen haben wollen würde... Dann fingen wir an zu packen. Drei Stühle, vier Matratzen, Bettdecken, Kissen, Handtücher, Klamotten, Dinge an denen wir hingen, die Computer... Um 15:30h hatte ich den Termin beim Anwalt.. Ich schnappte das letzte Scheidungsurteil und das Stammbuch und ging hin.. Ich erklärte ihm, das ich eine Härtefallscheidung wolle, so das ich kein Trennungsjahr abwarten müsse und wir beantragten das alleinige Sorgerecht. Ich gab ihm die Anschrift von Manu, über die er mich postalisch erreichen konnte.. Außerdem meine Handynummer. Dann wünschte er mir Glück und ich rannte Nachhause um zu sehen, das wir nichts vergessen hatten.. Um 19:00h kam der Fahrer mit dem Transporter.. In dem Moment als er vor dem Haus vorfuhr, klingelte das Telefon.. R. war dran und wollte wissen, was ich mache... Ich sagte nur, das es geklingelt hätte und er später noch einmal anrufen solle... Wir luden alles in den Transporter und fuhren gegen 19:40h los.... Eine Freundin von Patti war noch mit dem Auto gekommen, denn wir hätten nicht alle in den Transporter gepasst. Gut war auch, das meine Kohle einen Tag zuvor gekommen war und ich die Geldautomatenkarte hatte.. Sonst hätte ich nicht den Transporter zahlen können und kleine Anzahlung für den Anwalt gehabt.. Wir sitzen also in diesem Transporter und mein Handy klingelte.. Ich nahm ab und R. war dran ! Er schrie gleich: "Wo bist Du ? Wieso bist Du nicht Zuhause ? Du sitzt in einem Auto, das höre ich doch... !" Ich legte wortlos auf und schaltete mein Handy ab... Und diesmal wusste ich genau, das dieses Mal für immer sein würde... Ich war weitere anderthalb Jahre mit ihm verheiratet gewesen... und sie waren schlimmer, gewalttätiger und demütigender als die 11 Jahre unserer ersten Ehe... Ich war eigentlich nur noch ein psychisches Wrack.... Aber ich raffte mich für meine Kinder auf, bevor sie noch mehr Leid ertragen mussten... Und es war ein megageiles Gefühl auf dem Weg in die Freiheit... in ein neues, besseres Leben...

 

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